Heiligenhauser Eisdiele verzichtet auf Bedienung

Im Eiscafé Rinaldo an der Hauptstraße gibt es keine Bedienung mehr, nur noch Selbstbedienung - hier im Bild Liliana Rinaldo.
Im Eiscafé Rinaldo an der Hauptstraße gibt es keine Bedienung mehr, nur noch Selbstbedienung - hier im Bild Liliana Rinaldo.
Foto: Heinz-Werner Rieck
Was wir bereits wissen
Aus Fachkräftemangel beschlossen Liliana und Giovanni Rinaldo auf Selbstbedienung umzustellen. Im Heimatland ist das typisch.

Heiligenhaus..  Zischend springt die Kaffeemaschine an. Mit flinken Fingern schäumt Liliana Rinaldo Milch auf. Idealerweise bauscht der heiße Dampf die Milch bei 60 Grad auf. Neben ihr füllt sich bereits das erste Tässchen Espresso. „Wir drücken hier nicht einfach nur auf einen Knopf und der Latte Macchiato ist fertig“, erklärt Rinaldo. Dem Cappuccino die perfekte Kapuze aufzusetzen, erfordert Können. Aus Fachkräftemangel haben sich die Rinaldos spontan dazu entschlossen im Außenbereich Selbstbedienung einzuführen. In Italien ist das schon lange gang und gebe.

Seit April sind Giovanni und Liliana schon allein hinter der Theke. Sonst hatten sie immer tatkräftige Unterstützung aus der Heimat Italien. Doch die beiden Fachkräfte haben nun einen festen Job gefunden und können nicht mehr zum Saisongeschäft nach Heiligenhaus reisen. Kurzerhand suchten die beiden Eiskonditoren vor Ort nach helfenden Händen.

„Eis holen, Teller hinstellen, fertig – so einfach ist das nicht. Kellner ist ein richtiger Beruf, den man lernen muss“, weiß Giovanni Rinaldo. Außerdem machen die beiden Italiener alles selbst, vom Eis bis zur fruchtigen Soßenkörnung und der Arbeit am Spülbecken. „Viele wollten nur bedienen und nichts anderes machen. Aber das geht nicht“, sagt Liliana Rinaldo.

Zwei Monate brauchen die Gelatieri, um Mitarbeiter anzulernen. Denn zwischen all dem Speiseeis einen kühlen Kopf zu behalten, auch wenn die 70 Plätze draußen gerappelt voll sind, ist für Frischlinge schwierig. „Wenn Stress herrscht, muss man Gas geben. Aber es gibt auch Tage, an denen sitzt man nur und wartet. Hier kann man nicht vorplanen, wie viel zu tun ist“, beschreibt Giovanni Rinaldo das wechselhafte Saisongeschäft in Deutschland.

In Italien buchen die Gäste das gute Wetter praktisch mit, genauso wie den Service. „Man zahlt direkt einen Servicebeitrag, egal ob man nur eine Cola oder einen Eisbecher hat“, weiß Rinaldo. Im Stiefel ist es auch üblich, dass das Personal nicht an die Tische kommt. Es sei denn, man zahlt für diesen Service drauf.

Dort gibt es schon lange das Prinzip der Selbstbedienung. Aus Fachkräftemangel haben sich die Rinaldos nun dazu entschlossen dieses System auch in Heiligenhaus zu übernehmen. „Ich denke, die Kunden gewöhnen sich daran. Ältere Gäste, die nicht so mobil sind, denen helfen wir natürlich“, so Giovanni Rinaldo. Jeder Eisbecher kann auch im Plastikbehältnis bestellt werden, dann trägt es sich nicht so schwer. Nächstes Jahr besucht Rinaldo die Eismesse in Rimini und sucht nach Ideen, die das Prinzip weiter verbessern.