Heiligenhauser dürfte kein mildes Urteil erwarten

Vor dem Landgericht in Wuppertal wird der Totschlag an einer jungen Frau verhandelt, der am 7. März 2014 geschah. Angeklagt ist der von ihr getrennt lebende Ehemann aus Heiligenhaus.
Vor dem Landgericht in Wuppertal wird der Totschlag an einer jungen Frau verhandelt, der am 7. März 2014 geschah. Angeklagt ist der von ihr getrennt lebende Ehemann aus Heiligenhaus.
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Was wir bereits wissen
Medizinisches Gutachten erklärt den Heiligenhauser Angeklagten N. für „psychisch stabil“. Sein Anwalt hat jedoch noch einen Beweisantrag in petto.

Wuppertal / Heiligenhaus..  Vorletzter Tag im Totschlags-Prozess um den Heiligenhauser N. (31, Name geändert) vor dem Landgericht. Eigentlich klingt es wie eine gute Nachricht: Laut Gutachter ist der Angeklagte „psychisch stabil“. Der Psychiater sieht für den Tathergang am 7. März keine „Affektdominanz“.

Die Anzeichen, dass N. während der Tat eine „tiefgreifende Bewusstseinsstörung“ gehabt haben könnte, würden sich nicht erhärten. N. habe sich während der Tat viel zu geistesgegenwärtig verhalten, sagte der Gutachter. Sein ganzer Lebenslauf gebe keine Hinweise auf aggressives Verhalten, „er ist jemand, der ruhig reagiert, nicht der, der sofort in eine affektive Handlung einmündet“. Auch als der Psychiater ihn drei Monate nach der Tat bat, den Hergang zu berichten, seien die bei einer Bewusstseinsstörung zu erwartenden Stress-Symptome ausgeblieben.

Für den Angeklagten jedoch das Schlechte an der guten Nachricht: Mit dem Gutachten wird ein mildes Urteil für ihn unwahrscheinlicher. Die Annahme einer Bewusstseinsstörung kam auf, weil sich N. vor Gericht an die meisten der laut Autopsie mindestens 29 Messerstiche nicht erinnert hat. N.s Verteidiger sieht darin eine affektbedingte „tiefgreifende Bewusstseinsstörung“ am Werk, die nach Paragraf 20 des Strafgesetzbuchs die Schuldfähigkeit ausschließen würde.

Der Psychiater meint hingegen: Dass der Gewaltexzess „wie aus seinem Gedächtnis ausgestanzt“ ist, „spricht für eine Verarbeitung, nicht für eine Affektdominanz“.

Damit gibt sich N.s Verteidiger allerdings nicht zufrieden. Er packt den Gutachter bei seinen sehr knappen Ausführungen zur zweiten Einlassung des Angeklagten. Nachdem N. zu Beginn des Prozesses ein Szenario der Notwehr gegen seine in Trennung lebende Frau geschildert hatte, hatte er vergangene Woche abweichend erzählt, sie habe ihn mit sexuellen Einzelheiten aus ihrer neuen Beziehung gedemütigt, woraufhin er zugestochen habe. Schon zuvor hatte N.s Verteidiger eine zweite Expertenmeinung gefordert. Das Gericht hat das abgelehnt.

Der vom Gericht bestellte Gutachter sagt, in diesem Fall und im Hinblick auf das Vorliegen einer „tiefgreifenden Bewusstseinsstörung“ mache es keinen Unterschied, ob N. sich körperlich oder seelisch angegangen fühlte. Er findet N.s Geistesgegenwart in allen erzählten Versionen bestätigt.

Ein Beispiel: Immer wieder hieß es, N. habe nach der Bluttat und bevor er sich der Polizei stellte, seine Hose gewechselt. Der Gutachter sieht darin situationsgerechtes Handeln, N.s Anwalt nennt es „Unsinn hoch sieben“.

Am 10. Februar wird weiter- und wohl auch zu Ende verhandelt. Wenn nicht N.s Anwalt noch etwas aus dem Hut zaubert. Einen Beweisantrag hat er noch in petto.