Heiligenhauser Campus-Technik zählt die Tore

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Was wir bereits wissen
Vier Mechatronik-Studenten entwickelten eine Torlinientechnik für ihren Kicker. Im Spielzeug stecken noch Aufgaben für einige Studenten-Generationen.

Heiligenhaus..  Am Tischkicker ist nun wirklich nichts mehr zu verbessern – sollte man meinen. Allenfalls könnten Snobs ihr Modell für den schnellen Indoor-Kick noch mit edleren Materialien um ein, zwei km/h beschleunigen und um etliche hundert Euro verteuern. Doch vier Mechatronik-Studenten am Campus belehren Kicker-Ignoranten eines Besseren. Und das auch noch mit einem Material-Einsatz von weniger als 100 Euro. Der gespendete Kicker im fünften Stock des Campus-Domizils am Höseler Platz verfügt nun über eine Torlinientechnik.

Der unbedarfte Kicker-Spieler sieht davon (fast) nichts. Nur einen kleinen Raspberry Pi. Der Display des Einplatinen-Computers (Preis: 30 Euro) zeigt den Torstand an. „In dem Kästchen liegt die ganze Software“, sagt Dietmar Gerhardt, der Professor der vier Studenten. Dafür das passende Programm zu schreiben, war ein Teil der ein Semester währenden Herausforderung.

„Wenn der Ingenieur etwas sieht“, sagt Dietmar Gerhardt, „denkt er sofort: automatisieren!“ Aus Sicht des Campus-Dozenten steckt im Prinzip Kicker noch Arbeit für etliche Studenten-Generationen. Die nächsten Siebt-Semester sollen sich die elektronische Geschwindigkeitsmessung des runden Kügelchens (Leder kann man hier ja leider nicht schreiben) vornehmen. Kleine Hilfestellung: „Knapp über 22 km/h“, verrät Dietmar Gerhardt, „ist schon ordentlich geschossen“.

Entscheidend allerdings ist auf dem Platz – und noch entscheidender im Kasten. Für die drei Studenten der Torlinientechnik (Tobias Schumann, Marc Schiricke, Benedict Bialon) und eine Studentin (Mara Schulte) hieß das zunächst: zwei Arbeitsgruppen bilden, fürs Programmieren und für die Elektronik. Einen ausgefeilten Projektplan, wie ihn die Vier aktuell während ihres Praxis-Semesters vorlegen müssen, hatten sie für die unsichtbar verbaute Kicker-Elektronik dann aber doch nicht. „Mündlich haben wir uns Meilensteine gesetzt“, sagt Marc Schiricke. „Die Teamfähigkeit hat es sehr gefördert“, bestätigt Tobias Schumann.

Gefragt: Handwerk und Mathematik

Wo waren die Lichtschranken zu platzieren, um auch gefürchtete Kullerbälle zu erfassen? Wie ist die empfindliche Sensorik vor harten Schüssen zu schützen? Abstrahlwinkel-Arithmetik war da ebenso gefordert wie handwerkliches Geschick. „Wir haben erst alles auf dem Steckbrett aufgebaut“, erklärt Benedict Bialon, „und dann ausgemessen“. Dann galt es,, den Kicker auseinander zu nehmen, die Sensorik samt Kabeln zu verlegen – und das ganze Fußballfeld wieder zusammen zu setzen.

Könnte aus ihrer Torlinientechnik im XXS-Format also ein kommerzielles Produkt werden? Mit der Frage hatten die angehenden Mechatroniker (mit Bachelor-Abschluss) wohl nicht gerechnet. Dabei werden an Kickern sogar Weltmeisterschaften ausgetragen. „Ich bin für die Torlinientechnik“, sagt Marc Schiricke – und klingt fast enthusiastisch.

„An der Serienreife arbeiten wir“, meint ihr Professor aufmunternd. Zunächst aber wünscht sich Dietmar Gerhardt vom Bürgermeister, dem Stifter des Campus-Kickers, einen zweiten Tischfußballplatz. Natürlich vor allem für die angewandte Wissenschaft: für einen weiteren Ingenieur-didaktisch Freistoß vom Feinsten, versteht sich.