Heiligenhauser Bürger beklagen Situation der Ortsdurchfahrt

Das Nadelöhr Hofermühle der Ratinger Straße: in der engen Kurvegeraten viele auf die Gegenfahrbahn.
Das Nadelöhr Hofermühle der Ratinger Straße: in der engen Kurvegeraten viele auf die Gegenfahrbahn.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Hofermühler demonstrieren wegen ständiger Gefahren-Situationen in der kurvigen Strecke. Der Verkehrsausschuss formuliert eine „kleine Lösung“.

Doch, man ist immer wieder dankbar, hinter einer kniehohen Leitplanke zu stehen. Sonst würde der Blick sich ständig unruhig auf die herannahenden Lastwagen richten. „Da, sehen Sie“, ruft Anke Indra. Man sieht’s: Der Gelenkbus, südwärts unterwegs, kann die Ratinger Straße in der engen Hofermühler Kurve nur passieren, indem er kurz auch in die Gegenfahrbahn hinein ragt.

Eine Standard-Situation zwischen der schmalen Brücke über die Wülfrather Kalkbahn im Norden der „Ortslage“ aus wenigen Häusern und der Bushaltestelle, die im Süden an einem völlig vernachlässigten Fuß- und Radweg endet. „Kommen Sie mal ein Stück mit“, sagen Anke Indra und Clarissa Freudewald vom Bürgerverein Hofermühle. Ihr Protest-Transparent, das „Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer fordert“, haben sie weiter gereicht an andere Anwohner: An der Brücke ist der „ausgewiesene Fuß- und Radweg“ gerade mal von einem einzelnen Fußgänger zu passieren. Und der sollte vorsichtig sein.

Die Befürchtung der Anwohner: Ist die A44 freigegeben, wird der Verkehr noch zunehmen. Das bestätigt Michael Krahl am Dienstag Abend im Verkehrsausschuss: Als Zubringer zur Autobahn werde die Ratinger Straße noch rund 20 Prozent mehr Autos aufnehmen müssen, so der Leiter der Abteilung Straßenbau im Rathaus. Das werde sich erst ändern, wenn auch Ratingens Anschluss an die A 44 besteht.

Krahl präsentierte auch die Bilanz der Geschwindigkeits-Messungen in der Hofermühle: Mehr als 85 Prozent der Pkw bleiben unterhalb der erlaubten 50 km/h, bei Lkw ist das gemessene Höchst-Tempo 30 km/h. Auf der gesamten Orts-Durchfahrt (verkehrstechnisch gilt kurvige Passage als „freie Strecke“) sollten nur 30 Stundenkilometer erlaubt sein: Dies ist das Anliegen der Hofermühler.

So zwingt man die Leute ins Auto

„Wir müssen alle über diese Straße“, sagt Gabriele Moser. „Und diese Straße ist Schrott.“ Die Bordsteine durch ständig touchierenden Schwerverkehr abgesenkt und marode; der dem Kreis Mettmann gehörende Starenkasten seit geraumer Zeit außer Betrieb. „Wir können ja einen Holzkasten hinstellen“, meint grimmig Frank Eisenblätter, SPD-Ratsherr und Hofermühler.

Die Straße und ihr Zustand lehrt die Hofermühler Sarkasmus: „Wenn man nicht vom Lkw erfasst wird“, meint Clarissa Freudewald über den weiter nach Süden führenden Rad- und Fußweg, „dann bricht man sich die Beine“: je nach Jahreszeit in dunklen Schlaglöchern oder an Brombeer-Ranken.

Fazit für die Tagesmutter und für Gabriele Moser, die ihre beiden Söhne hier nicht mehr Rad fahren lässt: „So zwingt man die Leute ins Auto.“ Macht also noch mehr Verkehr an der Hofermühle.

„Da besteht unstrittig Handlungsbedarf“, erkannte auch Harald Flügge. Für eine „zeitnahe“ Linderung der Zustände an der Hofermühle plädierte der Technische Beigeordnete im Verkehrsausschuss für eine „kleine Lösung“, denn: Auf umfassendere Arbeiten auf diesen 500 Metern der Ratinger Straße müssten die Anwohner sonst jahrelang warten.

Tempo 30 bis zum Angertal-Radweg

Wie kann also die „kleine Lösung“ aussehen? Die dringendsten Arbeiten an der „Schrott“-Straße kann der Landesbetrieb Straßen NRW als Unterhaltungs-Maßnahme ausführen lassen. „Wir wollen den Bordstein wieder anheben“, erläuterte Michael Kahl Der Abteilungsleiter für Straßenbau: „Das macht Sinn, bevor die A 44 hier unter Verkehr kommt.“ Aus seiner Sicht wären dann die Leitplanken vor den Häusern überflüssig: „Sie hätten bei acht Metern und Lkw ohnehin keine Wirkung.“

Das sahen die Politiker im Ausschuss allerdings ganz anders. „Die Anwohner wollen die Leitplanke behalten“, betonte Jörn Oberholz. Der CDU-Ratsherr plädierte für eine Resolution des Rates an Verkehrsminister Michael Groschek: „Der westliche Abschnitt der A 44 muss in die Pötte kommen – dann haben wir den Lkw-Verkehr aus der Hofermühle raus.“

Sozialdemokrat Ingmar Janssen formulierte das bei drei Enthaltungen beschlossene Sofort-Paket: Dazu zählt vor allem das Tempo-30-Gebot. Für Autofahrer macht das, rechnete Lothar Nothmann von den Grünen vor, einen Unterschied von gerade mal 14 Sekunden, die sie länger unterwegs sein werden.

Sollte die Tempo-30-Zone bis zur Kreuzung der Ratinger Straße mit dem Radweg durchs Angertal führen? „Dort Rad zu fahren“, meinte Lothar Nuthmann, „ist eh kein Zuckerschlecken.“ Dieses Detail soll die Verwaltung noch prüfen.