Golden glänzt das Hungertuch

Pfarrer Alfons Demand vor dem noch unverhüllten Hochaltar von St. Suitbertus.
Pfarrer Alfons Demand vor dem noch unverhüllten Hochaltar von St. Suitbertus.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Während der Fastenzeit blickt die St. Suitbertus-Gemeinde an „vier Stationen Richtung Ostern“ eher auf das Zwischenmenschliche als aufs Verzichten.

„Wie viel ist genug?“ Die Frage kann für vieles gelten. Wie viele Planeten Erde verbraucht die Menschheit, wenn alle unseren Lebensstil lebten? „Gott und Geld – wie viel ist genug?“ Diese Frage stellt die katholische St. Suitbertus-Gemeinde während der gestern begonnenen 40 Fastentage.

Die Kleinen des Kindergartens verlassen gerade die Kirche, die langen Sitzkissen rund um den Altar werden zusammengerollt, während Pfarrer Alfons Demand für Licht im Chor sorgt: Dort verhüllt jetzt das neue Misereor-Hungertuch den geschnitzten Hochaltar.

Er sei sich „sicher“, sagt der Pfarrer, „dass es auch negative Stimmen zu diesem Werk geben wird“. Doch Alfons Demand, der als Künstler ja selbst den Kreuzweg „seiner“ Kirche gestaltet hatte, ist sichtlich angetan vom auf Leinen gedruckten Werk des chinesischen Künstlers Dao Zi: „Ich finde gut, dass wir mit dem neuen Hungertuch kein bildliches Motiv haben.“

Einen großen goldfarbenen Stein mag man in der Mitte des ab­strakten Werkes erkennen. Das Geheimnis des Hungertuches mit dem Titel „Gott und Geld“ wird Pfarrer Demand am dritten Abend der vier Fastenzeit-Aktionen enthüllen. „Vier Veranstaltungen haben wir hier im Seelsorge-Team beschlossen“, erklärt der Pfarrer.

Ein Fastenaktions-Motto, wie es sich die evangelische Kirche alljährlich gibt, ist mit den „vier Stationen Richtung Ostern“ nicht verbunden. Oder doch? „Wir blicken auf das Zwischenmenschliche. Es geht nicht nur um Verzicht, sondern darum Gutes zu tun.“

Erste Station ist eine Suppenlesung – „wie im Refektorium eines Klosters“ – am Freitag, 27. Februar, um 18.30 Uhr im Pfarrzentrum St. Suitbertus. Schweigend und eine einfache Suppe löffelnd, hört die Gemeinde Meditationstexte. Dem umfassenden Thema „Nächstenliebe“ ist der Freitag, 13. März, um 18.30 Uhr in St. Ludgerus gewidmet. „Verhüllung“ schließlich am Mittwoch, 18. März, um 18.30 Uhr in St. Suitbertus meint die Erläuterungen zum chinesischen Hungertuch, gespickt mit sieben goldenen Samenkörner („die biblische Zahl der Endlichkeit“, sagt Pfarrer Demand) und den kleinen kalligraphischen Schrift-Stempeln.

„Befreiung“ ist das Leitmotiv des abschließenden Bußgottesdienstes am Mittwoch, 25. März, um 19 Uhr in St. Ludgerus mit anschließender Beichtgelegenheit. „Buße und Beichte heißt“, so Alfons Demand, „ich bin wieder frei von Schuld.“

Der Pfarrer selbst hat sich für die nun begonnenen 40 Tage auch einen Verzicht auferlegt: Er will sich kein Bierchen mehr nach dem Essen einschenken. Ob’s gelingt? „Sie hören es heraus: Ich will versuchen zu verzichten.“