Gemeinsames „Abströppen“

Über eine, in der neueren Zeit nicht mehr notwendige Nachbarschaftshilfe schreibt August Steinbrink: „Es geht um das ,Musströppen’, womit die Vorbereitung von Stielmus, auch als Rübstiel bekannt, für die Konservierung gemeint ist. Das im Anschluss an die Ernte der Frühkartoffeln im Hausgarten freigewordene Gartenstück wurde schon bald für die Aussaat von Stielmus genutzt.

Ende September/Anfang Oktober hieß es in der Nachbarschaft: „Kömmst Du morgen och tem Musschleiten?“(Kommst Du morgen auch, um beim Stielmus die Blätter abzuströppen?“) Es waren dann meistens bis zu zehn Nachbarinnen, die sich am frühen Nachmittag mit ihrem eigenen Küchenmesser zur Mithilfe einfanden.

Transport mit der Schubkarre

Das Stielmus musste der großen Menge wegen mit der Schubkarre herangeschafft werden. Die Stängel, von denen das Blattgrün abgeströppt war, und die eigentlich nicht zu dick sein durften, schnitt eine andere Nachbarsfrau in kleine Stückchen, etwa einen Zentimeter lang. Diese kleinen Stückchen wurden früher in Holztonnen, später dann in Steinguttöpfen mit Salz zur Konservierung eingelagert.

Meistens endete das Musströppen gegen 16 Uhr, und alle fanden sich zum Kaffee mit Stuten, Schwarzbrot und Apfelkraut in der Küche ein, wo die im Keller angefangenen Gespräche fortgesetzt wurden, bis eine Nachbarin als Erste die gemütliche Runde mit den Worten: „Ich mott min Schoep tüddern!“ verließ, der dann die Nächsten bald folgten. Jede der Nachbarinnen bekam eine „Zopp“ (=Gemüse für eine Mahlzeit) mit nach Hause und im Winter gehörte Stielmus zum Speiseplan.

Diese Art der Nachbarschaftshilfe ist heutzutage nicht mehr bekannt und nicht mehr notwendig. Mit seinem Umzug nach Hetterscheidt bekam August Steinbrink von einem älteren Hetterscheidter im Zusammenhang mit Stielmus den früher üblichen Mus-Abend geschildert (siehe Haupttext).