Gans schön glücklich

Über das Hofgelände watschelte schon immer das Federvieh – für das die Meuersmorps heute in der Region bekannt sind.
Über das Hofgelände watschelte schon immer das Federvieh – für das die Meuersmorps heute in der Region bekannt sind.
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Was wir bereits wissen
Von der Schweinezucht zur Geflügelmast: Mit ihrem Gänsehof sind die Meuersmorps in der Region bekannt.

Heiligenhaus..  Karin und Friedrich Meuersmorp haben mit einer Familientradition gebrochen. Ihren Sohn haben sie nicht Friedrich genannt, sondern Marcus. „Das war nämlich immer ein heilloses Durcheinander mit der Post“, erinnert sich Karin Meuersmorp. Für welchen der Meuersmorpschen Friedrichs der eingetrudelte Brief nun wirklich war, musste erst familienintern recherchiert werden. 1975 heiratete die gebürtige Heiligenhauserin in den großen Hof an der Losenburger Straße ein. Das Hofleben kannte die frischgebackene Landwirtin schon von Kindesbeinen an, denn auch ihre Eltern betrieben neben der Gaststätte im Nebenerwerb einen Bauernhof. 25 Kühe, ein paar Schweine, Gänse, Hühner und die obligatorischen Hund, Katze, Maus bevölkerten in den 1970er Jahren die Ställe des Guts Hornscheidt in Tüschen.

Schweinezucht und Geflügelmast

Nach der Hochzeit stellte das Paar den Betrieb schnell auf die Schweinezucht um. In Spitzenzeiten grunzten 100 Sauen und ihr Nachwuchs bei den Meuersmorps um die Wette. Sobald die kleinen Ferkel entwöhnt waren, wurden sie verkauft. Rund 20 Jahre sicherte die Zucht der Familie das Auskommen. „Aber die Preise gingen irgendwann in den Keller“, blickt Karin Meuersmorp zurück. Um finanziell auf dem gleichen Level zu bleiben, hätten die Landwirte deutlich mehr Schweine züchten müssen.

Über das Hofgelände watschelte auch damals schon das Federvieh – für das die Meuersmorps heute in der Region bekannt sind. Die Nachfrage nach Martins- und Weihnachtsgänsen stieg. In Zeiten von polnischen Stopfgänsen und Lebend-Rupferei wurde die Herkunft der Tiere dem Verbraucher immer wichtiger. „Der Kunde will wissen, woher das Fleisch kommt“, sagt Karin Meuersmorp. Die Landwirte sattelten um, tauschten die Schweinezucht gegen die Gänsemast ein.

„Ich vermisse meine Schweine nicht“, sagt sie und lacht. Mal ganz abgesehen davon, dass die Stallarbeit mit den Schweinen mehr Zeit und Kraft kostete. Eine Schar weißer Junggänse ergießt sich förmlich aus dem Stall auf die Wiese hinter dem Bruchstein-Wohngebäude. Vor einigen Wochen wurden die Tiere als gelb-flauschige Küken von einem Züchter in Westfalen angeliefert. Nun haben sie sich schon etwas Gewicht angefuttert. Schnatternd nehmen die scheuen Dänengänse reißaus und suchen sich ein ruhiges Plätzchen im Grünen.

Die Gans als Nutztier

„Unsere Gänse sind glücklich“, sagt Karin Meuersmorp. Dann schmecken sie auch. Denn wenn es auf Sankt Martin zugeht, geht es dem Federvieh an den Kragen. Schließlich gehört für viele der Gänsebraten traditionell in die (Vor-)Weihnachtszeit. Traurig sei sie nicht, wenn das Geschnatter der Gänse wieder verstummt, sagt die Hofbesitzerin. „Das sind schließlich Nutz- und keine Hobbytiere“, sagt sie. Wenn man zwischen Dezember und Mai auch mal wieder ohne Gänsegeschrei über den Hof laufen könne, sei das schon recht angenehm.

So ganz ohne Gans wird es aber wahrscheinlich nicht gehen. Denn die 63-jährige Landwirtin hat unter den 250 Tieren eines mit grauem Gefieder ausgemacht. „Die darf bleiben.“ Und von Enkeltochter Maja bekommt das Tier dann auch noch einen Namen verpasst.

Karin Meuersmorp schlüpft in ihre Arbeitsjacke, geht ein paar Schritte über den Hof und schließt den gegenüberliegenden Hofladen auf. Hier verkaufen die Gänsezüchter nicht nur Geflügelfleisch aus der eigenen Schlachtung, sondern auch selbst erlegtes Wild. Papppaletten mit Eiern stapeln sich auf dem Ladentisch, Kartoffeln lagern in Säcken neben der Tür. Kunden, die hier einkaufen, nehmen Produkte aus der Region mit nach Hause. Auch, wenn sie nicht alle aus der Meuersmorpschen Produktion kommen. „Die Kartoffen sind von einem Hof in Velbert“, sagt Karin Meuersmorp und schließt die Landetür wieder hinter sich.

Wenn sie und ihr Mann Friedrich eines Tages genug haben von Gänsen und Hofladen, steht schon die nächste Generation in den Startlöchern. Sohn Marcus hat ebenfalls eine landwirtschaftliche Ausbildung absolviert. Er wird den Hof im Nebenerwerb weiterführen. Denn hauptberuflich arbeitet er als Gas- und Wasserinstallateur-meister bei den örtlichen Stadtwerken. Dann wird zum ersten Mal in der Familiengeschichte kein Friedrich das Gut Hornscheidt führen. Familientradition hin oder her.