Für ein Jahr 10000 Kilometer weit weg in Heiligenhaus

Laura Annaly Loor Valencia kommt aus dem ecuadorianischen Manta. Für ein Jahr hat sie in Heiligenhaus gelebt.
Laura Annaly Loor Valencia kommt aus dem ecuadorianischen Manta. Für ein Jahr hat sie in Heiligenhaus gelebt.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Laura Loor tauschte ihr Leben am Pazifik mit einem Leben in Heiligenhaus. Der Weg zurück fällt ihr schwer, denn hier hatte sie mehr Freiheiten.

Heiligenhaus..  Wenn man sich mit einem Ecuadorianer verabredet, dann sollte man eine Stunde später kommen als vereinbart. „Aber ich habe mich schon etwas an die deutsche Pünktlichkeit angepasst“, lacht Laura Loor. Die 18-Jährige steckt sofort an mit ihrem fröhlichen offenen Lächeln – da macht es auch nichts aus, dass sie eine halbe Stunde zu spät ist.

Viel zu tun hat sie nämlich noch in ihren letzten Tagen in ihrer derzeitigen Heimat Heiligenhaus. In weniger als zwei Wochen geht ihr Flieger zurück nach Manta, an die ecuadorianische Küste, Luftlinie 9930 Kilometer von hier entfernt. Hier kommt die Austauschschülerin Laura Annaly Loor Valencia her, aber von hier zog es sie im August weg nach Deutschland. Jedoch nicht, um ihr Deutsch zu verbessern, „sondern um es zu lernen. Ich konnte außer ja und nein nichts.“

Und hallo, ich heiße Laura. So begrüßte sie ihre deutsche Gastfamilie Peters. „Am Anfang war es schon echt schwer“, findet Gastschwester Ricarda Peters. „Mit Händen und Füßen haben wir uns die erste Zeit verständigt, denn wir konnten kein Spanisch und Laura weder Deutsch noch Englisch.“ Da kam es schon oft zu Missverständnissen und lustigen Situationen, aber Laura ist auch ehrlich: „Ich habe am Anfang schon oft geweint, so weit weg von zuhause und dann keiner, der einen versteht, das war schon hart.“

Mit der Integration hat es auch gedauert. „Wir in Ecuador sind viel offener. Wenn jemand neu ist, kümmern sich alle sofort um ihn, gehen auf ihn zu, laden ihn ein. In Deutschland ist man nicht so offen, aber nach einem halben Jahr, da ging es“, berichtet die Ecuadorianerin. Jetzt fällt es ihr schwer zu gehen, und auch ihrer Gastfamilie fällt es schwer, sie gehen zu lassen. „Ich liebe meine Heimat, aber ich habe es hier sehr genossen“, sagt Laura.

Montags und donnerstags ging sie hier zum Zumba, mittwochs spielte sie Volleyball. Aber vor allem der südamerikanische Tanzsport hat es ihr angetan: „Das kannte ich gar nicht, das gibt es in Ecuador nicht“, berichtet sie. Gerne möchte sie nun einen Schein machen und in ihrer Heimat dann Zumba-Kurse anbieten, so sehr hat es ihr gefallen.

Gefallen haben ihr auch viele andere Dinge in Deutschland, berichtet sie voller Freude: „Oh ja, das Essen“, lachen sie und ihre Gastschwester. „Es gab eigentlich nichts, was Laura nicht gegessen hat“, plaudert Ricarda Peters aus. „Vor allem Schokolade. 40 Tafeln nehme ich mit nach Hause. Aber ich habe auch zwölf Kilo zugenommen in dem Jahr hier“, lacht Laura.

Spülmaschinen kannte die Ecuadorianerin auch nicht. „Das werde ich zuhause beim Spülen sehr vermissen“, berichtet sie. Und auch an das warme Duschwasser hat sie sich gewöhnt, zuhause gibt es nur kaltes Wasser. „Weil wir am Meer wohnen, da sind wir ja täglich.“ Der Sprung ins kühle Blau, den vermisst sie hier schon. Aber vermissen wird sie vor allem „die Unabhängigkeit. Ich konnte hier soviel alleine machen, das wäre in Ecuador undenkbar. Da gibt es viel Kriminalität.“

Zuhause möchte Laura studieren

„Wir selber haben auch schon fünf Gastschüler für ein Jahr bei uns gehabt“, berichtet Laura Loor. Dadurch sei sie auf die Idee gekommen, selbst auch mal ein Jahr im Ausland zu verbringen. „Wir hatten immer gute Erfahrungen mit den Schülern gemacht, ich habe mich mit allen verstanden. Die Zweite kam aus Deutschland, und sie war besonders nett und hat so viel spannendes über ihr Land berichtet“, fand Laura.

Das Jahr im Ausland, das kann sie anderen auch nur empfehlen: „Klar ist es am Anfang schwierig, wenn man sein Zuhause verlässt. Aber es sind wichtige Erfahrungen, die man wieder mit nimmt.“ In der Schule, da hat sie hier allerdings nicht viel gelernt. „Ich musste ja erst die Sprache lernen, deswegen habe ich oft nichts verstanden. Aber ich musste ja auch keine Arbeiten schreiben“, berichtet Laura lachend.

Das sieht jetzt wieder anders aus. In Ecuador muss sie nun noch sieben Monate zur Schule bis zu ihrem Abschluss. Danach möchte sie gerne studieren, am liebsten im Bereich Tourismus. „Vielleicht ja auch ein Semester in Deutschland.“