Fünf Jahrzehnte im Dienste der Stadt Heiligenhaus

Ein Foto vom Betriebsausflug der Rathausmitarbeiter aus den 60er Jahren: Günter Blum ist der Herr in der Mitte. Mit 14 Jahren begann der gebürtige Heiligenhauser seine Ausbildung
Ein Foto vom Betriebsausflug der Rathausmitarbeiter aus den 60er Jahren: Günter Blum ist der Herr in der Mitte. Mit 14 Jahren begann der gebürtige Heiligenhauser seine Ausbildung
Foto: FUNKE FOTO SERVICES
Was wir bereits wissen
Günter Blum möchte die Jahre nicht missen. Keiner kennt den Rathausalltag so lange wie er. Manch Abenteuerliches hat er in dieser Zeit erlebt.

Heiligenhaus..  Endlich einen Goldschatz heben darf Günter Blum nach 50 Jahren im Dienste der Stadt Heiligenhaus – allerdings ist der aus Schokolade. „Den echten haben wir noch nicht gefunden“, scherzte Bürgermeister Jan Heinisch bei einer kleinen Feierstunde. Der Dienstjubilar nahm’s mit Humor, wie viele Dinge, die er im Laufe der Jahrzehnte erlebt hat.

Zum Beispiel im Fachbereich Öffentliche Ordnung, für den Blum nach Stationen im Rechnungsprüfungsamt, Hauptamt und bei den Technischen Betrieben seit 1997 verantwortlich ist. Da geht es nämlich nicht nur um Falschparker und Lärmbelästigung, um Stadtwacht und Lebensmittelüberwachung, sondern auch wenn „Gefahr in Verzug“ ist, muss Günter Blum ran.

„Wenn einer mit einem Beil in der Gegend rumläuft, kann das schon heikel werden“, berichtet der 64-Jährige ganz unaufgeregt. Skurril anmutende Szenen wie die einer psychisch kranken Frau, die sich auf einem Schrank vor der Zwangseinweisung versteckte, gehören ebenso zum Alltag wie der Katastrophenschutz. Blum: „Man ist oft Einzelkämpfer als Ordnungsamtler, aber in solchen Situationen ist man froh, die Kollegen von Polizei und Rettungsdienst dabei zu haben“.

An eine Begebenheit erinnert sich Günter Blum noch genau: Ein Obdachloser, der im weihnachtlichen Schneegestöber auf einer Bank auf dem Rathausplatz fror, sollte in der Notschlafstelle Düsseldorf untergebracht werden. Als Blum mit dem alkoholisierten Mann dort gegen zwei Uhr nachts eintraf, antwortete er dem Pförtner wahrheitsgemäß, dass er das erste Mal bei der Notschlafstelle vorspreche. „Raus! Komm um sieben wieder!“, lautete die Antwort ohne des Ordnungsamtsleiters Anliegen anzuhören. Auch nochmaliges Vorsprechen half nichts. Der Mann fand schließlich doch ein warmes Warteplätzchen am Eingang „und wir waren froh, nicht bis um sieben warten zu müssen“, muss Blum noch heute über dieses Story schmunzeln.

Ebenso wie über die erste Europawahl 1979, für deren Organisation Günter Blum mit zuständig war. „Bis neun Uhr waren die Wahllokale offen, doch in einem Standort in einem Autohaus ging ab acht Uhr nichts mehr.“ Eine Zeitschaltuhr hatte das Licht ausgeknipst. Blum: „Seitdem gehören Kerzen und Taschenlampen ins Notfallpaket der Wahlhelfer.“

Missen möchte der Jubilar die fünf Jahrzehnte nicht, obwohl 1965 die Karriere des Verwaltungslehrlings fast schon schnell beendet schien: „Ich hatte die falschen Briefe geöffnet.“ Unwissentlich hatte Blum Ausschreibungsangebote vor dem offiziellen Termin geöffnet – ein Gespräch mit dem Personalrat klärte die Situation für den 14-jährigen Frischling.

„Schön war’s“, sagt Günter Blum, der im August den 65. Geburtstag feiert und am 1. September in Rente gehen wird. „Am ersten Tag mache ich nichts, am zweiten gar nichts und am dritten fange ich dann was Neues an“, sagt er frohen Mutes. So wird er sich im Ruhestand ganz intensiv ums Feuerwehrmuseum kümmern – seit 1969 ist Günter Blum ehrenamtlich als Feuerwehrmann im Einsatz. Und Zeit für viele Bücher, die habe er dann sicherlich auch endlich.