Freibad und Ausflüge füllen die Tage der Kiewer Besucher

Das sieht ja wohl lecker aus: Die jungen Gäste aus der Ukraine ließen es sich beim DRK-Grillen schmecken.Foto:Uwe Möller
Das sieht ja wohl lecker aus: Die jungen Gäste aus der Ukraine ließen es sich beim DRK-Grillen schmecken.Foto:Uwe Möller
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Für 17 Kinder aus Kiew fand die Aktion Tschernobyl Gasteltern. Und die müssen ihre Gäste manchmal daran erinnern, den Eltern in der Ukraine zu mailen.

Im Rahmen der „Aktion Tschernobyl“ besucht in diesen Wochen wieder eine Gruppe Kinder aus Kiew und Umgebung Heiligenhaus. Jetzt waren die Jungs und Mädels zwischen elf und 15 Jahren beim DRK zum Grillen eingeladen.

Das Essen war schon fertig, als die jungen Gäste aus der Ukraine mit ihren Betreuerinnen und Organisatorin Gaby Slotta beim DRK eintrafen. Und der gerade absolvierte Empfang beim Bürgermeister schien die Jungen und Mädchen hungrig gemacht zu haben: Gut gelaunt ließen sie sich Grillfleisch, Salate und Limo an den gedeckten Bierzeltgarnituren schmecken.

„Dieses Jahr sind 17 Kinder hier“, erzählt Gaby Slotta, „einige waren schon einmal zu Gast, etliche sind neu dazugekommen.“ Zu verstehen scheinen sich alle – und das, obwohl sich die meisten erst kurz vor der Reise oder sogar erst im Bus nach Deutschland kennengelernt haben. Schließlich ist Kiew eine Dreieinhalb-Millionen-Stadt.

Ein paar mehr Mädchen sind da, eins davon ist Aljona, deren Gastmutter Sylvia Gemp auch mit zum Grillen gekommen ist. „Mein Mann und ich nehmen seit vier Jahren Kinder bei uns auf, sonst immer zwei, dieses Jahr zum ersten Mal nur eins“, erzählt sie. Sie verbringen dann drei Wochen gemeinsam. „Die Zeit wird nicht lang. Ich habe den Eindruck, dass die Kinder auch Ruhephasen sehr genießen. Verständigen können wir uns mit Händen und Füßen, und in der Schule lernen die Jugendlichen auch ein bisschen Deutsch. Wichtige Dinge aufzuschreiben, ist auch eine gute Möglichkeit, oft geht Lesen einfacher als Sprechen.“ Beim heimischen Abendessen tauschen sie dann Vokabeln aus, die Dinge, die auf dem Tisch stehen, werden erst auf deutsch, dann auf ukrainisch benannt.

Gegen Heimweh hilft skypen

„Das gleiche machen wir beim ‘Mensch-ärgere-dich-nicht’ mit den Zahlen auf dem Würfel“, berichtet Ute Petri, die dieses Jahr zum ersten Mal ein Mädchen betreut und sich mit Yana bestens versteht. „Und dann lachen wir uns alle gemeinsam über die seltsame Aussprache kaputt.“ Und was fällt den Mädchen ein, wenn sie an ihre bisherigen Erlebnisse denken? „Die Leute sprechen hier sehr nett miteinander und es ist sauberer als zuhause“, das ist Aljona aufgefallen. Was die 14-Jährige am liebsten in der freien Zeit tut, ist gar keine Frage: ins Schwimmbad gehen.

Das begeistert alle jungen Besucher gleichermaßen. Selbst bei niedrigeren Temperaturen ist das Freibad der absolute Renner. Wenn einer geht, gehen fast alle. Auch Yana schwimmt gern, aber am besten findet sie „meine Gastfamilie!“ Ihre Augen strahlen , als sie an die Motorrad-Tour denkt, die die älteren Kinder unternehmen konnten, auch ein Zoobesuch in Wuppertal blieb ihr positiv im Gedächtnis.

Das Programm ist gut gefüllt, „der Tag geht rum wie nix“, findet Ute Petri. Sie blickt der Trennung in eineinhalb Wochen schon jetzt ungern entgegen und ist froh, mitgemacht zu haben: „Ich habe den Aufruf in der Zeitung gelesen, dass noch Gasteltern gesucht werden, und mich gemeldet. Das war eine gute Entscheidung!“

Heimweh müssen die Gäste aus der Ukraine auch nicht fürchten, denn per Skype und E-Mail stehen sie in Kontakt zu Freunden und Familie. Oft sogar mehr zu Freunden, denn auf die Frage, ob sie sich nicht mal bei ihren Eltern melden wolle, habe seine Gasttochter nur mit einem freundlichen „tomorrow“ geantwortet, erzählt ein Gastvater grinsend.

Das Grillgut ist unterdessen weniger geworden und Entspannung breitet sich aus – gemischt mit Neugier auf das, was in den nächsten Tagen noch kommen mag.