Fitness-Bahnsteig glänzt in Eisenbahner-Rot

Die Mäzenin der Fitness-Station, Alice
Die Mäzenin der Fitness-Station, Alice
Foto: FUNKE Foto Services
Sechs Calisthenics-Geräte und einen superweichen Kunststoff-Belag stiftete Alice Thormählen für den alten Bahnsteig am Panoramaradweg.

Heiligenhaus..  Bitte Vorsicht an der Bahnsteigkante: Wer einen allzu leistungssportlichen Abgang von den knallroten Ringen wählt und sich womöglich schon als Eberhard Gienger wähnt – als vielfacher Deutscher, Europa- und 1974er Weltmeister im Geräteturnen – der landet beim zu weit gedachten Absprung auf dem Panoramaradweg. Denn die neue Fitness-Station, wenige Schritte vom lauschigen Isenbügeler Bahnhofsgebäude, entstand tatsächlich leicht erhöht auf dem früheren Bahnsteig.

„In Eisenbahner-Rot“, so verwies Bürgermeister Dr. Jan Heinisch auf die edle Optik der sechs stählernen Fitness-Geräte, „wie alles am Panoramaradweg“. Alice Thormählen war das schmucke Rot weniger wichtig. Die Spenderin der rund
70 000 Euro teuren Fitness-Station erschien zur Einweihung in modischem Pink und verwies auf den superweichen Kunststoff-Boden in Blau: „meine Lieblingsfarbe.“

Nicht die Farbe, aber der Belag waren der teuerste Einzelposten an dieser sportlichen Spende. Der Preis der sechs nahezu wartungsfreien Sportgeräte beträgt dagegen „nur“ 13 770 Euro. Und dann kamen Anfang Juni noch übereilte „Frühsportler“ dazu, die im noch nicht ausgehärteten Belag ihre Spuren hinterließen. Die WAZ berichtete unter der Schlagzeile „Teure Fußabdrücke“. Von dem Fehltritt zeugt jetzt noch eine etwas hellere Teilfläche im schmucken Blau. „Das wird sich farblich noch anpassen“, versprach Jan Heinisch.

Der Gesamteindruck schon jetzt: „Sehr gut“, meint Alice Thormählen. Sie erinnerte sich an die heutige Fitness-Station als Bahnsteig. Der Halt über der Ruhrstraße war damals ein ungewolltes Fitness-Programm für alle, die hier aussteigen mussten. „Bis zur Höseler Straße ist’s ja noch ein Stück.“

Donnerstags Kennenlern-Abende

Wer sich heute unter Baumkronen kräftigen will, muss erst einmal umdenken. „Hier ist nicht die Maschine, die einen führt“, weiß der sportliche Bürgermeister. Calisthenics lautet griechisch-englisch der Begriff für den Trend, mit dem eigenen Körpergewicht – an den passenden Geräten – am Muskelaufbau zu arbeiten. „Man kann dabei viel falsch machen“, ahnt der Bürgermeister.

Deshalb bietet die SSVg 09/12 Heiligenhaus mit Anke Reetz während der Ferien sportliche Kennenlern-Abende am Bahnsteig: „Wir können diese Woche schon anfangen“, so die Übungsleiterin – und zwar jeden Donnerstag von 18 bis 20 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht nötig. Wer an der Fitness-Station vorbeischaut, kann mitmachen und sich die Geräte erklären lassen. Allerdings gibt es (nicht in Rot) auch zehn Hinweistafeln, die erklären, wie man an den zeitlos-eleganten Stahl-Geräten eine gute Figur macht.

Erste Resonanz: voll eingeschlagen

Am Freitag erst hatte der TÜV die Fitness-Station abgenommen. Joggend hatte Jan Heinisch zweimal den Ex-Bahnsteig passiert und festgestellt: „Das ist schon voll eingeschlagen.“ Jetzt sind dort nur noch Abfallbehälter anzubringen. Alice Thormählen, die Mäzenin, munter zum Bürgermeister: „Wir machen noch was aus Heiligenhaus.“