Feiner Schinken statt Kartoffelsäcke

Ein Erfolgsmodell: der Feierabendmarkt auf der Domplatte in Gelsenkirchen-Buer brummt und überzeugt mit Qualität.
Ein Erfolgsmodell: der Feierabendmarkt auf der Domplatte in Gelsenkirchen-Buer brummt und überzeugt mit Qualität.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Im Wirtschaftsförderungsausschuss warb Dr. Siegbert Panteleit für ein Erfolgsmodell: Feierabendmärkte müssen groß starten – nach genauer Planung.

„Da bricht uns etwas weg, das die europäische Stadtkultur über Jahrhunderte geprägt hat.“ Dr. Siegbert Panteleit war sofort anzumerken: Märkte sind ein Herzensanliegen für den Standort- und Projektentwickler, der vor der Gründung seines eigenen Büros SPE die Kontaktstelle für Investitionen beim Initiativkreis Ruhrgebiet aufgebaut hatte. Doch konventionelle Märkte haben’s immer schwerer.

Welcher Berufstätige hat wochentags noch Zeit, auf dem Markt einzukaufen? Auch deshalb brachte die FDP das Thema After Work-Wochenmarkt im Wirtschaftsförderungsausschuss aufs Tapet. Dr. Panteleit sprach zwar lieber vom Feierabendmarkt, aber er ermutigte mit Verve: „Die Abendmärkte könnten für Nordrhein-Westfalen das werden, was die Biergärten für Bayern sind.“ Also sowohl Treffpunkte als auch Qualitätsmarken.

Der Gelsenkirchener berichtete von den Erfolgen der Feierabendmärkte – stets von 16 bis 20 Uhr – sowohl in Buer auf der Domplatte als auch auf dem Springerplatz in heikler Bochumer Umgebung, nahe dem Rotlichtviertel. Er sei gewarnt worden, „da kommen die falschen Leute“ – doch auch dieser Markt wurde zum Erfolgsmodell.

Siegbert Panteleit machte deutlich: Mit den üblichen Markthändlern, die morgens ihre Stände aufbauen, ist so ein Abendmarkt kaum zu machen. „Die tun sich schwer.“ Das gilt fürs delikatere Sortiment – „nach Feierabend kauft niemand fünf Pfund Kartoffeln, eher 200 Gramm feinen Schinken“ – aber mehr noch fürs Ambiente: Der späte Marktbummler will flanieren und verkosten. Und er will was fürs Auge. Dr. Panteleit präsentierte dazu das Dia eines allerliebst hergerichteten Käse-Standes. „Der bewusstere Lebensmittel-Konsum spielt uns jetzt in die Karten.“

Der gute, alte Feinkost-Handel, der in vielen Innenstädten seine Läden aufgeben musste, kehrt als Abendmarkthändler zurück. Der Gast des Ausschusses erzählte aber auch von „Start up“-Unternehmern wie „Erdbeer-Sabine“, denen sich – auch dank des geringeren Startkapitals für einen Marktstand – Chancen eröffneten.

Ganz wichtig aus Sicht des Standort- und Projektentwicklers: Man muss nach gründlicher Planung (bis zum Corporate Design auf Taschen und Plakaten) nicht klein, sondern groß starten: „20 Stände sind eine vernünftige Größe. Die ersten Male bestimmen schon das Image.“ Wichtig sei auch die Regelmäßigkeit: wöchentlich mittwochs oder donnerstags von 16 bis 20 Uhr. „Dann muss Schluss sein.“ Denn anschließend profitiere die Gastronomie rings um den Markt. Dr. Panteleit weiß von Umsatz-Steigerungen an den Marktabenden „um das Zehnfache“.