Falscher Hase oder Stallhase

Beide sind eigentlich Steppentiere, beide sind Sympathieträger – und (nicht nur) von Kindern werden sie wohl öfter verwechselt. Dabei sind Hase und Kaninchen an ihrer Größe (nicht nur der Ohren) ganz gut zu unterscheiden – und sie pflegen ganz unterschiedliche „Lebensstile“, wie Hannes Johannsen sagt.

Das Familienleben ist bei Meister Lampe nicht ausgeprägt. Selbst der ganz junge Nachwuchs in seinen ersten Lebenswochen bleibt die meiste Zeit des Tages allein in seiner „Sasse“, der flachen Erdmulde. Wer dort still ein Hasen-Baby hocken sieht, sollte es also weder anfassen noch mitnehmen. Die Häsin schaut zum Säugen vorbei – aber nicht mehr, wenn ihre bis zu fünf Kinder plötzlich nach Mensch riechen.

Der Buddler bevorzugt Sandböden

Diese Gefahr ist bei Wildkaninchen gering: Man müsste schon einen ihrer unterirdischen Baue aufbuddeln, die bis zu drei Meter in die Tiefe reichen und über 40 Meter lang sein können. Denn Kaninchen leben nicht Hasen-gemäß wie Singles mit sehr losen „Patchwork“-Familien, sondern in großen Clans mit einer ausgeprägten Hierarchie. Dafür braucht’s entsprechend große Bauten. Und deshalb sind Kaninchen auch mit den dürftigeren Sandböden zufrieden – in denen sich dafür besser graben lässt.

Der Hase, ganz ohne Drang in den Untergrund, nährt sich lieber von besseren Böden. „Sie sind also keine Konkurrenten“, sagt Hannes Johannsen. „Hase und Kaninchen können sich gut aus dem Weg gehen.“ Für eine Gemeinsamkeit von Hase und Kaninchen sorgte der Mensch: Er importierte beide Arten als Jagdtiere nach Australien.