Espressivo bis agitato
06.02.2012 | 16:49 Uhr 2012-02-06T16:49:00+0100
Heiligenhaus. Der Rotary Club und der Lions Club luden die zwei Weltklasse-Instrumentalistinnen Maria Kliegel und Nina Tichman zum Benefizkonzert.
Was soll man sich da zum Kunstrichter aufspielen? Natürlich spielten Maria Kliegel und Nina Tichman, die beiden Professorinnen an Cello und Flügel, so virtuos und facettenreich, dass es meine Vorstellungen des Möglichen übertraf. Ich hatte bislang solche Weichheiten am Steinway-Flügel der Kant-Aula nicht gehört. So beinahe reine Töne, die Kliegels Cello von 1730 wie einen Fliegermotor singen ließen.
Es war das Benefizkonzert von Rotary Club und Lions Club, dessen Erlös einer Musikschule in Chile und diversen Niederberger Kinder- und Jugendprojekten zugute kommt, darunter dem Sportförderprogramm „Klasse 2000“, welches Kinder Freude an Bewegung und Körperarbeit vermitteln will, und dem Gewaltpräventionsprojekt „Faustlos“, welches mit Sozialkompetenz gegen das Faustrecht des Schulhofs vorgehen will.
Zurück in die Welt der schönen Klänge in der Heiligenhauser Kant-Aula: „Lauter tolles neues Repertoire“ und „slawische Seele trifft nordische Weiten“ kündigten Kliegel und Tichman an und gaben dieses dann auch. Zwischen Georges Onslows „expressiven Allegro“ und Edvard Griegs „aufgewühltem Allegro“ zeigten sie, wie viel Interpretation drin ist.
Schleichender Gauner im Dreivierteltakt
In Edouard Lalos a-moll-Sonate mit den schönen knarrenden Tritoni und dem streichzarten Flügel-Legato hatten sie hörbar Spaß hinter den konzentrierten Mienen auf der Bühne. Bei Antonín Dvoráks Rondo in g-moll (op. 94) stellten sich melancholische Geschichten ein, vom schleichenden Gauner im Dreivierteltakt, der ein paar Mal in den Viervierteltakt stolpert, vom chromatischen Leben im kleinen Kreis, vom Dur zum Moll, vom Ende, das wie der Anfang klingt.
Wirrhaarig und exaltiert begann dann Edvard Griegs a-moll-Sonate (op. 36), bis sie sich fing und dann in bodenständigen Linien ein bescheidenes Glück mit sich zu führen schien. „Alles selten aufgeführte Stücke“ kommentierten die Professorinnen und brachten Griegs modern klingende Sonate aus dem 19. Jahrhundert in rollendem und plockendem Call and Response dar.
Was soll man sich da zum Kunstrichter aufspielen? Bestmöglich.
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