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Einzigartiges Hauptfach

16.01.2012 | 17:27 Uhr
Einzigartiges Hauptfach
Fachlehrerin Susanne Weidemann mit Moritz (links), 11 Jahre, und Jan, 13 Jahre, beim Messen der Wassertemperatur in einem gedämmten Glas.

Heiligenhaus.   In der Gesamtschule wird seit einem halben Jahr Naturwissenschaften/Technik (NWT) unterrichtet. In NRW ist das Fach einmalig.

Kleine Finger quetschen sorgsam Styropor zwischen zwei ineinander stehende Gläser. Anschließend legt Cedrik einen Eiswürfel in das innere Glas und gießt Wasser darauf. Sein Nachbar Tim packt das Thermometer aus und steckt es hinein. „Wir haben NWT“, erklären sie.

Was bei den Kindern selbstverständlich und flüssig über die Lippen kommt, muss den meisten aber erklärt werden. Naturwissenschaften/Technik nennt sich das Hauptfach, das die Gesamtschule als Pilotprojekt in diesem Schuljahr eingeführt hat – einmalig in NRW. Die Idee stammt von Susanne Weidemann. „Dieses Fach wird in Hamburg und Baden-Württemberg unterrichtet“, berichtet die Lehrerin. Sie sei im Internet auf diese Variante gestoßen.

In der Gesamtschule wählen alle Schüler am Ende der fünften Klasse ein viertes Hauptfach: Französisch, Darstellen und Gestalten, Arbeitslehre Technik/Hauswirtschaft oder Naturwissenschaften (NW). Die meisten Schüler entscheiden sich für NW. Deshalb werden zwei Kurse angeboten. Seit diesem Schuljahr gibt es nur noch einen. Die Technik- und Mathelehrerin setzt sich für das neue Unterrichtsfach NWT ein. Während NW recht biolastig ist, soll NWT technikfördernd wirken. Die Türen stehen Weidemann offen. „Ich habe Unterstützung im Lehrerteam“, erzählt sie. Ihre Kollegen stünden hinter ihr, nähmen ihr andere Aufgaben ab, damit sie das neue Fach/den leeren Raum füllen kann.

„In Hamburg wird NWT erst ab Klasse neun unterrichtet“, erklärt Weidemann. Es wird deutlich, welche Chance in diesem neuen Fach liegt, aber auch welche Arbeit. „Neue Kombinationen sind möglich“, schwärmt die technikaffine Lehrerin, „es ist Pionierarbeit, wird aber einen Benefit haben“, ist sich die engagierte Bauingenieurin sicher. „Toll wäre, wenn sich mehrere Schulen für das Fach entschieden. Dann könnte man ein Netzwerk gründen.“

Pilotprojekt

Der Pilotkurs dauert ein Schuljahr. Dann wird Susanne Weidemann evaluieren. Noch aber sind die Kinder gespannt, welche Temperaturen sie erreichen, gebannt wie Elin und Nathalie. Die beiden sind mit Hingabe dabei. „Wir machen oft Experimente“, berichtet Elin. Nathalie fügt hinzu: „Dann versteht man das besser.“ Max schätzt die Gruppenarbeit. Experimentierfreudig geben sich auch Alina und Julia: „Wir wollten etwas Neues ausprobieren.“ Sie erinnern sich, dass die Lehrerin sie zu einer Veranstaltung mit ihren Eltern eingeladen hat, auf der sie das Fach vorgestellt hat.

Die Mädchen und Jungen beschäftigen sich mit Dämmung. „Wir sollen herausfinden, welches Material Wärme und Kälte am besten hält“, erklärt Tim: Papierschnipsel, Holzspäne, Alufolie oder Styropor. „Die Kinder lernen, Versuche durchzuführen, Messwerte aufzunehmen, sie einzutragen und ein Diagramm daraus zu entwickeln.“ Das scheint aber nur der Nebeneffekt zu sein, denn das passiert sowieso, während sie die Ergebnisse vergleichen. Die Kinder überlegen gemeinsam, welches Material wohl am besten geeignet ist, „wie wir die Hohlräume so gering wie möglich halten“ sagt Nick. Das Handy dient als Stoppuhr: Alle zwei Minuten muss die Wassertemperatur gemessen werden.

Später erklären sie ihre Ergebnisse vor der Klasse. Nach einer Unterrichtsstunde NWT ist zu spüren, wie die Kinder dabei sind, wie sie das Gelernte aufsaugen wie das Thermometer die Temperatur – Mädchen wie Jungen.

Nicole Krzemien

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