Einmal über die Straße, bitte

Keiner Fliege kann ich etwas zuleide tun. Meine Mutter erzählte oft, dass ich als Kind sogar aufgepasst habe, keine Ameise zu zertreten beim Laufen. Öfters habe ich schon rund um einen Vogel Wache geschoben, wenn dieser verletzt oder benommen auf dem Boden saß, bis er, manchmal Stunden später, wegflog.


Nun entdeckten wir am Ende der Gassirunde eine Schnecke mit einem riesigen Haus. Auf der Straße. Sie versuchte, vom Feld in den Wald zu gelangen. Im Schneckentempo. Fasziniert stupste Ben sie an, die Schnecke versteckte sich nur kurz ins Häuschen, bevor die eilige Fahrt weiterging. Im wie schon erwähnten Schneckentempo. In Mathe war ich nie gut, aber nach zehn Minuten und wenigen Zentimetern konnte ich mir ausrechnen: Das wird sie nicht schaffen, ohne dass ein Auto kommt.


Aber dieses riesige Schneckenhaus und einige Narben verrieten mir: Diese Schnecke hat ein ordentliches Leben hinter sich. Der Gedanke, beim nächsten Mal, wenn ich hier lang komme, nur noch Reste des Hauses vorzufinden, platt gefahren von einem Autoreifen, der ließ mich nicht locker. Ich feuerte die Schnecke an. Brachte nichts. Also half ich nach. Zack, Schnecke an den Waldrand getragen. Kurz schaute sie sich um, dann kroch sie hinein. Tja, auch wenn man nie Pfadfinder war, aber Älteren muss man eben über die Straße helfen.

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