Einen eigene IG für Mamas auf Zeit

Tagesmütter wie Nadine Alves da Silva können ihren kleinen Schützlingen eine sehr intensive Betreuung bieten.
Tagesmütter wie Nadine Alves da Silva können ihren kleinen Schützlingen eine sehr intensive Betreuung bieten.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Viele Tagesmütter bedauern, dass die Qualität ihrer Arbeit noch nicht bei allen Eltern angekommen ist. Mit ihrer eigenen Interessengemeinschaft wollen sie sich besser vernetzen, informieren und organisieren.

Heiligenhaus..  Julian und Sarah lassen sich in ihre Zwergenbetten plumpsen. Schnuller, Schlafsack und Schlummerlied dürfen nicht fehlen, wenn die beiden Zweijährigen sich zum Mittagsschläfchen in die Kissen kuscheln. Nadine Alves da Silva streicht den Kleinen nochmal über die Köpfe und löscht das Licht. Das, was die Heiligenhauserin Julian, Sarah und ihren anderen Tageskindern bietet, ist eine Art zweites Zuhause auf Zeit.

Transparenter werden

Intensive Betreuung in einer Kleinstgruppe mit festen Regeln, frisch gekochtem Essen und ganz viel Zeit für die individuellen Bedürfnisse ihrer kleinen Schützlinge. Dass die Qualität ihrer Arbeit gerade für Kleinkinder bei vielen Eltern offenbar noch nicht angekommen ist, bedauern Nadine Alves da Silva und ihre 15 Kolleginnen in Heiligenhaus.

Um ihre Arbeit vor Ort bekannter zu machen, sich untereinander und mit den ansässigen Kitas besser zu vernetzten, haben die örtlichen Tagesmütter jetzt eine Interessengemeinschaft gegründet. „Wir wollen transparenter werden, unsere Arbeitsbedingungen verbessern und mit den Kindergärten kooperieren“, sagt Nadine Alves da Silva. Dazu präsentieren sie sich in Kürze auch mit ihren Steckbriefen auf einer eigenen Internetseite.

Am liebsten würden die Tagesmütter Kooperationsverträge mit den örtlichen Einrichtungen schließen. Verträge, die nicht nur beiden Seiten Vorteile bringen – sondern auch Kindern und Eltern. So wünscht sich Alves da Silva beispielsweise, dass ihre Tageskinder im Kita-Alter als Gruppe eine Einrichtung besuchen, wenn sie ihrer Fürsorge entwachsen sind. Das bietet den Familien, aber auch dem Kindergarten viele Vorteile. Die Tagesmutter selbst entlässt ihre Schützlinge gemeinsam und wird von der Einrichtung wiederum empfohlen. Denn die Kitas müssen bei der Vielzahl der Anmeldungen auch immer wieder Kinder ablehnen. Für die dann aber eventuell ein Platz bei einer Tagesmutter das Richtige sein könnte. Soweit der Plan.

„Für viele Eltern ist die Frage ,Wo gebe ich mein Kind hin?’ sehr belastend“, berichtet die Tagesmutter aus ihrem Alltag. Dass die Betreuung von Kleinkindern längst mehr ist als nur ein Nebenjob, der ein paar Euro in die Familienkasse bringt, sei in vielen Köpfen noch gar nicht angekommen. Mehr als 160 Stunden Ausbildung, 30 Stunden Weiterbildung pro Jahr und regelmäßiger Austausch über Organisation und Erziehungsfragen mit Jugendamt und externen Experten liege ihrer Arbeit zugrunde. Die weit mehr sei, als nur die Beaufsichtigung von Kindern.

So nehmen die Tagesmütter vor Ort bei Bedarf auch therapeutische Angebote mit ihren Schützlingen war. Eine Kollegin erhält beispielsweise für eines „ihrer“ Kinder regelmäßigen Besuch von der Hörförderung.

Förderangebote wahrnehmen

Nadine Alves da Silva selbst kann sich auch den Besuch von Förderangeboten für die Kleinen in den Kitas vorstellen. Gerade um den förderbedürftigen Tageskindern das zu ermöglichen, sei die Kooperation mit den örtlichen Einrichtungen sehr wichtig.

Mit ihrer Interessengemeinschaft wollen die Tagesmütter den Eltern aber vor allem eines sagen: „Es gibt uns und wir sind gerade für ganz kleine Kinder eine gute Alternative zum Kindergarten“.