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Eine Telefonzelle weniger

28.09.2012 | 17:05 Uhr
Eine Telefonzelle weniger
Am Isenbügeler Platz sind Passanten jetzt auf ihr Handy angewiesen. Die Telefonzelle, die hier bis vor kurzem stand, wird nicht ersetzt.Foto: Detlev Kreimeier / WAZ FotoPool

Heiligenhaus.   Nach der WAZ-Berichterstattung über das verdreckte Häuschen am Isenbügeler Platz hat die Telekom es demontiert. Leserin beklagt mangelnde Grundversorgung.

Sie war gelb, sie war dreckig und defekt, und jetzt ist sie auch noch weg: die Telefonzelle am Isenbügeler Platz. Anfang September hatte die WAZ über den desolaten Zustand des Fernsprechhäuschens vor der alten Sparkasse berichtet. „Eine Woche später war es weg“, teilt uns jetzt eine Leserin mit, die nicht namentlich erwähnt werden möchte.

„Nach dem Blotschenball dachte ich: Da fehlt aber was.“ Wo bis vor wenigen Wochen eine der letzten Telefonzellen auf Stadtgebiet stand, klafft jetzt eine Lücke. Von Nachbarn hat die Anwohnerin gehört, dass ein Lkw die Zelle abtransportiert habe. In wessen Auftrag, ist in der Nachbarschaft unbekannt. Ein Anruf bei der Telekom ergibt – jedenfalls in dieser Hinsicht – Klarheit: „Die war für den Abbau vorgesehen“, bestätigt Sprecher André Hofmann.

Einen Zusammenhang mit der Berichterstattung in der WAZ bestreitet er. „Über ein Jahr“ dauere die Planung für den Abbau einer Telefonzelle; die zeitliche Nähe zum Artikel sei Zufall.

Unwirtschaftlichkeit

Nicht zufällig hingegen hat der Abbau ausgerechnet diese Telefonzelle getroffen: „Wegen Unwirtschaftlichkeit“ habe man sich für den Abbau entschieden, so Hofmann. Mit einem entkernten Häuschen, dessen Telefonanlage schon geraume Zeit fehlte, lässt sich schwerlich Umsatz machen.

Zur Grundversorgung hat dieser Fernsprecher also schon lange nicht mehr beigetragen. Ob sie in Heiligenhaus noch gegeben ist, lässt sich bei der Telekom nicht herausfinden: Wie viele Zellen überhaupt noch auf Stadtgebiet zu finden sind, weiß der Telekom-Sprecher angeblich nicht. 2011 hatte er der WAZ hierzu noch Auskunft erteilen können: Damals nannte er die Zahl von 23 Münzfernsprechern, von denen allerdings sieben zum Abbau vorgesehen waren. Die Aufsichtsbehörde der Telekom, die Bundesnetzagentur, zeigt sich in Person von Pressesprecher Rudolf Boll überrascht über die angebliche Zahlenunkenntnis der Telekom: „Die Telekom müsste Ihnen die Anzahl definitiv nennen können.“

Selbstverpflichtung der Telekom

Zumindest der Isenbügeler Apparat tauchte offenbar als Zahl in einer Liste der Telekom auf, deren Summe sich nun wieder um eins reduziert hat. Das kann nur in Absprache mit der Stadtverwaltung geschehen sein: 2003 unterzeichnete die Telekom eine Selbstverpflichtung, derzufolge „nichts gegen den Willen der Kommune abgebaut wird“, wie Boll sagt.

Zumindest für Isenbügel fürchtet die WAZ-Leserin, die lieber anonym bleiben möchte, dass mit dem Abbau eine Grundversorgung nicht mehr erfüllt ist. Sie stellt zwar fest: „Die Ecke sieht ohne Zelle besser aus.“ Aber sie ist auch der Überzeugung: „Da gehört ein Fernsprecher hin. Vielleicht eine Säule mit Notruf“, das würde ihr und den übrigen Anwohnern schon reichen für ein Gefühl der Sicherheit: Falls das Handy doch mal zu Hause ist oder der Akku leer, wäre immer noch eine Anlaufstelle da, um im Notfall die 112 wählen zu können. Nach Auskunft der Telekom aber ist ein Ersatz nicht geplant.

Monique de Cleur

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