Eine Gemeinde, drei Kirchen
27.01.2010 | 18:39 Uhr 2010-01-27T18:39:00+0100
Heiligenhaus. Seit Januar gibt es nur noch eine katholische Pfarrei. Faktisch besteht die Zusammenarbeit schon lange.
„Die katholische Kirchengemeinde St. Suitbertus in Heiligenhaus heißt sie herzlich willkommen”, ist auf der Homepage kyriake.de zu lesen. Auch das Briefpapier trägt im Kopf zuerst den Namen der Kirche von St. Suitbertus. Äußere Zeichen eines Zusammenschlusses der Suitbertus- und der Ludgerus-Gemeinde, „den es in der Praxis schon seit Mitte der 1990er Jahre gibt”, sagt Pfarrer Alfons Demand.
Seit 1996 Seelsorgeteam
Denn: 1994 amtierte Demands Vorgänger Gerhart Krauser bereits als leitender Pfarrer im „Dom” und ab 1996/'97 nahm ein „Seelsorgeteam” – bestehend aus Pfarrer, Kaplan, Gemeindereferentin – die Arbeit in St. Suitbertus und St. Ludgerus auf. „Es haben sich seither viele gemeinsame Aktivitäten entwickelt. Abwechselnd wird etwa der Familiengottesdienst in den beiden Kirchen abgehalten, ebenso der Kindergottesdienst. Auch die Jugendlichen und die Frauengemeinschaften sind schon lange vereint”, zählt Demand auf. Die Kirchenchöre werden in Zukunft ebenso gemeinsam auftreten.
Die offizielle Fusion der beiden katholischen Pfarreien zum 1. Januar 2010 sei letztlich eine Formalie des Bistums. Die wie in anderen Städten mehreren Umständen geschuldet ist: Priestermangel, Kostenersparnis – und schrumpfenden Gemeinden.
Das war in den 1950er Jahre noch ganz anders: Aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten zogen viele Familien ins Niederbergische. Die Ortsteile Wassermangel, Nonnenbruch und Unterilp entstanden. So war Bedarf für eine weitere katholische Kirche da: Im Frühjahr 1960 erfolgte der Spatenstich zur Ludgerus-Kirche an der Rheinlandstraße, zwei Jahre später war man eine eigene Gemeinde mit eigenem Pfarrer. „Es gab ja sogar noch eine weitere Kirche: Heilig Geist”, erinnert Pfarrer Demand an die kleine hölzerne Filialkirche, die von 1967 bis 1997 in der Unterilp existierte und das Pendant zur Jakobus-Kapelle in der Abtsküche darstellte.
Von einst 10 000 bis 11 000
Gläubigen ist die katholische Pfarrgemeinde in den vergangenen Jahren auf aktuell 8500 Mitglieder geschrumpft. „Wobei die Zahl der Kirchenaustritte bei zwei bis drei pro Jahr stagniert”, sagt Pfarrer Alfons Demand. „Es ist ganz eindeutig die demographische Entwicklung mit zurückgehender Geburtenrate, die sich hier niederschlägt.”
„Im Laufe der Jahre haben sich dann Zugezogene und Einheimische immer mehr gemischt. Etliche Ludgerus-Kirchgänger sind außerdem umgezogen und dann in den Dom zur Messe gegangen”, weiß Demand, der seit sieben Jahren in Heiligenhaus tätig ist, aus Erzählungen. „Eine enge Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden gab es deshalb schon immer. Unerfreuliche Grabenkämpfe wie in manch anderen Ortschaften bei solch einer Gemeindezusammenlegung gibt es ja hier nicht”, ist der Pfarrer froh.
„An der Arbeit und Intensität des Seelsorgeteams an beiden Standorten wird sich nichts ändern”, fährt er fort. Und er weiß: „Wer immer zu St. Ludgerus gegangen ist, der wird dies weiterhin tun und dort seine Glaubensheimat haben – egal welcher Name auf dem Briefkopf steht.”
Nur eine Änderung wird es geben: Aus zwei Kirchenvorständen wird einer. Im März findet dazu eine Neuwahl statt. Das Gremium von dann acht Ehrenamtlern verwaltet das Vermögen in der Kirchengemeinde und entscheidet unter anderem über Gebäuderenovierungen, Anschaffungen sowie Personal.
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