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Deutsch-Amerikanischer Tag

Ein Praktikum in Washington, DC

06.10.2012 | 11:00 Uhr
Ein Praktikum in Washington, DC
Peter Beyer (re.) besuchte seinen ehemaligen Praktikanten Max Baumgart in Washington.Foto: privat

Heiligenhaus.   Ein ehemaliger Heiligenhauser Schüler arbeitete für sieben Wochen bei der deutschen Botschaft in Washington. Ein Gespräch über Barack Obama, Kamelle-Wurfverbot und riesige Kaffeebecher.

In sieben Wochen als Botschafter im Praktikum hat Max Baumgart viel erlebt. Mit WAZ-Redakteurin Monique de Cleur sprach er unter anderem über Barack Obama, Kamelle-Wurfverbot und XXL-Kaffeeportionen.

Und, schon US-Präsident Barack Obama die Hand geschüttelt?

Ich konnte Präsident Obama zwar nicht die Hand schütteln, aber dafür habe ich ihn gleich an einem meiner ersten Tage vorbeifahren sehen: In wenigen Minuten wurde ein ganzer Block gesperrt, damit er in einem Restaurant essen gehen konnte. Ansonsten koordiniert die deutsche Botschaft die Besuche deutscher Politiker in den USA. Da trifft man schon mal einen deutschen Fraktionsvorsitzenden in den Gängen.

Was waren Ihre Aufgaben während des Praktikums?

Ich habe für das Deutschlandzen­trum gearbeitet, das ist die Abteilung für politische Öffentlichkeitsarbeit. Unter anderem habe ich eine Kampagne mit organisiert, die das deutsch-amerikanische Verhältnis stärken soll, oder bei der Organisation der Steuben-Parade in New York City mitgeholfen. Eine Woche lang habe ich aber auch über die aktuelle amerikanische Tagespresse nach Berlin berichtet.

Heute ist Deutsch-Amerikanischer Tag

Jedes Jahr am 6. Oktober begehen die Amerikaner den deutsch-amerikanischen Tag. Der Feiertag erinnert an das deutsche Erbe des Staates: Am 6. Oktober 1683 gründeten 13 deutsche Quäker-Familien, die ursprünglich aus Krefeld stammten, in der Nähe von Philadelphia die Stadt Germantown; die erste deutsche Siedlung in den USA.

Erstmals begangen wurde der Tag im 19. Jahrhundert.

Nach dem Ersten Weltkrieg schlief diese Tradition ein, wurde aber 1983 durch den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan anlässlich des 300. Jahrestages der deutschen Einwanderung wiederbelebt.

Was war denn Ihr persönliches Highlight?

Ein Highlight war sicherlich die Steuben-Parade in New York City. Die müssen Sie sich in etwa vorstellen wie einen deutschen Karnevalsumzug, nur dass man die Kamelle auf Grund eines Polizeiverbots nicht werfen, sondern den Leuten nur in die Hand geben darf. Dort konnte ich bei der Organisation von Anfang an mit dabei sein und stand am Ende sogar mit auf dem Wagen. Das war wirklich fantastisch.

USA als Vorbild für Europa: eine starke Stimme trotz vieler autonomer Staaten

Wie unterscheiden sich Amerikaner von Deutschen?

Amerikaner erwarten auf die Frage „Wie geht’s?“ keine tiefgehenden Antworten, wir Deutschen schon. Und Kaffee gibt es in den USA nur in großen, riesigen und XXL-Portionen. Aber ansonsten verbinden uns dieselben Werte, eine ähnliche Geschichte und eine ähnliche Kultur.

Hat sich Ihre Einstellung zu Amerika während Ihres Aufenthalts verändert?

Sie ist positiver geworden. Die USA sind zwar noch ein verhältnismäßig junges Land, bieten aber trotzdem eine reiche, vor allen Dingen politische, Kultur. Dass ich das Land so spannend finden würde, habe ich vor meiner Abreise nicht gedacht.

Was können die beiden Länder von einander lernen?

Die USA sind ein gutes Beispiel für die Frage, wie die europäische Integration funktionieren könnte: Sie sind ein einflussreiches Land mit einer starken Stimme und trotzdem noch sehr föderalistisch; die einzelnen Staaten besitzen eine große Autonomie.

Was den Alltag angeht, sollten die Deutschen definitiv mehr Zeit in Cafés und Restaurants verbringen und Fremden gegenüber weniger zurückhaltend sein. Dafür sollten die Amerikaner die Steuern mit in ihren Verkaufspreis einrechnen und ein universelles Gesundheitssystem und die duale Ausbildung schätzen lernen.

Nach sieben Wochen Testphase: Schwebt Ihnen eine Karriere als Diplomat vor?

Nicht zwangsläufig. Ich kann mir zwar keinen Beruf vorstellen, der so vielseitig und abwechslungsreich ist. Aber man muss auch beachten, dass man alle drei bis vier Jahre den Standort wechselt. Das kann für das Privatleben sehr anstrengend sein.

Monique de Cleur



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