Ein Pony machte den Anfang

Das Gelände rund um den Hof bietet vielen Pferdebesitzern ideale Bedingungen.
Das Gelände rund um den Hof bietet vielen Pferdebesitzern ideale Bedingungen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Papenhoffs stellten ihren Gutshof von der Schweinemast auf Pferdehaltung um. Das Ambiente des Zehnthof-Backhauses zieht viele Brautleute an.

Heiligenhaus..  Wer sich einmal über den Waldweg abseits der Ratinger Straße in der Hofermühle müht, wird nicht nur optisch mit einem Blick auf Bauernhof-Idylle in ihrer schönsten Form belohnt – auch die Geräuschkulisse passt. Sattes Grün, grasende Pferde, zwitschernde Vögel. Kurt Papenhoff steht vor seiner Pferdekoppel, sein Blick schweift über das Land rundherum. Grün, soweit das Auge reicht. Das Land seiner Vorfahren. Seit vier Jahrzehnten ist es nun sein Land.

1975 übernahm der junge Landwirt den Gutshof seiner Eltern. Den kleinbäuerlichen Betrieb stellte er schnell auf Schweinemast um. Bis zu 450 Schweine fanden zu Spitzenzeiten in den Ställen des Zehnthofs ein Zuhause auf Zeit. Das ist lange her und trotzdem denkt Papenhoff gerne zurück. Denn die Schweinemast war für ihn mit geringem Zeitaufwand und viele Jahre auch mit einem guten Auskommen verbunden.

Weitgreifende Entscheidung

Doch die Dokumentation der Schweinehaltung vom Futter bis zum Verkauf der Tiere wurde immer schwieriger, der Erlös pro Schwein immer geringer. Die Papenhoffs standen vor einer weitgreifenden Entscheidung: die Mast ausweiten, investieren, anbauen und bis zu 1000 Tiere aufnehmen oder den Betrieb komplett umstellen. Sie entschieden sich gegen die Mast und bauten den Stall, der einst bis zu 300 Tiere fasste, zu Pferdeboxen um.

„Eine gute Entscheidung“, sind sich die Papenhoffs heute einig. Pferde gab es auf Gut Zehnthof eigentlich schon immer. Nur wurden sie früher nicht zur Freizeitgestaltung genutzt, sondern als Arbeitstiere. „1950 kam der erste Schlepper auf den Hof“, sagt Kurt Papenhoff. Bis dahin halfen ausschließlich drei Kaltblüter bei der Erledigung körperlich schwerer Arbeiten. Als Kind sei er noch auf ihnen geritten, erinnert sich der 62-Jährige Landwirt. Nachdem Traktoren und andere motorisierte Hilfsmittel nach und nach auf den Höfen die schweren Arbeiten übernahmen, wurden die Pferde als Arbeitstiere überflüssig.

Erst als Tochter Ina-Charlotte vom Opa ein Pony zum dritten Geburtstag bekam, hielt das erste Pferd wieder Einzug auf dem Gutshof. Doch es blieb nicht bei einem Pony. Mieter siedelten auf den Gutshof und brachten eigene Pferde mit. Nach und nach füllten sich die Stallungen wieder mit den langbeinigen Tieren. Inzwischen gehen die Besitzer von 30 Pferden regelmäßig auf dem Hof ein und aus. Mit den schönen Vierbeinern nahm für Kurt Papenhoff auch die Stallarbeit zu. Jedes Tier muss einzeln gefüttert, gemistet und auf die Weide gebracht werden. Für den Landwirt beginnt der Tag um 6.30 Uhr mit viel körperlicher Arbeit. Und trotzdem würde Papenhoff seine Entscheidung weg von der Schweinemast, hin zur Pferdehaltung nicht rückgängig machen.

Aber der Zehnthof bieten nicht alleine den Pferden Unterschlupf, auch Brautleuten, ihrem Gefolge und anderen Gästen. Denn die Papenhoffs haben sich auch auf die Bewirtschaftung des alten Backhauses konzentriert. In der urigen Atmosphäre des kleinen Gebäudes können sich Heiratswillige nicht nur von den Heiligenhauser Standesbeamten trauen lassen, sondern den besonderen Tag auch gleich mit ihren Gästen feiern. Im außergewöhnlichen Ambiente des Backhauses finden neben Familienfeiern auch größere Veranstaltungen statt. „Mit Brot- und Pizzabacken im Freundeskreis haben wir angefangen“, erinnert sich Margret Cox-Papenhoff. Aus der netten Back-Aktion entwickelte das Paar eine Geschäftsidee und ein zweites Standbein für ihren Hof.

Spargel, Kohl und Erdbeeren

Während Kurt und Margret Cox-Papenhoff von ihrem Alltag auf dem Gut berichten, halten sie ein gerahmtes Schwarz-Weiß-Foto in den Händen. Es zeigt den Hof, so wie er früher einmal war. Vor dem Haus liegt ein riesiger Nutzgarten, in dem Spargel, Kohl und Erdbeeren wuchsen. „Auf der Sandfläche wurde das Wintergemüse eingeschlagen“, erinnert sich Kurt Papenhoff an eine Zeit, in der man so das Gemüse durch die frostige Jahreszeit brachte. Heute umrahmen die Gebäude Wiesen und ein schöner Natur-Garten. Bauernhof-Idylle pur eben.