Ein Leben für die Heiligenhauser Politik

Die Schlotschmedmedaille und die Ehrennadel der Vereinigung Liberaler Kommunalpolitiker (VLK) gab es für Reinhard Schulze Neuhoffs Engagement.
Die Schlotschmedmedaille und die Ehrennadel der Vereinigung Liberaler Kommunalpolitiker (VLK) gab es für Reinhard Schulze Neuhoffs Engagement.
Foto: WAZ FotoPool
Nach über 30 Jahren in der Kommunalpolitik hörte der langjährige FDP-Fraktionsvorsitzende mit der letzten Kommunalwahl auf. Neue Projekte könnten ihn reizen.

Heiligenhaus..  Abschied nehmen fällt nicht leicht, aber ohne ihn wäre das Leben langweilig. So heißt es in einem Spruch, und so passt es auch zu Reinhard Schulze Neuhoff. Nach über 30 Jahren hörte der FDP-Politiker mit der letzten Kommunalwahl auf – doch von Langeweile ist noch immer keine Spur.

Reinhard Schulze Neuhoff sitzt zuhause in seinem Lieblingsstuhl und liest die WAZ. „Schon immer, die gehörte bei uns dazu“, berichtet der Berufsschullehrer. Doch eigentlich hat er da gar keine Zeit zu. In der Höheren Handelsschule in Velbert, dem sogenannten Zitronenbunker, hat er nämlich jede Menge zu tun. Er gehört der erweiterten Schulleitung an, das Lehren und der Umgang mit den Schülern macht ihm dabei genauso viel Spaß wie das Organisieren von Veranstaltungen. Die Lehre mit den Betrieben vor Ort zu verbinden ist hier seine größte Leidenschaft.

Eigenschaften, die Schulze Neuhoff auch über drei Jahrzehnte in die Heiligenhauser Kommunalpolitik mit einbrachte. Aber seine größte Stärke, so glaubt er: „Ich bin authentisch. Ich gebe mich in der Politik nicht anders als in meinem sonstigen Leben. Das hilft natürlich, um gute und viele Kontakte aufzubauen, denn ein großes Netzwerk ist immer wichtig. Man muss hier leben und aktiv am Leben teilnehmen, dann kann man sich auch vernünftig in die Kommunalpolitik einbringen.“

Viele Jahre lang war er Fraktionsvorsitzender der FDP, war ein Heiligenhauser liberales Aushängeschild und kandidierte auch einst als Bürgermeister. Nach Heiligenhaus kam er 1979, 1984 trat er der FDP bei. Schnell wurde er durch Förderer wie Detlef Parr in die aktive Parteiarbeit miteinbezogen, wurde bald Ratsmitglied und beerbte Parr als Fraktionsvorsitzenden 1993. Seitdem führte er die Liberalen im Heiligenhauser Rathaus an. „Ich habe sehr viel erlebt in all den Jahren, das meiste davon war positiv. Man kann kommunal was bewegen, deswegen hatte es mich nie in die Landes- oder Bundespolitik getrieben.“

Nun reflektiert er diese Zeit: „Nicht so glücklich waren die Jahre mit absoluter Mehrheit. Die sind nicht förderlich für eine Demokratie, sondern behindern diese. Es macht mehr Spaß, mitzugestalten und das Zünglein an der Waage zu sein.“ Das waren die Liberalen häufiger, aber immer pflegte er guten Kontakt zu den anderen Parteien. In der Sache streiten, aber im Menschlichen miteinander klar kommen ist für ihn wichtig. „Man muss in der Kommunalpolitik immer die Balance finden zwischen dem, was sein muss, und dem, was die Finanzen noch zusätzlich zulassen“, findet Schulze Neuhoff.

„Man sollte im Rahmen seiner Möglichkeiten auch etwas für die Gemeinschaft erbringen“, erklärt er, wenn er über sein Engagement in der Politik spricht. Aber auch über die Politik hinaus war er gesellschaftlich immer aktiv. Er gründete einen Squashclub mit, spielte bei Blau-Weiß Tennis und später, durch seine zwei Söhne Henrik und Knut, kam er zum Hockey. Seit 42 Jahren betreibt er gemeinsam mit seiner Frau Tanzsport, hier trifft er auch auf SPD-Kollegen Peter Kramer.

Den Entschluss aufzuhören fasste Schulze Neuhoff bereits vor fast zwei Jahren: „Zunächst einmal für meine Familie und ich habe ich immer gesagt, dass man dann aufhören sollte, wenn die Leute es noch bedauern“, fügt er lächelnd hinzu. Doch wirklich aufhören, nach über 30 Jahren, scheint dann doch schwieriger als gedacht, sagt Schulze Neuhoff: „Naja, mal gucken, vielleicht reizt mich irgendwann ein Projekt. Ganz ohne geht ja auch nicht.“