Ein Knöllchen lässt sich manchmal durchaus vermeiden

Verkehrsüberwacher Ralf Jeratsch
Verkehrsüberwacher Ralf Jeratsch
Foto: Heinz-Werner Rieck
Was wir bereits wissen
Verkehrsüberwacher Ralf Jeratsch kontrolliert seit einem Jahr das Parken in Heiligenhaus. Er braucht ein dickes Fell, kann aber auch nachsichtig sein.

Heiligenhaus..  Unsicher schaut die junge Frau vom Beifahrersitz auf, als Ralf Jeratsch sie anspricht. „Meine Mutter kommt sofort wieder“, sagt sie entschuldigend. „Dann legen sie bitte trotzdem die Parkscheibe sichtbar ins Auto“, bittet der Verkehrsüberwacher und belässt es bei einer Ermahnung. „Ich wollte nur mal eben...“ – Solche Sätze hört Ralf Jeratsch bei der Arbeit oft. Der 54-Jährige kontrolliert seit rund einem Jahr, ob in der Stadt korrekt geparkt wird. „Das ist keine Abzocke, sondern sorgt für Fairness. Sonst würden einige gar keinen Parkplatz finden, weil andere viel zu lange irgendwo stehen.“

Jeratsch ist in den Ortsteilen und der Innenstadt unterwegs – mehrere Stunden am Tag, in denen er bis zu 15 Kilometer zurücklegt und unterschiedliche Fälle antrifft. „In der Unter- und Oberilp werden oft Einmündungen oder Feuerwehrzufahrten zugeparkt“, sagt er. In der Innenstadt sei es häufig das Parken im absoluten Halteverbot (ab 15 Euro aufwärts) oder auf Behindertenparkplätzen (35 Euro), aber vor allem das Parken mit abgelaufener Parkscheibe – oder ganz ohne.

Mit der Zeit wird es teuer

Das kostet in den ersten dreißig Minuten zehn Euro, ab drei Stunden dann 30. „Die Scheibe stellt man auf die nächste halbe, bzw. volle Stunde vor und legt sie sichtbar ins Fenster“, erklärt Jeratsch. Streng genommen gelten nur die blauen Scheiben „Die in anderen Farben oder mit Werbung drauf lassen wir aber auch gelten.“

Beim nächsten Kandidaten auf dem Parkplatz Kettwiger Straße kann Jeratsch aber kein Auge zudrücken. Der Fiat parkt nicht nur auf zwei Parkplätzen gleichzeitig, sondern auch weit nach hinten aus der Parkbucht raus. „Manches kommt einem schon kurios vor“, sagt Jeratsch und erfasst Ort, Datum, Kennzeichen und Ventilstand mit seinem „Ticketman“. Mit dem Datengerät macht er zudem Beweisfotos und klemmt das Ticket unter den Scheibenwischer. Zehn Euro kostet das nicht platzsparende Parken.

Ein gewisser Spielraum ist da

Aber nicht jeder Fall ist so eindeutig. Ralf Jeratsch und seine Kollegen haben Spielraum. „Ein Parkvergehen muss nicht immer geahndet werden. Das kommt auf die Situation an.“ Auf dem Basildonplatz fällt Jeratsch ein Auto mit Duisburger Kennzeichen ohne Parkscheibe auf. Währenddessen kommt der Fahrer: „Was habe ich gemacht?“, fragt der junge Mann verwundert, aber freundlich. Der Parküberwacher belässt es auch hier bei einer Ermahnung. „Der junge Mann ist auswärtig und drum herum sind genug Parkplätze frei.“

Anders sei es, wenn der Basildonplatz samstags voll ist und manch einer mehrere Stunden dort parke. Nicht jeder habe Verständnis dafür, sagt Jeratsch. „Falschparken ist eine emotionale Sache.“ Beleidigungen kämen immer mal vor, tätliche Angriffe zum Glück noch nicht. „Wir brauchen ein dickes Fell und ein souveränes Auftreten“, sagt Jeratsch. An seinem Job gefällt ihm, dass er selbstständig Entscheidungen treffen kann, solange diese juristisch korrekt sind. „Und ich kann in den Köpfen der Menschen in Sachen Parken etwas bewegen.“