Ein Heiligenhauser, der gerne abräumt

Mit dem beruflichen Ruhestand übernahm Bernhard Grote neben anderen Aufgaben auch die Jugendarbeit der Sportkegler.
Mit dem beruflichen Ruhestand übernahm Bernhard Grote neben anderen Aufgaben auch die Jugendarbeit der Sportkegler.
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Was wir bereits wissen
Weltrekord, Meistertitel und Bundesliga: Bernhard Grote engagiert sich seit mehr als 40 Jahren ehrenamtlich für die Sportkegler .

Heiligenhaus..  Bernhard Grote räumt gerne ab. Und das schon seit fast fünf Jahrzehnten. Im Jahr 1966 schob der gebürtige Emsländer die ersten Kugeln über die Bahn. Gemeinsam mit den anderen Kiekert-Lehrlingen ging der damals angehende Schlosser regelmäßig in die Vollen.

Aus den lockeren Treffen mit Gleichaltrigen im Dorfkrug wurde für Grote ein richtiger Sport. Einem versierten Kegler, der als Kellner in der Gaststätte arbeitete, sei Dank. „Was haben wir uns damals einen abgewürgt“, sagt er und lacht. Der Kellner brachte Bernhard Grote und seinen Kollegen nicht nur die Grundregeln des Kegelns bei, sondern lotste den jungen Schlosser auch zum Wülfrather Kegelverein.

Bernhard Grote blickt gerne zurück auf diese Zeit. Inzwischen engagiert sich der Heiligenhauser seit mehr als 40 Jahren für die örtlichen Kegler. 1974 spalteten sich die Heiligenhauser von den Wülfrathern ab und gründeten ihre eigene Vereinigung, bauten später sogar ihre eigene Kegelanlage. Seit der Gründung ist Grote der Geschäftsführer der Sportkegler, inzwischen auch noch Schiedsrichter und in der Jugendarbeit aktiv. „Wenn ich einmal dabei bin, mache ich auch weiter“, sagt er. Ein Motto, das sich wie ein roter Faden durch sein Leben zieht. Denn auch beruflich blieb der heute 70-Jährige seinem Arbeitgeber 34 Jahre lang treu. Nach seiner Ausbildung bei Kiekert zog es ihn zum Studium an die Fachhochschule Essen. Als frischgebackener Maschinenbau-Ingenieur landete er bei Ruhrgas – und blieb bis zum Ruhestand.

Neben dem Job, der ihn viel auf Reisen führte, schob er nicht nur weiter seine Kugeln über die Bahnen. Er steckte auch viel Zeit in die Vorstandsarbeit. „Manchmal frage ich mich heute, wie ich das alles neben dem Beruf geschafft habe“, sagt Bernhard Grote. Mit dem beruflichen Ruhestand übernahm er 2004 neben anderen Aufgaben auch die Jugendarbeit des Vereins. „Leider stirbt das Sportkegeln langsam aus“, sorgt sich Grote um den Nachwuchs.

Fitness und Konzentration

Der Sport habe für viele nicht nur ein verstaubtes Image, sondern werde oft in die Kneipen-Ecke geschoben. Dass Kegeln aber nicht nur höchste Konzentration, sondern auch körperliche Fitness voraussetze, wüssten viele gar nicht. „Viele Eltern sind erstaunt, wenn sie sehen, wie die Kinder hier ins Schwitzen kommen“, hat er beobachtet. Bei den regelmäßigen Ferienangeboten des Vereins ist Muskelkater garantiert.

Leider, so findet Bernhard Grote, bleibt dem Nachwuchs neben Schule und anderen Freizeitangeboten nicht mehr viel Zeit für regelmäßiges Kegeln.

Die Umgebung ausblenden

Dabei können sich die sportlichen Perspektiven im Verein wirklich sehen lassen: Weltrekorde, Weltmeister und erste Bundesliga bietet wohl kaum ein anderer örtlicher Verein in seiner Klasse. Er selbst kann sich für seinen Sport auch nach vielen aktiven Jahren noch begeistern. „Man ist voll konzentriert, kämpft mit sich und dem Material“, sagt er. Um ganz oben mitspielen zu können, müsse man sich einen Tunnelblick aneignen, andere Spieler und die Umgebung völlig ausblenden können.

Wie gut die aktiven Sportkegler das können, zeigen die vielen Meistertitel der Jugendmannschaften und der Aufstieg der Heiligenhauser Herren in die erste Bundesliga. Bernhard Grote ist stolz auf den Verein, Erfolge sind Lohn für all die Zeit und Arbeit, die er investiert. Und das will er auch noch ein paar Jahre weiter machen. Wenn man einmal dabei ist . . .