Ein fester Anker in der Zeit des bangen Warten

Wer als Asylbewerber nach Deutschland kommt, der ist zuerst einmal mit unendlich viel Neuem konfrontiert: die fremde Umgebung, die kaum mögliche sprachliche Verständigung. Hinzu kommt die Ungewissheit, ob man in Deutschland bleiben kann oder ob Abschiebung droht.

Helfen kann in dieser schwierigen Zeit des Wartens ein Sprachkurs, der durch seine Regelmäßigkeit einen festen Anker im Meer des Ungewissen darstellt. 18 Asylbewerber nehmen seit dem 18. Mai an einem größtenteils vom Verein der Freunde und Förderer der VHS gesponserten Alphabetisierungskurs teil. Darunter auch der 28-jährige Behzad R. und der 18 Jahre alte Bashir H., zwei aus dem Iran stammende Asylbewerber, die vorläufig in der Ludgerusstraße untergekommen sind.

„Wir wollen mit dieser Förderung in erster Linie Personen unterstützen, die sich hier in Deutschland integrieren und zuhause fühlen wollen, das haben wir uns auf die Fahnen geschrieben“, betonen die beiden Vorsitzenden des VHS-Fördervereins, Jürgen Schöps und Béatrice Delassalle-Wischert. „Dank dieses Kursangebots können die 18 Menschen, die aus Somalia, Eritrea, dem Iran und aus Syrien kommen, schon einmal Deutsch lernen, bis ihr Status geklärt ist.“

Alltagspraktisches bestimmt den Unterricht: anhand eines Prospekts eine Einkaufsliste schreiben, die Uhrzeiten verstehen, die Wochentage, sich vorstellen. Kleine Exkursionen ergänzen das Programm: ein Gang zum Wochenmarkt, ins Gebrauchtwarenhaus oder in den Park. „Die Fehlquote im Kurs ist verschwindend gering“, sagt Delassalle-Wischert, „auch die Pünktlichkeit am Morgen signalisiert, wie sehr die Teilnehmer das Lernen schätzen“.

Das Lernen fällt beiden jungen Männern relativ leicht. Behzad hat im Iran Buchhaltung gelernt, aber in Deutschland will er Musik machen und in einer Band Gitarre spielen. Sein recht gutes Englisch hat er sich im Selbststudium beigebracht – über Songtexte. Bashir stammt aus Afghanistan, ist aber im Iran aufgewachsen. Auch er lernt schnell, und so trägt der dreimal vormittags stattfindende Kurs bereits Früchte.

„Dass das Beherrschen des Alphabets nur der erste Schritt auf einer sehr langen Reise ist, das wissen die beiden“, so Schöps und Delassalle-Wischert. Und diese Anschubhilfe sollte der Kurs auch bieten. Behzad und Bashir wissen sie zu nutzen: Während ihr Asylverfahren läuft, lernen sie von jetzt an in einem regulären Integrationskurs weiter. Denn um deutsche Freunde zu finden, braucht es lange – und das geht nicht ohne die deutsche Sprache.