Ein bißchen Irland in Heiligenhaus

Heiße Sohle: Den rasanten Stepps von Dance Captain Chris McSorley können selbst Blicke kaum folgen.
Heiße Sohle: Den rasanten Stepps von Dance Captain Chris McSorley können selbst Blicke kaum folgen.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Erst in der zweiten Hälfte zündet die Tanz-Show „The Spirit of Ireland“ mit ihrem jungen Ensemble auch beim Publikum in der Aula des Kant-Gymnasiums.

Heiligenhaus..  Mystisch bricht sich das Licht im künstlichen Nebel, der wabernd über die Bühne der Aula kriecht. Der Hintergrund schimmert in einem satten Moosgrün. Mit ein bisschen Fantasie wirkt es so, als befänden sich die Zuschauer mitten auf einem der zahlreichen Feenhügel Irlands. Über diese können magische Wesen in die Welt der Sterblichen wandern und dort für das gewisse bisschen Magie sorgen.

Im Fall von „The Spirit of Ireland“ tragen die zauberhaften Wesen jedoch Stahlplättchen an den Füßen. Gewohnte Klänge von der grünen Insel läuteten – oder besser gesagt klackten – das neue Kulturhalbjahr in Heiligenhaus ein.

Mit gespielt gelangweiltem Blick lässt Bodhrán-Spieler Cian Farrelly den hölzernen Tipper über das gespannte Ziegenfell fliegen. Winzige Drehbewegungen des Handgelenks sorgen dafür, dass die traditionelle irische Handtrommel immer schneller ihren dumpfen Klang in der Aula verteilt. Was Dance Captain Chris McSorley mit seinen Füßen vormacht, scheint der junge irische Musiker spielend leicht nachmachen zu können.

Das Zwiegespräch zwischen Schuhsohle und Ziegenfell ist einer der Höhepunkte in der rasanten zweiten Hälfte. „Es bietet Raum für Improvisation“, weiß Veranstalter Michael Schweiger. Beide, McSorley und Farrelly, sind Meister ihres Fachs und erobern mit ihren rhythmischen Neckereien schnell die Herzen des Publikums.

Chris McSorley zog seine ersten Steppschuhe im Alter von vier Jahren an und seitdem selten wieder aus. Wie auf dem Deck eines Bootes hält der Dance Captain seine Crew auch auf der Bühne zusammen. Natürlich ist es auch McSorleys Aufgabe, wie der Hahn im Korb mit einem verschmitzten Augenzwinkern durch die Aula zu stolzieren. Es ist das Spiel mit dem Publikum, das ihn sympathisch macht. Der Captain beweist, dass Stepptanz nicht immer steif sein muss, sondern auch eine Prise Humor vertragen kann.

Cian Farrelly studiert wie seine Bandkollegen an der Universität Limerick und ist gerade mal Mitte Zwanzig. „Es ist die einzige Universität, an der man irische Musik studieren kann“, weiß Veranstalter Schweiger. Sofort merkt der Beobachter, dass die jungen Musiker ihre Instrumente täglich in der Hand haben. Sobald ein Nachwuchstalent Pause hat, beginnen die unbeschäftigten Finger, im Rhythmus auf dem Stuhl zu trommeln.

Musikalische Ausreißer gibt es bei „The Spirit of Ireland“ bewusst nicht. „Wir wollten es sehr ursprünglich halten. Lisa Murphy singt einige Lieder zum Beispiel auch in Gälisch“, erklärt Schweiger von Miro Entertainment.

Auch wenn der Funke so richtig erst in der zweiten, deutlich rasanteren Hälfte der Show zündete, gelingt es, den Bogen zwischen Moderne und Tradition zu spannen. Der Geist der Grünen Insel zog die Besucher der Aula in seinen Bann.