Eifersucht als Motiv möglich

Noch ist lange nicht entschieden, Zeugen müssen weiterhin gehört werden.
Noch ist lange nicht entschieden, Zeugen müssen weiterhin gehört werden.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Prozess im Landgericht Wuppertal: Im Handy-Chat war die Rede von längerer Beziehung und Schwangerschaft. Offen bleibt, wer aus der Familie davon wusste

Heiligenhaus/Wuppertal..  Als er zum ersten Mal im Oberilper Totschlag-Prozess als Zeuge aussagte, machte er den Eindruck, als sei er der Angeklagte. Dabei ging es gar nicht um den heute 20-Jährigen aus Norddeutschland - sondern um seinen Cousin N. (31., Name geändert), der gestanden hat, im März 2014 seine in Trennung lebende Cousine und Ehefrau (26) in der ehelichen Wohnung in Heiligenhaus erstochen zu haben, der allerdings Tatmotiv und -hergang bislang noch nicht ganz erklärt hat.

Bei der Frage nach dem Motiv kommt der Cousin ins Spiel: Einen Monat vor der Tat soll die gesamte Familie von einem angeblichen Verhältnis des Cousins mit dem späteren Opfer ausgegangen sein. Dieses hatte der Cousin im Dezember vor Gericht abgestritten. Erst nachdem später herauskam, dass den Ermittlern der Whatsapp-Verkehr auf dem Handy der Toten entgangen war, wurde das Verhältnis konkret: Da wurden Liebesschwüre getauscht, da war die Rede von acht Monaten des Zusammenseins und von einer angeblichen Schwangerschaft durch das Verhältnis, da schrieb der Cousin wenige Stunden vor der Tat: „Ich hoffe, dir passiert nichts.“

Gestern hat der Cousin, konfrontiert mit seiner bislang anders lautenden Aussage, die Beziehung zögerlich eingeräumt. In welchem Umfang sie gelebt wurde, bleibt unklar. Der Whatsapp-Verkehr liest sich so, als wäre es für beide mehr als nur der Seitensprung einer verheirateten Frau gewesen und als solle mit diesen Gefühlen und mit einer mutmaßlichen Schwangerschaft eines Tages reiner Tisch gemacht werden.

Die Minimal-Einlassung des Cousins: Für ihn sei das nichts Ernstes gewesen, die Cousine habe sich aber offenbar zu hartnäckig in ihn verliebt gehabt, um die Wahrheit zu sehen. Wenn er seine Liebe zu ihr oder Ähnliches geschrieben habe, dann seien das „unüberlegte Nachrichten“ gewesen, so formuliert er es.

Zweifel an der Version

Richter und Anwälte ließen am Montag deutlich durchblicken, dass sie zumindest Zweifel an der Version des Cousins haben. „Sie lügen ja, dass sich die Balken biegen“, formulierte N.s Verteidiger das, was andere Robenträger vornehmer umschifften.

Wichtig sind die genauen Umstände des Verhältnisses deswegen, weil es ein durchaus plausibles Motiv für den Totschlag sein könnte.

Bleibt zu klären, was davon der Angeklagte und was die Familie zum Tatzeitpunkt im März 2014 wussten. Dazu und zu weiteren drängenden Fragen kann N. frühestens am Freitag Stellung nehmen. Der nächste Prozesstag ist zwar schon für den heutigen Dienstag geplant. Doch N. und sein Anwalt müssen sich noch besprechen.