Die Lust weiter zu lernen
06.02.2012 | 16:36 Uhr 2012-02-06T16:36:00+0100
Heiligenhaus. Gesamtschüler der Oberstufe erzählen über ihre Erlebnisse während der Studienorientierungswoche. Sie besuchten verschiedene Universitäten, sogar in den benachbarten Niederlanden.
Sie lächeln und ihre Augen strahlen. Sabine und Soumia erzählen über ihre Erfahrungen. Die beiden 18-Jährigen haben eine ereignisreiche Uni-Woche hinter sich. Doch sind sie keine Studentinnen, sondern Schülerinnen. Die beiden gehen in die zwölfte Klasse der Gesamtschule.
„Seit sechs Jahren bieten wir unseren Schülern die Berufs- und Studienorientierungswoche“, erklärt Monika Ebbers. Damit war die Lehrerin ihrer Zeit weit voraus. Erst seit zwei Jahren wird diese Möglichkeit vom Ministerium angeboten. Sie weiß: „Nur wenige Schulen nutzen dieses Angebot“.
Die jungen Frauen sprudeln nur so. „Wir waren an vier Tagen an vier verschiedenen Unis“, fassen sie vorweg zusammen. Die Folkwang-Uni sei ein tolles Erlebnis gewesen. „Wir waren beim Gesangseinzelunterricht ganz nah dran. Die Studenten und Dozenten waren sehr freundlich.“ Ganz anders sehen die beiden die Kölner Uni. „Dort war es anstrengend“, findet Sabine, „räumlich war es nicht sonderlich gut strukturiert.“ Und Soumia ergänzt ihren Eindruck: „Die Kölner Studenten waren sehr mit sich beschäftigt.“ Das wird auch nicht der Uni-Wunsch von Maik werden. Der 17-Jährige besuchte ebenfalls die Uni im niederländischen Nimwegen. „Dort war alles überschaubar“, findet Maik, „und ein unglaubliches Freizeitangebot für die Studenten.“ Eigentlich ist er von der Uni angetan, meint aber, sie sei doch nichts für ihn. „Ich denke die Sprache nicht gebrauchen zu können.“
Besuch von Vorlesungen
Klar, dass sie auch Vorlesungen für Erstsemester besucht haben. In Köln stand für Soumia Mathe für Lehramtsstudenten der Grundschule auf dem Stundenplan. „Das war ganz schön kompliziert“, muss sie feststellen. Sabine hat sich „Differentielle Psychologie“ angehört. Das hört sich zwar schwer an, „war aber viel von Pädagogik drin“, findet die 18-Jährige. Sie habe einiges wiedererkannt.
Daneben standen noch Bonn, Wuppertal und Düsseldorf auf dem Programm. In letzterer Uni gab es für alle Schüler eine Einführung in die Bibliotheks-Recherche – mit den Lehrern. „Das war toll“, sind sie sich einig.
Die Übersicht über den Campus ist die eine Sache, der Kontakt mit den Studenten eine andere: „Einmal sind wir von anderen Studenten nach dem Weg gefragt worden.“ Das imponierte ihnen. Sie gehörten plötzlich dazu. Trotzdem standen sie einige Male auch etwas suchend auf dem Campus. Deshalb erwähnen die Drei sehr positiv, dass einige Studenten einfach gefragt hatten, ob sie helfen könnten.
Schüler können Vergleiche ziehen
Einige Fragen hatten die Schüler nämlich. Soumia beispielsweise war erstaunt, dass die Studenten einfach während der Vorlesung den Hörsaal verlassen. „Ist das nicht respektlos?“, fragt sie. Das Kommen und Gehen irritiert die 18-Jährige. Maik sieht jetzt den riesigen Unterschied zur Schule. „Erst wenn man selber da war, merkt man ihn.“
Ganz wichtig für die Schüler ist neben der Atmosphäre die Entfernung zur Uni. „Es ist gut, wenn man weiß, wie weit die Unis entfernt sind“, findet Sabine. Beratungslehrer Jens Bullmann erklärt: „Die Schüler sind insgesamt unsicherer geworden.“ Als „behütet“ bezeichnet Pädagogik-Lehrerin Ebbers ihre Schützlinge. Der finanzielle Aspekt spiele aber auch eine Rolle.
Am Ende der Woche haben die Schüler ihre Erfahrungen aufgearbeitet und vorgestellt. „Jetzt können wir Vergleiche ziehen und wissen ungefähr, wie es läuft“, fasst Maik zusammen. „Die Schwellenangst ist gesunken“, resümiert Monika Ebbers. Und wie fühlten sich die Lehrer an den Unis? „Es war wie früher“, schmunzeln sie, „einfach in die Zeit zurückversetzt“.
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