Das aktuelle Wetter Heiligenhaus 13°C
Heiligenhaus

Die Königin von St. Ludgerus

20.06.2007 | 08:47 Uhr

Die Orgel gilt als Majestät unter den Instrumenten. Kirchenmusiker Christoph Zirener erklärte warum.Eine Orgelführung in der Pfarrkirche an der Rheinlandstraße

Leise knarzen die Stufen, während mehr als ein Dutzend interessierter Besucher Kirchenmusiker Christoph Zirener (35) auf die Empore der Kirche folgen. Sie nutzten die Gelegenheit, einmal einen Blick auf und in die Orgel von St. Ludgerus zu werfen. Diese wurde 1965 in der drei Jahre zuvor errichteten Kirche von der Firma Johannes Klais aus Bonn konstruiert. Klais gilt als einer der Spezialisten in Sachen Orgelbau in Deutschland. Und auch darüber hinaus, denn deutsche Orgeln haben weltweit einen sehr guten Ruf.

Dabei reicht die Geschichte des Instrumentes sehr weit in die Vergangenheit. Das erste orgelartige Instrument wurde bereits um 246 v. Chr. in Griechenland konstruiert. Die Römer übernahmen die Orgel dann von den Griechen und untermalten damit die Darbietungen in ihren Arenen. "Von den frühen Christen wurde die Orgel jedoch noch nicht verwendet", erklärt Zirener. Erst als die Orgel zu einem wichtigen Instrument für die kaiserlichen Zeremonien wurde, unter anderem spielte sie auch Kaiser Nero, rückte sie in die Nähe der kirchlichen Feiern. Im Laufe des 9. Jahrhunderts begannen dann erste Kirchen sich Orgeln anzuschaffen. Zunächst aber nur als Statussymbol. Erst mit der Gotik entwickelte sie sich dann allmählich zum Hauptinstrument der christlichen Liturgie.

Im Gegensatz zu heute waren die mittelalterlichen Orgeln aber so genannte Blockwerke: Wenn man einen Ton auslöste, erklangen automatisch alle Pfeifen, die diesem Ton zugeordnet waren. "Es gab auch noch keine Tastaturen. Ein Ton wurde ausgelöst, indem man mit der Hand eine Holzlatte herauszog" , berichtet Zirener weiter. Erst das 14. und 15. Jahrhundert brachten dann wichtige Neuerungen: Nun kamen einzeln wählbare Register (also Klangfarben) und Manuale (ähnlich den heutigen Tastaturen) auf. Im 17. und 18. Jahrhundert erreichte dann der Orgelbau in Europa seine größte Blütezeit.

"Die Orgel von St. Ludgerus bringt es auf etwa 2500 bis 3000 Pfeifen", schätzt Zirener, "wobei man Labial- und Lingulpfeifen unterscheidet." Erstere haben eine Art Lippe die schwingt, während bei letzteren eine eingebaute Zunge den Ton (an)gibt. "Meist werden, wie auch in dieser Kirche, beide kombiniert." Durch verschiedene Schaltung der Register bringt man dann mehrere Pfeifen gleichzeitig zum Klingen. So werden ganze Akkorde durch das Spielen einer einzelnen Taste erzeugt. Neben den Klangfarben kann auch die Lautstärke geregelt werden. Gespielt wird die Orgel von Sankt Ludgerus übrigens über zwei Tastaturen und ein Fußmanual.

Bevor die begeisterten Besucher die Kirche wieder verließen, kamen sie dann noch einmal in den Genuß, den Kirchenmusiker auf der Königin der Instrumente hören zu dürfen. Und es schien, als ob man vorher nicht Gehörtes nun, nach einem Blick hinter die Kulissen, plötzlich wahrnehmen konnte.

Von Lars Prinz

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1915214/create

Aktuelle Fotos und Videos
Unternehmen mit Tradition
Bildgalerie
Fotostrecke
Die Frau die singt.
Bildgalerie
Fotostrecke
Sonnige Matinee
Bildgalerie
Matinee
Kinderfest Club
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Kabarett von der Stange
Kultur
Einen Querschnitt durchs Leben machte Kabarettist Stephan Bauer in seinem Programm „Warum heiraten – Leasing tut’s doch auch“. Vom Zusammenleben mit einer jüngeren Frau über Eifersucht bis hin zur Midlife-Crisis, Bauer lässt komödiantisch gesehen zwar kein Fettnäpfchen aus, tritt aber nie wirklich
Blumenbomben für den Nonnenbruch
Guerilla-Gardening
Mit Munition aus Pflanzensamen wollen Bürger den Nonnenbruch erblühen lassen.