Der Quentin Tarantino unter den Klassikern

Hilmi Soezer (re.).
Hilmi Soezer (re.).
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Mit „Schillers gesammelten Werken“ debütiert die Neanderland-Biennale (fast) in Heiligenhaus. Auch im Programm: Kindertheater und Freilicht-Spektakel.

Heiligenhaus / Kreis Mettmann..  „Aufbruch“ heißt der fordernde Slogan der aktuellen Neanderland Biennale – und mit großer Geste springt eine tänzerische Gestalt aus dem digitalen Zeichenkasten auf die sprichwörtlichen Bretter, die die Welt bedeuten. Bereits einen Tag nach dem Auftakt-Tag mit Stadtdinner plus Uraufführung erreicht das internationale Theaterfestival auch schon Heiligenhaus.

Dann nämlich am Samstag, 30. Mai, um 20 Uhr, gastiert im Club das „Kom’ma“-Theater aus dem nahen Duisburg mit nicht weniger als „Schillers sämtlichen Werken“ – und dem nur leicht beruhigenden Zusatz „leicht gekürzt“. Allerdings gab’s ähnlich bühnenwirksame Gewaltritte durch die hehre Dramatik auch schon mit Shakespeares gewaltigem Oeuvre. Dann sollte die „Kom’ma“-Truppe um Hilmi „Hombre“ Sözer auch den deutschesten aller Klassiker im amüsanten Zeitraffer bewältigen können.

Klassik-Galopp plus Bonusmaterial

Braucht der Erfinder des Deutschen Idealismus eine Verjüngungskur? Oder ist er vielleicht auch heute noch radikaler und furchtloser als jeder aktuelle Traumfabrik-Held? Welcher Rebell könnte jünger sein als der damals 18-jährige Friedrich Schiller, als er mit seinen „Räubern“ einen Theaterskandal entfachte. Es gab den wilden Schiller, der in Ermangelung von Kokain faule Äpfel schnupfte. Den geilen Schiller, der zwei Bräute gleichzeitig umschwärmte. Den Kamikaze-Schiller, der desertierte, um ans Theater zu gehen. Für die „Kom’ma“-Akteure ist dieser Schöngeist im Rüschenhemd der Quentin Tarantino unter den Klassikern.

Die Brüder Nils & Till Beckmann, Uwe Frisch-Niewöhner und Hilmi Sözer lassen den ganzen Schiller schillern: Sie geben „Die Räuber“, „Kabale und Liebe“, „Don Karlos“, „Wilhelm Tell“, „Maria Stuart“ und auch die weniger berühmten Dramen sowie umfangreiches Bonusmaterial (entfallene Szenen, Outtakes, Making of) in nur zwei Stunden Klassik-Galopp. Das ideale Programm für alle, die mitreden und dabei noch Zeit und Geld sparen wollen.

Geld sparen können kniepige Menschen auch am Abend zuvor beim abendlichen Stadtdinner auf dem Marktplatz und in der Fußgängerzone von Haan. Denn dann gilt: „Betaal wat de häs“ – was Ihnen der Dreiklang aus Schmaus, Live-Musik und Straßentheater wert war. Aus Krakau kommt an diesem Freitag, 29. Mai, das Theater KTO mit seinen etwas unheimlichen Masken und lässt heimische Amateur-Mimen in seiner Freilicht-Produktion „Peregrinus“ mitwirken.

Auch das Kindertheater dieser Biennale hat verführerische Qualität: So spielt am Sonntag, 31. Mai, um 16 Uhr das Figurentheater Neumond „Wo die wilden Kerle wohnen“ nach dem Bilderbuch-Klassiker von Maurice Sendak in der Erkrather Schulaula, Rankestraße 4-6. Und auf dem Wüfrather Kirchplatz gibt das Hallenser Theater Varomodi am Samstag, 6. Juni, um 16 Uhr den einzigartigen Pinocchio. Dann gilt erneut: „Betaal wat de häs.“

Ein „Aufbruch“-gemäßer Sprung nach vorn zum funkensprühenden Finale am Samstag, 20. Juni: Dann spielt die Artisten-Truppe Les Anthropologues mit Feuerwerk und Bild-Projektionen ihre „Alice in den Straßen“ nach Lewis Carroll – und zwar ab 21 Uhr in den Straßen von Mettmann. „Betaal wat de häs.“