Der Inbegriff von Freiheit

Segelflugtag in Heiligenhaus vl: Robin Schmiereck, Dietmar Klimmek und Linda aus der Wieschen Foto: André Elschenbroich FUNKE Foto Services
Segelflugtag in Heiligenhaus vl: Robin Schmiereck, Dietmar Klimmek und Linda aus der Wieschen Foto: André Elschenbroich FUNKE Foto Services
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Was wir bereits wissen
Fliegen braucht Training. Das bekamen die Schüler des Flugsport Niederberg e.V. am vergangenen Samstag den ganzen längsten Tag lang – über 17 Stunden.

Heiligenhaus..  Von null auf 100 Stundenkilometer in nur drei Sekunden. Wie fühlt sich das an? Am Flugplatz Meiersberg konnte ich es herausfinden: Ein eindrucksvolles Erlebnis, das man nicht jeden Tag hat.

Der 21. Juni ist der längste Tag im Jahr. Die Sonnenscheindauer von meist bis zu 17 Stunden muss man ausnutzen. Als normaler Bürger, aber vor allem als Pilot eines Segelfliegers.

Deswegen ging der Tag für die Mitglieder des Flugsport Niederberg e.V. auf dem Flugplatz Meiersberg schon eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang los. Allerdings wählten sie für das „Longest Day“- Fliegen den Samstag, um auch bis spät abends fliegen zu können. Offiziell dürfen sie das bis eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang.

Am Abend zuvor wurden zwar bereits die Seilwinde am Ende des Flugplatzes auf- und die Positionslampen akkurat hingestellt, aber für Fabian Baader, den Jugendleiter des Clubs, und seine Kollegen und Freunde fing der Tag trotzdem schon sehr früh an, weil noch einige andere Vorbereitungen getroffen werden mussten.

Wer das Tageslicht ausnutzen möchte, der frühstückt erst nach getaner Arbeit. So konnte ein langer, ereignisreicher Tag beginnen. Immerhin wollten sie – wie in den letzten Jahren – bis zu 100 Mal in die Luft gehen.

Wie oft die Segelflieger starten können, ist aber sehr wind- und wetterabhängig. Wenn es zu sehr regnet oder stürmt, darf man nicht aufsteigen. Baader lacht: „Es hätte auch noch schlimmer sein können.“ Am Samstag regnete es nämlich vormittags einmal kurz; fleißig waren alle Anwesenden dennoch.

Obwohl das Segelfliegen nach einer Einzelsportart aussieht, ist es ein Teamsport. Allein passiert nichts. Mindestens fünf Leute braucht es, um das Flugzeug überhaupt auf die richtige Flughöhe zu bekommen, vom Piloten ganz abgesehen. Einer muss den Motor der Seilwinde betätigen, ein anderer muss funken, jemand muss die Flügel festhalten. Die gemeinsame Arbeit macht Spaß.

Nicht-Piloten durften auch einmal in die Höhe. An jedem Wochenende werden Gastflüge veranstaltet für diejenigen, die bei einer Eventagentur wie „Jochen Schweizer“ oder „air4you“ einen Flug gebucht haben. Die Warteliste am Meiersberg ist jedoch lang: Bis Ende 2016 sind die Termine ausgebucht. „Wer viel Zeit hat, kann es einfach so versuchen“, schlug Pilot Burkhard Schöttler vor. Er betreute am Wochenende viele Gastflieger und erklärte alle Funktionen eines Seglers.

Bisher war die Mehrzahl der Gäste nur begeistert; dem einen oder anderen wird schon mal übel. Knut Micke gehörte wohl eher zu den Ersteren. Als er ausstieg, war er rundum fasziniert von seinem ersten Flug: „Es war total schön, der Start war ziemlich heftig, weil er auf den Kreislauf ging. Aber es war ein direktes, unmittelbares Gefühl.“

Psychologische Faktoren spielen mit

Wenn Fabian Baader daran denkt, wie schön es oben in der Luft ist, fehlen ihm die Worte. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit. Man kann in alle Richtungen schauen und fliegen, außerdem ist es einzigartig zu sehen, wie Wetter und Landschaft miteinander interagieren.“

Als Pilot braucht man aber auch ein gutes Urteilsvermögen, man muss Distanzen gut abschätzen und im Notfall unter Stress zügig Entscheidungen fällen können. „Es spielen viele psychologische Faktoren eine Rolle.“

Eine wunderbare Aussicht und – obwohl man in den Sicherheitsgurten fest angeschnallt ist – der Inbegriff von Freiheit.