Der gläserne Patient
10.02.2012 | 17:26 Uhr 2012-02-10T17:26:00+0100
Heiligenhaus. Die elektronische Gesundheitskarte bleibt auch nach ihrer Einführung unter den Ärzten vor Ort umstritten.
„Behalten Sie Ihre alten Krankenkassenkarten“, bittet Kinderärztin Dr. Heidemarie Pankow-Culot. Der Grund ist rein technischer Natur. Zum einen haben nicht alle Praxen neue Kartenlesegeräte und zum anderen funktionieren sie nicht immer. Mit dieser sehr praktischen Bitte entfacht die Ärztin die Diskussion um die eCard am Ort neu und weist auf den eventuell bald freien Blick auf den gläsernen Patienten hin.
Einige Ärzte sträuben sich gegen die neue Karte – lehnen sie ab. „Wir sind nicht gefragt worden“, sagt Dr. Armgard Schaefer-Wildenburg. Die Technik sei zudem noch nicht ausgereift. Gleichzeitig „müssen wir aufrüsten und die Krankenkassen sind noch nicht soweit“, beleuchtet die Ärztin für Naturheilkunde die rein praktische Seite.
Datenschutz
„Das Hauptproblem ist der Datenschutz“, erklärt Martin Sehring. Insbesondere die Online-Bereitstellung findet der Internist gefährlich. Die Heiligenhauser Kinderärztin sieht dieses Problem genauso. Und Dr. Sven Authorsen kündigt an: „Wir werden keine Daten hinterlegen.“ Der örtliche Orthopäde gibt ferner zu bedenken, dass die Versicherung zwar die Karte herausgibt, „wir als Ärzte sollen aber die Daten einpflegen“. Damit meint er keineswegs Diagnosen oder Medikation, sondern die Adress- oder Namensänderung. „Wir können nicht jeden Umzug oder jede Heirat überprüfen.“ Das käme einer Art Bürgerbüro gleich und „überschreitet unsere Kompetenzen“. Die Heiligenhauser Kinderärztin Pankow-Culot sieht es ähnlich: „Es kann nicht sein, dass der Arzt die staatliche Aufgabe der Überprüfung übernimmt.“ Trotzdem gewinnt Authorsen der Karte eine positive Seite ab. „Das Foto macht den Ausweis fälschungssicher“, urteilt der Sportmediziner. Und Internist Martin Sehring fügt hinzu: „Wichtig gerade bei der Behandlung in Kliniken.“
Foto ist nicht Pflicht
Hingegen argumentiert Dr. Pankow-Culot: „Das Foto wird von der Krankenkasse nicht überprüft.“ Sie hat für sich selbst entschieden, ihr Foto nicht auf der eigenen Krankenkassenkarte haben zu wollen. Das geht nämlich. „Das Foto ist keine Pflicht“, erklärt die Kinderärztin, auch wenn die Bilder ab 16 Jahren gewünscht würden. Das Sozialgericht Wuppertal habe das so entschieden. Stattdessen hält die Kinderärztin den USB-Stick für eine praktikable Lösung. „Diese Idee ist getestet und vom Land Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet worden“, erklärt sie. Patienten hätten ihre Daten dabei. Internist Sehring stellt die Frage: „Was ist, wenn der Stick verloren geht?“
Einig sind sich die Ärzte: Die Gesundheitskarte, wie die Krankenkassenkarte mit Chip nun heißen soll, soll nicht ans World Wide Web anschließbar sein. Denn: Der Schritt zum gläsernen Patienten wäre dann nicht mehr weit.
09:32
Das ist schon ein echter Aufreger. vor Jahren als es um die Einführung und die Pilotphase der EGK ging hat die KV-Nordrhein ganz kaut HIER geschrien. Nun will sich keiner mehr erinnern? Nun gut es sind ja die freien Ärzte. Es sind aber auch nur die, die sich gegen etwas wehren wollen was einmal so oder so ähnlich komen wird. Wie damals bei der Einführung der Eisenbahn haben auch alle gewettert, das die Geschwindigkeit von 22 Km/h gefährlich sei. Mal im ernst, Der Rolout der Kartenleser hat vor zwei Jahren begonnen. Bis Ende 2010 mussten alle Praxen einen EGK-Kartenleser haben. Und das der nicht funktionieren soll? In den meisten Fällen sitzt dann das Problem eher vor dem Gerät. Man kann sich auf die Technik auch einstellen. Die Karte enthält zur Zeit nicht mehr Daten als die alte Versichertenkarte. Die Adressdaten und die Gültigkeit wird zur Zeit auch noch nicht überprüft. Dass soll wenn, dann auch nur online geschehen. Sicherlich ist dafür ein Internetzugang zur Praxis notwendig. Aber den kann man auch sicher gestalten. Wer das nicht will sollte schon jetzt alle Stromleitungen aus der Praxis herausreissen und lieber mit Steinplatte und Meißel weiter machen. Sicherlich ist das ein schwieriges Thema mit demComputer, aber dafür gibts Fachleute, die sich mit sowas auskennen und von denen man sich beraten lassen kann. Dem muß man halt mal vertrauen. Ich vertraue ja auch dem Arzt, wenn ich mich behandeln lasse. Im Prinzip ist das nichts anderes.
Ich finde es nur schlimm dass in dieser Aufmachung in der Bevölkerung eine solche Angst geschürt wird. Die Karte wird später in der Endausbauphase auch nur die absoluten Notfalldaten, wie Blutgruppe, Allergien, und anderes wichtiges mehr entahlen. Die elektronische Patientenakte wird nicht auf der Karte, sondern in einer zentralen Datenbank abgelegt sein. Dazu gibts dann nur Zugang, wenn der Arzt seinen Heilberufeausweis und der Patient seine EGK gleichzeitig ins Kartenlesegerät stecken. Desswegen auch die zwei Kartenslots. Dann muss noch durch Tastendruck des Patienten der Zugang erlaubt werden. Sonst gibts gar nichts. Wenn das nicht sicher ist.... Dann liebe Ärzte verzichtet auch lieber aufs Auto, wer weiß wer beim Keyless entry oder beim eingebauten Navi die Finger im Spiel hatte? Und das Handy gleich mit verbrennen, denn die größten Datenkraken sitzen nämlich hier (Standort / Zeitpunkt, Anrufe, wann mit wem wie lange / SMS). Auch der Computer sollte dann sofort in den Schredder, weil der "Patient" im Internet aus freien Stücken schon so viele Daten von sich der Öffentlichkeit preis gibt. Frag mal Herrn Google oder Mr. Facebook. Die wissen mehr über Sie als Ihnen lieb ist, auch wenn Sie noch gar nicht bei Facebook angemeldet sind. Mein Fazit ist: Verweigern Sie sich nicht, sondern Gestaltet aktiv mit. Nur so kann man den Datengau verhindern.