Der ganze Club tanzt nach Duncans Pfeife

Ein martialischer Anblick: Das Sextett Celtica rockte den Club. Im Bild (v. li.): Gitarrist Gajus Stappen und die Piper Duncan Night und Jane Espie.
Ein martialischer Anblick: Das Sextett Celtica rockte den Club. Im Bild (v. li.): Gitarrist Gajus Stappen und die Piper Duncan Night und Jane Espie.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Mit martialischem Nieten-Outfit und dem kriegerischen Klang des Highland-Dudelsacks verführt das Sextett „Celtica“ sein Publikum zum Headbangen.

Heiligenhaus..  Am Eingang des Clubs liegt ein kleiner Korb mit grün-blauen Päckchen bereit. Mit Blick auf das Plakat der „Pipes Rock“-Gruppe Celtica greifen viele Gäste rein prophylaktisch zu. Im Inneren der Päckchen verstecken sich nämlich zwei kleine grüne Ohrstöpsel. Wenn also vor einem Club-Konzert Ohrenschützer verteilt werden, dann bedeutet das für das Trommelfell nichts Gutes. Celtica mischen traditionelle Jigs und Reels mit derben Gitarrenriffs und einem sattem Metal-Sound.

Flaschenweise Bier geht über die Theke, während sich der Club langsam aber sicher füllt. Der Vorhang zum Backstage-Bereich ist noch zugezogen. Doch hören kann das Publikum Celtica trotzdem schon.

Die beiden Dudelsackspieler Duncan Knight und Jane Espie stellen ihr Lungenvolumen vor Beginn der Show auf die Probe. Was durch den Vorhang dringt, klingt unerwartet zahm. Nur wenige Minuten später wird sich das auf der Bühne allerdings ändern. Celtica sind anders, nicht artig.

Duell: Pipes gegen Strom-Gitarre

Donnergrollen wummert durch den Club, eine mystisch klingende Frauenstimme haucht etwas durch die Boxen. Dann setzt plötzlich der einzigartige Sound der schottischen Dudelsäcke ein. Im Stakkato drischt Schlagzeuger Matthias Katzmair auf seine Felle ein. Gitarrist Gajus Stappen lässt die Finger über die Saiten fliegen. Schnell wird klar: Die Musiker lassen es bei ihrem Tourauftakt in Deutschland definitiv nicht ruhig angehen.

Der maritime Shanty-Klassiker „What shall we do with the drunken sailor?“ (eigentlich eine irische Melodie aus dem 16. Jahrhundert) klingt, als hätte jemand am Mischpult den Geschwindigkeitsregler hochgestellt und entführt das Club-Publikum aufs Deck eines Dreimasters. Stille Wasser sind bekanntlich tief. Die explosive Mischung lässt so manch gestandenen Heiligenhauser zum waschechten Headbanger werden.

Das Publikum tanzt nach Duncan Knights Pfeife. Während der Schotte im internationalen Sextett wie ein Kilt tragender Derwisch über die Bühne wirbelt, springen sich die Zuhörer ganz in Metaller-Manier warm.

Die folkverwöhnten Musikliebhaber erleben die Great Highland Bagpipe – dieses Instrument für die Schlachtfelder – an diesem Abend von ihrer wilden Seite. Das schottische Ur-Instrument kann nämlich problemlos einer unter Strom stehenden E-Gitarre Paroli bieten. In einem hitzigen Duell Mann gegen Mann zeigt Duncan Knight, wie facettenreich der Dudelsack sein kann, wenn man nur genügend Puste und flinke Finger hat.

Sympathisch bis in die Stiefelspitzen

Derbe Lederstiefel, knielanger Kilt und ein nietenbesetzter BH: Celtica sind nicht nur optisch ein verrückter Haufen, auch musikalisch reizen die sechs Musiker die Grenzen verschiedener Genres voll aus. Doch sie sind vor allen Dingen eins – enorm sympathisch bis in die gefärbten Haarspitzen.