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"Das war kein Rififi"

20.06.2007 | 08:47 Uhr

Landgericht Wuppertal verurteilte 35-Jährigen zu vier Jahren Haft. Der Angeklagte gestand alle 14 Betrugsfälle. Die dilettantische Vorgehensweise verwunderte den Richter

Wuppertal. Wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 14 Fällen verurteilte das Landgericht Wuppertal am Mittwoch einen 35-jährigen Mann zu vier Jahren Haft. Der Angeklagte hatte die Taten freimütig gestanden. Mit dem erschlichenen Geld - über 40 000 E - habe er "versucht Löcher zu stopfen". Finanzlöcher, die durch einen Hauskauf in Heiligenhaus entstanden seien.

Im Oktober 2005 hatte der Mann bei seiner Bank in Dortmund ungedeckte Schecks eines Wuppertaler Geldinstituts vorgelegt, die er selbst unterschrieben hatte. Im Vertrauen auf deren Einlösung schrieb die Bank dem Konto des Angeklagten 72 522 E gut, der davon 39 550 E abhob. Der Versuch, noch im selben Monat weitere ungedeckte Schecks einzureichen, scheiterte. Acht Monate später versuchte der Mann, auf andere Weise an Geld zu kommen: Bei einem Velberter Händler bestellte er Plasma-Fernseher, Sat-Receiver und DVD-Player. Die Ware wurde geliefert - statt sie zu bezahlen, verkaufte er sie weiter. Auch dieser Betrug flog auf. "Das war kein Rififi - das war schlapp und konnte nicht gut ausgehen", kommentierte der Richter das dilettantische Vorgehen. "Es war schwachsinnig", gab der Angeklagte zu. "Aber wir hatten eine ganze Menge zu bezahlen - und wussten nicht mehr weiter."

Zur Baufinanzierung mit einer monatlichen Belastung von 1560 E für das Haus kamen Raten fürs Auto (429 E) und für diverse Versandhauskäufe (760 E). Die Ehefrau, seit 25 Jahren beim Finanzamt angestellt, verdiente 2105 E, er selbst kam auf rund 1100 E Einkommen. Als sein Versuch, sich als Gebrauchtwagenhändler selbstständig zu machen, scheiterte, stieg der finanzielle Druck weiter. "Auf Biegen und Brechen" habe er jedoch das Haus halten wollen - für sich, seine Frau und deren beiden Töchter (10/12).

Die Geschichte vom gescheiterten Häuslebauer, der aus purer Verzweiflung zum Betrüger wurde, nahm man dem 35-Jährigen spätetstens in dem Moment nicht mehr ab, als der Richter das Vorstrafenregister verlas: Seit seinem 13. Lebensjahr war der gebürtige Hammer immer wieder auffällig und später auch straffällig geworden - durch Diebstahl, Sachbeschädigung, Betrügereien und versuchte Erpressung. Insgesamt verbrachte er schon elf Jahre hinter Gittern, ist noch auf Bewährung.

Seine Frau hatte er über die Frau eines Mithäftlings kennen gelernt und 2002 geheiratet. Die Finanzamtsangestellte soll von den aktuellen Betrügereien nichts gewusst haben. Das Haus in Heiligenhaus habe man im April 2007 mit hohem Verlust verkauft. "Meine Frau hat Antrag auf Privatinsolvenz gestellt." Aber sie stehe zu ihm, versicherte der Angeklagte. Zum Prozess war die Velberterin nicht erschienen.

Von Sabine Kreimeier

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