Das aktuelle Wetter Heiligenhaus 13°C
Friedhof

Das stille Urnenfeld

19.02.2010 | 11:11 Uhr
Das stille Urnenfeld

Ruhestätten im Wandel: Auf den örtlichen Friedhöfen wird sich in Zukunft einiges verändern. Auf Grund gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungen sollen neue Grabarten geschaffen werden, um der heutigen Bestattungskultur gerecht zu werden.

„Das Angebot muss erweitert werden“, ist sich Friedhofsgärtner Hans Fernau sicher, der den evangelischen Friedhof pflegt. Denn die Zeiten haben sich geändert, ein Friedhof hat nicht mehr dieselbe Bedeutung wie früher, so scheint es: „Die Leute verlangen zunehmend nach Urnengräbern, wollen sogar anonym bestattet werden“, bestätigt Fernau. Das hat zum einen finanzielle Gründe: Nach dem Wegfall des Sterbegeldes müssen Angehörige alle Beerdigungskosten selbst tragen. Und Feuerbestattungen sind deutlich günstiger als Sargbeisetzungen. Dazu kommt, dass „viele ihren Angehörigen die Grabpflege nicht zumuten wollen oder aber auch niemanden haben“, meint Hans Fernau.

„Das Grab also solches ist einfach nicht mehr so wichtig“, hat auch Bürgermeister Dr. Jan Heinisch festgestellt. Der Trauerkult habe sich verändert: „Man geht nicht mehr jeden Sonntag auf den Friedhof. Das Grab gilt nicht mehr unbedingt als Ort des Gedenkens. Zumal heute Familien oft weit auseinander leben, sie können sich nicht um die Grabpflege kümmern.“

Eine günstige Alternative sind Urnengräber, die wie Sarggräber gehalten werden können, also eigenverantwortliche Bepflanzung und Grabstein erfordern. Wesentlich pflegeleichter ist das „stille Urnenfeld“, das mit relativ einfach gehaltener Grünfläche und zentralem Gedenkstein die Angehörigen von der Pflegeverpflichtung befreit. Und dieses Angebot wird auf dem evangelischen Friedhof nun durch ein Urnengemeinschafts- sowie Partnerschaftsgräber erweitert. Das Gemeinschaftsgrab gleicht dem stillen Urnenfeld: 18 Urnen werden auf einer Rasenfläche gekennzeichnet bestattet, die Namen der Verstorbenen auf einer zentralen Stele eingeschlagen. Die Pflege der Fläche wird dabei bereits im Voraus geregelt. Ebenso wie beim Partnerschaftsgrab, in dem jeweils bis zu zwei Urnen bestattet werden. Mit Blumenbepflanzung und Grabstein ist diese Bestattungsform allerdings aufwändiger, ein Dauerpflegevertrag Vorraussetzung. Eine günstige und pflegeleichte Variante des Sarggrabes sind Rasengräber, die vom Gärtnereibetrieb gepflegt werden.

Ähnliche Veränderungen plant man auch auf dem städtischen Friedhof: So sind ein Kolumbarium und neuartige Grabarten von der Verwaltung angedacht. Da im Gegensatz zum Grab die Trauerhalle als Ort des Abschieds immer mehr an Bedeutung gewinnt, wird an der Friedhofsallee außerdem über einen energetischen Neubau diskutiert.

Jennifer Sauer

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/3422091/create

Aktuelle Fotos und Videos
Unternehmen mit Tradition
Bildgalerie
Fotostrecke
Die Frau die singt.
Bildgalerie
Fotostrecke
Sonnige Matinee
Bildgalerie
Matinee
Kinderfest Club
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Kabarett von der Stange
Kultur
Einen Querschnitt durchs Leben machte Kabarettist Stephan Bauer in seinem Programm „Warum heiraten – Leasing tut’s doch auch“. Vom Zusammenleben mit einer jüngeren Frau über Eifersucht bis hin zur Midlife-Crisis, Bauer lässt komödiantisch gesehen zwar kein Fettnäpfchen aus, tritt aber nie wirklich
Blumenbomben für den Nonnenbruch
Guerilla-Gardening
Mit Munition aus Pflanzensamen wollen Bürger den Nonnenbruch erblühen lassen.