Das etwas andere Café
29.09.2009 | 19:13 Uhr 2009-09-29T19:13:00+0200Heiligenhaus. Die „Schwatzkiste” bei der VHS ist ein offener Treff für Menschen mit und ohne Handicap.
„Ich bin gerne unter Leuten”, sagt Bob Kruse. „Doch für Menschen mit Behinderungen ist es nicht so einfach, mal eben in ein Café zu gehen. Barrierefrei sind die wenigsten Lokale”, weiß der 39-Jährige aus eigener Erfahrung. Auf die „Schwatzkiste” freut er sich daher besonders: Jeden ersten und dritten Freitag im Monat – erstmals am 2. Oktober – findet sie im VHS-Café „Verweile doch” statt. Denn das Café gehört zu den lobenswerten Ausnahmen in Sachen Behindertentauglichkeit. „Selbst in Velbert haben wir keinen Raum dieser Art mit dazugehöriger Sanitärgelegenheit”, muss VHS-Leiter Hermann Flaßpöhler eingestehen.
Gisela Theuergarten, durch eine Sehbehinderung gehandicapt, will am Freitag ebenfalls die „Schwatzkiste” besuchen. „Im Freundeskreis für Körperbehinderte werde ich schon mal die Werbetrommel rühren, damit der Laden hier voll wird”, lacht sie. Genauso wie Bob Kruse hat die 68-Jährige einen offenen Treffpunkt für geistig und körperlich behinderte Menschen – unabhängig von Vereinszugehörigekeit – vermisst. „Man kapselt sich automatisch ab, bleibt lieber zuhause, wo man sich auskennt”, beschreibt sie die unerfreuliche Isolation.
„Gerade da kommen wir ins Spiel”, erläutert Vera Frühauf. Die Diplom-Sozialpädagogin ist beim Verein ProMobil in Velbert angestellt und arbeitet für KoKoBe, die Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle für Behinderte, die vom Landschaftsverband Rheinland getragen wird. Lebens- und Alltagsberatung gehört zu ihrem Aufgabengebiet, aber auch Anregungen zur Freizeitgestaltung gibt Frühauf ihren Klienten. In Anlehung an die „Schatzkiste” – eine Partnervermittlung für behinderte Menschen – entstand vor einiger Zeit die Idee zur „Schwatzkiste”.
Das VHS-Café,
Südring 159, wird an jedem ersten und dritten Freitag im Monat zur „Schwatzkiste”. Behinderte und nichtbehinderte Menschen treffen sich dort jeweils von 16 bis 19 Uhr. Das erste Mal findet dieses offene Angebot am 2. Oktober statt.
Hermann Flaßpöhler von der VHS und Tamara Ströter vom Blinden- und Sehbehindertenverein Kreis Mettmann zeigten sich begeistert – und so nahm das Projekt konkrete Formen an. „Das VHS-Café ist ideal”, findet Ströter, die jeden Tag die stufige Stadt mit ihrem Blindenhund neu erkundet. „Ein Verteter des Blindenvereins wird zu den Öffnungszeiten als Ansprechpartner zur Verfügung stehen”, kündigt sie an. Vera Frühauf und ihre KoKoBe-Kollegen stehen Besuchern ebenfalls zur Verfügung.
Im Mittelpunkt des offenen Angebots soll jedoch die Geselligkeit stehen. Worauf sich die Besucher freuen können, verrät Bob Kruse. So erzählt er stolz von Gesellschaftsspielen und vom Musikhören. „Vielleicht können wir uns mal einen Film anschauen oder es finden sich Leute zusammen, die einen Ausflug planen”, wünscht sich der gebürtige Magdeburger, der seit zweieinhalb Jahren in Heiligenhaus lebt. Die „Schwatzkiste” wird er als ehrenamtliche Kraft begleiten – und hofft, dass andere Behinderte seinem Beispiel folgen. Die Organsatoren möchten Menschen ohne Behinderung im Übrigen nicht ausklammern. Vera Frühauf: „Wir sind offen für alle.”
Ein selbstbestimmtes Leben führen
KoKoBe, das ist die Abkürzung für Koordinierungs-, Kontakt- und Beratungsstelle. Sie bietet einen kostenlosen und unabhängiger Service für Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen, für deren Angehörige sowie Bezugspersonen von Menschen mit geistigen Behinderungen. Gesetzliche Betreuer und Fachkräfte aus Diensten und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung bekommen hier Hilfestellung. Ziel der KoKoBe ist es, Menschen mit Behinderungen dabei zu unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Dies funktioniert über die Vernetzung und Weiterentwicklung der bestehenden Angebote, die Unterstützung von Angehörigen -und Selbsthilfegruppen. Die KokoBe-Mitarbeiter informieren über Kultur-, Freizeit- und Sportangebote in der Region, Veranstaltungen und Treffs. Darüber hinaus erfolgt eine individuelle Hilfeplanung, in der u.a. Fragen rund ums Wohnen und andere Probleme im Alltag sowie Behördengänge und Arbeitsmöglichkeiten thematisiert werden.
Zuständig für die Heiligenhauser Bürger ist die KoKoBe „Nord”, Günther-Weisenborn-Straße 3, 42549 Velbert. Ansprechpartner sind Achim Büquet, Telefon 02051/60 75-26, a.bueque@kokobe-mettmann.de und Vera Frühauf, Telefon 02051/60 75-27, v.fruehauf@kokobe-mettmann.de. Verbände und Vereine, in diesem Fall Pro Mobil und Graf-Recke-Stiftung, übernehmen die Beratungstätigkeit. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) gibt das Geld. Eingebettet ist die KoKoBe Mettmann damit in ein rheinlandweites Beratungsnetz.
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