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Serie: Mein Revier

Das „Dorf“ ist eher ein ruhiges Pflaster

30.07.2012 | 20:00 Uhr
Das „Dorf“ ist eher ein ruhiges Pflaster
In seinem Bezirk ist Andreas Piorek bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. Foto: Heinz-Werner Rieck

Heiligenhaus.   Unterwegs mit dem Bezirksbeamten Andreas Piorek: Die Innenstadt und alles, was nördlicher liegt als der Südring gehört zu seinem Revier.

In seinem Bezirk ist Andreas Piorek (52) bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund. „Hallo“ oder „Guten Tag“ schallt es dem Polizisten entgegen, wenn er seinen Gang über die Hauptstraße macht. Kein Wunder: Andreas Piorek ist Bezirksbeamter, und die Innenstadt gehört schon im zwölften Jahr zu seinem Revier. „Und vorher war ich hier im Dorf 22 Jahre im Wach- und Wechseldienst.“

Neben der City gehört „alles, was nördlicher liegt als der Südring“ zum Bezirk von Andreas Piorek. „Die Grenze ist der Höseler Platz.“ Mit dabei: die Wohngebiete Wassermangel und Vogelsang. Unterwegs ist der Bezirksbeamte aber auch täglich auf dem Panoramaradweg. „Zu Fuß oder mit dem Fahrrad.“ Seine Aufgabe: In seinem Bezirk präsent sein, Kontakt zu den Bürgern herstellen, Ansprechpartner und Anlaufstelle für sie sein. „Sinn und Ziel ist es, dass ein Bezirksbeamter in der Bürgerschaft bekannt ist – denn der Bürger traut sich normalerweise nicht immer, sich bei Problemen an die Polizei zu wenden.“ Soll er aber – und deshalb geht Andreas Piorek täglich in seinem Bezirk auf Streife. „Wenn wir draußen sind, nutzen die Bürger die Gelegenheit, uns anzusprechen.“

Hat er Frühdienst, ist das Umfeld der Grundschulen Schulstraße und Suitbertus-Schule sein erstes Ziel. Dort muss Andreas Piorek häufig Eltern ermahnen, die ihre Kinder im Auto nicht vorschriftsmäßig gesichert haben. „Aber jetzt sind ja Ferien.“ Zu den Grundschulen und auch zu den Kindergärten in seinem Bezirk hält der Beamte ohnehin regelmäßigen Kontakt. „Ich unterstütze dort die Tätigkeiten im Bereich der Verkehrserziehung.“ Vormittags sieht man Andreas Piorek meist in der Innenstadt. „Hier gehe ich auch durch die Supermärkte.“ Dort achtet der Beamte weniger auf potenzielle Täter als auf Opfer. Wie zum Beispiel die Frau, die ihre Tasche offen hinter sich im Einkaufswagen stehen hat, während sie an der Fleischtheke wartet – und es nicht einmal merkt, dass Andreas Piorek die Tasche aus dem Wagen nimmt. Natürlich nur, um zu demonstrieren, wie leicht mancher es potenziellen Dieben macht.

Typische Situationen

Auch die Kundin an der Käsetheke merkt erst spät, dass ihre Handtasche nicht mehr im Einkaufswagen liegt. „Ich hab’ ja meinen Mann dabei, der passt normalerweise auf“, entschuldigt sie ihren Leichtsinn, als Andreas Piorek sie darauf anspricht. Der schüttelt den Kopf: „Das sind typische Situationen, die habe ich jeden Tag.“ Die Opfer seien meist ältere Frauen, die alleine einkaufen gehen. „Es ist immer dasselbe Täter-Opfer-Schema – und dann stehen die Opfer an der Kasse und stellen fest, dass sie nicht bezahlen können.“

Auf dem Rathausplatz ist es ruhig für die Mittagszeit. „Wenn Schule ist, sieht es hier ganz anders aus“, sagt Piorek. Alles in allem gebe es rund um das Rathaus aber keine Probleme. „Früher hatten wir hier eine kleine aber übersichtliche Drogenszene.“ Die habe sich aber mittlerweile verlagert. „Pio, haste mal nen Moment Zeit“, ruft eine Frau vom Rathaus her. „Eine Sozialarbeiterin“, sagt Piorek – und verschwindet erst einmal im Amtsgebäude. „Wir haben hier einen kurzen Draht zu den Behörden“, erklärt er später. „Hier ging es um einen Fall, der eventuell polizeilichen Belang haben könnte.“

Die „verkehrsneuralgischen Punkte“ stehen nachmittags auf dem Programm von Andreas Piorek. „An der Hauptstraße haben sich die Probleme auffällig reduziert“, sagt er, „und die Westfalenstraße ist auch relativ unauffällig.“ Anders am Abtskücher Stauteich: Dort muss Andreas Piorek immer wieder Falschparker ermahnen. „Der Freizeitparkplatz wird ja leider sehr übersichtlich genutzt.“ Und auf dem Panoramaradweg muss er häufig Konflikte zwischen Radfahrern und Fußgängern schlichten.

Abends sind sowohl Wohngebiete als auch die Innenstadt dran. Dann steuert der Polizeibeamte auch mal gezielt so genannte Angsträume an, „wo den Bürgern der Aufenthalt unangenehm ist, zum Beispiel wegen Kleinkriminalität“. Das seien beispielsweise Rathausplatz, John-Steinbeck-Park oder der Parkplatz Nonnenbruch. „Deshalb sind das Örtlichkeiten, wo wir uns gezielt aufhalten.“

Stets mit kugelsicherer Weste

Trotz vorhandener Brennpunkte passiere „im Dorf“ aber relativ wenig. „Es sind überwiegend Verkehrsdelikte, Diebstahl, Betrug, aber auch Körperverletzung. Aus polizeilicher Sicht ist Heiligenhaus ein ganz ruhiges Pflaster“, sagt Piorek. Obwohl: „Alles,was es in den Bereichen des menschlichen Elends gibt, gibt es hier natürlich auch.“ Aber eben in abgeschwächter Form. „Die großen Städte ringsherum ziehen viel an sich.“ Und trotzdem: Seine kugelsichere Weste trägt Andreas Piorek im Dienst konsequent. „Welchen Bekloppten man gegenübersteht, weiß man ja vorher nicht.“

awenzig



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