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Dank Theater zum Traumjob

28.08.2012 | 20:00 Uhr
Dank Theater zum Traumjob
Carsten Piorek hat durch das Spiel auf der Bühne gelernt offen auf Menschen zu zugehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.Foto: Heinz-Werner Rieck / WAZ FotoPool

Heiligenhaus.   Carsten Piorek schrieb rund 1300 Bewerbungen – ohne Erfolg. Auf der Bühne kam das Selbstvertrauen und die Erkenntnis.

Elf Monate lang begab sich Carsten Piorek auf eine Reise uns Ungewisse. „Ich bin hier völlig ohne Erwartungen hingegangen und habe mich einfach mal überraschen lassen“, sagt der Heiligenhauser. Die Überraschung war am Ende groß, als Piorek seinen Traumberuf in einem Bereich fand, dem ihm vorher niemand zugetraut hätte. Das Projekt „JobAct to Connect“ der Wittener Projektfabrik half in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Mettmann dem Heiligenhauser, mit Tricks aus der Theaterpädagogik seine Stärken zu erkennen und für sich zu nutzen.

Carsten Piorek steht auf der Bühne und trägt eine blaue Seemannsmütze, ein ebenso blaues Tuch hängt um seinen Hals. Was nach Schauspielunterricht aussieht, ist in Wirklichkeit eine Vorbereitung auf die Arbeitswelt. „Das Projekt dauert insgesamt elf Monate. In den ersten sechs Monaten erarbeiten die Teilnehmer gemeinsam ein Theaterstück“, erklärt Marion Taha vom Jobcenter Mettmann. Vom Bühnenbild bis zum Text – die 15 Teilnehmer durften ihrer Kreativität freien Lauf lassen.

Präsenz zeigen

Doch warum soll ausgerechnet Theaterpädagogik bei der Jobsuche helfen? „Auf der Bühne muss man kreativ sein und Charaktere darstellen, man darf sich nicht mit gesenktem Kopf in der Ecke verkriechen. Präsenz zeigen ist sehr wichtig, genau wie bei einem Vorstellungsgespräch“, sagt Dorit Knoch von der Projektfabrik. Dazu kommt noch, dass das Stück „Sonderurlaub – Wir sind dann mal weg“ ein wahres Aufputschmittel für das Selbstbewusstsein sei. „Ich habe mich selbst besser kennengelernt, bin dadurch auch viel offener geworden und sogar über mich hinaus gewachsen“, findet Carsten Piorek. Der sonst eher schüchterne Heiligenhauser hat zum Beispiel gelernt, vor einer großen Gruppe zu sprechen, ohne sich zu verhaspeln.

Neben der Erarbeitung des Stücks feilen die Teilnehmer zusammen mit Fachpersonal noch an ihrer Bewerbungskompetenz, schreiben Lebensläufe und lernen, richtige Bewerbungen zu formulieren. 1300 dieser Schreiben hat Carsten Piorek weggeschickt. Leider nur in die falsche Branche, wie sich später herausstellte.

Die Erkenntnis dauerte

Früher saß Carsten Piorek in seinem Beruf als Bürokaufmann oft allein vor dem Telefon oder Computer und konnte nicht so recht Fuß in der Branche fassen. Nach elf Monaten und etlichen Praktika erkannte der 29-Jährige, dass er in diesem Bereich auf Dauer nicht glücklich werden würde. Eine Station auf diesem Erkenntnisweg war das Caritas Seniorenzentrum in Heiligenhaus.

Zuerst probierte der junge Mann den Beruf des Altenpflegers aus – doch das war nicht das Richtige. In der Alltagspflege wurde er schließlich fündig. „Ich brauche einfach einen Beruf, in dem ich etwas mit Menschen machen kann. Und als Alltagspfleger betreut man ältere Leute in ihrem Alltag“, so Piorek. Während des Praktikums begleitete er die Bewohner zum Arzt, musizierte mit ihnen und spielte auch die ein oder andere Runde „Mensch ärgere dich nicht“. Seine kreative Ader kann der Heiligenhauser hier ausleben. Es macht ihm einfach Spaß zu sehen, wie sich die Menschen über die Abwechslung freuen.

Zwar hat Carsten Piorek durch das Projekt „JobAct to Connect“ keine feste Anstellung bekommen. Seinen Traumberuf zu finden, ist aber auch schon eine Menge wert. In den nächsten Monaten nimmt er an einer Fortbildung in Essen teil und lernt die wichtigsten Grundkenntnisse im Bereich der Alltagspflege. Und danach? „Es gibt so viele Seniorenzentren in Heiligenhaus, vielleicht habe ich Glück und werde an einem genommen“, so Piorek.

Kirsten Gnoth



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