Brother Dege fasziniert in Heiligenhaus

Brother Dege Legg, die US-amerikanische Bluesgröße aus Louisiana mit seinem virtuosen Spiel auf der" Dobro". Diese Gitarre mit dem eingesetzten, kreisrunden Resonanzkörper aus Blech sorgt für den unvergleichlichen Sound der Südstaaten.
Brother Dege Legg, die US-amerikanische Bluesgröße aus Louisiana mit seinem virtuosen Spiel auf der" Dobro". Diese Gitarre mit dem eingesetzten, kreisrunden Resonanzkörper aus Blech sorgt für den unvergleichlichen Sound der Südstaaten.
Foto: FUNKE Foto Services
Mit der Band Brotherhood of Blues gastierte der Südstaatler im Club. Und zeigte eine ganz eigene Bluesinterpretation.

Heiligenhaus..  Das schwere Rumpeln von eisernen Zugrädern wummert durch die Lautsprecher des Clubs. Während sich die Dampflok schnaufend Kilometer für Kilometer durch endlose Weiten zu kämpfen scheint, nimmt Brother Dege den letzten Feinschliff an seinem Fender vor. Die schulterlangen Locken zum Zopf zusammengebunden, der Kopf gesenkt und die Augen geschlossen. Er muss sich langsam zum richtigen Klang vortasten. Doch das Warten lohnt sich, allein das Vorspiel macht neugierig auf sein Verständnis vom satten Südstaaten-Blues.

Die Stimme von Dege Legg hat schon viele Strophen in ihrem Leben gesungen. Sie ist rau, geprägt von seiner Kindheit im Süden der USA und ungeahnt kantig. Doch sie passt perfekt zu seinen musikalischen Wurzeln – dem „psyouthern“ Blues. Einer Mischung aus traditionellem Blues, Punk, Rock, Metal und etwas, das in völlig anderen Sphären zu schweben scheint.

In der ersten Hälfte des Konzerts ist Brother Dege seine eigene kleine Band. Den rassigen Klang des Fenders schaltet er mit einem kurzen Fußdruck in eine Endlosschleife und kann sich dann getrost weiter auf den Saiten austoben. Der Südstaaten-Musiker hat keine Lust auf das Standardgezupfe, er möchte auch während des kleinen Clubkonzertes die Musik weiterentwickeln. Immer wieder sprengt er die Fesseln des Blues und erfindet sie neu. Schnell wird das Publikum hellhörig und neugierig auf das, was da noch kommen mag.

Erstklassige Unterstützung

Lange bleibt der einstige Taxifahrer, Tellerwäscher und Rodeo-Clown nicht allein auf der Bühne. Mit der „Brotherhood of Blues“ holt er sich erstklassige Unterstützung mit ins Boot. Die vier Jungs ticken im selben Takt. Während andere Musiker stur und vor allen Dingen stumm ihr Programm runter spielen, steht die Band in ständigem Kontakt. Es braucht nur einen kurzen Blick, ein schnelles Nicken, ein leises Tuscheln und dann ist alles klar – sie haben Spaß an der Musik und am gemeinsamen Spiel.

Soundtrack von Tarantino

Ein besonderes musikalisches Highlight umspielt Brother Dege gekonnt bis zum Schluss. Auf „Too Old To Die Young“ dürfte der ein oder andere Zuhörer sehnsüchtig gewartet zu haben. Zu diesem Song mischten Jamie Foxx und Christoph Walz in Quentin Tarantinos abgedrehten Western „Django Unchained“ rassistische Farmer auf.

Die hitzige Stimmung steckt an. Während sich der Bassist so sehr nach hinten verbiegt, dass man auf seinem Instrument glatt ein Bierglas abstellen könnte, macht Dege einen Abstecher ins Publikum. Er nimmt wie selbstverständlich auf dem Schoß einer Zuhörerin Platz und rutscht langsam aber sicher auf ihren Knien immer weiter hinunter, bis er schließlich vom Fußboden aus weiterspielt.

Brother Dege and The Brotherhood of Blues muss man mit eigenen Ohren erlebt haben. All diejenigen, die sich auf den verrückten Trip durchs Blues Delta einließen, wurden mit etwas belohnt das seines gleichen sucht. Die vier Musiker sind ein gewagter Ausreißer im Kulturprogramm. Doch manchmal braucht es genau das, um einen Abend unvergesslich zu machen.