Beschämend

Gibt es eigentlich einen Begriff, der das Gegenteil von „Sternstunden“ bezeichnet – wie den raren „Sternstunden des Parlamentarismus“? Schwarzes Loch vielleicht? Abgründig genug war jedenfalls diese überwiegend in unsäglichem Brüll-Ton geführte Debatte um ein Thema, bei dem sich jeder Kommunalpolitiker um Sachlichkeit bemühen sollte.


Ulf Kruse agierte da auch nicht gerade glücklich mit seinem Wortbeitrag, der mal eben aus lockerer Hand die Kosten pro Asylbewerber kalkulierte – und dann auch noch auf die Krankenhauskosten für traumatisierte Menschen abhob. Aber der Christdemokrat kritisierte immerhin auch die „Bitte nicht vor meiner Haustür“-Haltung, mit der Flüchtlinge hier begrüßt werden und sagte: „Mich beschämt manches, was hier passiert!“ Dem muss man leider zustimmen.


Beschämend waren auch die Worte, mit denen Lothar Nuthmann leger um sich schmiss. „Durchgangslager“ ist ein Nazi-Begriff für Orte wie die heutige Gedenkstätte Westerbork in Holland: Von dort wurden Menschen in die Vernichtung transportiert. Westerbork ist schnell erreicht, ein Besuch sehr zu empfehlen.


Für ein Ratsmitglied, das Sachverstand durch Vehemenz und Lautstärke ersetzt, gelten die alten Zeilen von Konstantin Wecker: „Es sind nicht nur die Lauten stark.“ Vielleicht überlegen die hiesigen Grünen mal, was sie ihrer rot-grünen Landesregierung unterstellen.