Beschäftigung als Ausgleich

Redaktionshund Ben ist nach der Gassirunde platt - aber auch nur, weil er vorher Kopfarbeit beim Futterbeuteltraining leisten musste. Er wird nicht nur geworfen und geholt, sondern auch versteckt und gesucht.
Redaktionshund Ben ist nach der Gassirunde platt - aber auch nur, weil er vorher Kopfarbeit beim Futterbeuteltraining leisten musste. Er wird nicht nur geworfen und geholt, sondern auch versteckt und gesucht.
Foto: KS
Was wir bereits wissen
Apportieren und Fährtenarbeit - Futterbeuteltrainig, das Redaktionshund Ben auslastet. Als Retriever arbeitet er aus Spaß und wäre sonst unruhig.

Heiligenhaus..  Langeweile ist tödlich. Das gilt nicht nur für uns Menschen, sondern auch für unsere Vierbeiner. Denn nur Rumsitzen und Nichtstun, dass ist nichts für Hunde und nicht in ihrem Naturell. Wie ich meinen Hund ausreichend beschäftige, erklärt unser Redaktionshund Ben in seiner Serie des Reporters mit der kalten Schnauze.

Mein Futterbeutel. Mein ein und alles. Als Labrador Retriever steckt mir das Apportieren, also das Zurückbringen, in den Genen. Seitdem ich denken kann, apportiere ich. Bälle, Quietschetiere oder Plastikflaschen. In der Junghundgruppe fing dann mit 12 Wochen das Apportieren mit dem Futterbeutel an. Während andere auch Dummys toll finden, ist und bleibt mein Futterbeutel mein ein und alles. Frauchen wirft oder versteckt, ich suche und bringe zurück. Und dafür gibt es eine leckere Belohnung. „Der Spaziergang ist für den Hund eine kommunikative Angelegenheit. Der Hund erwartet, dass sein Frauchen oder Herrchen etwas mit ihm macht, sich spannend macht, ihn beschäftigt“, erklärt meine Hundetrainerin Nicole Freitag von Rütters DOGS in Düsseldorf.

Bleibst du als Herrchen unspannend und kümmerst dich nicht um uns, bist du für uns nicht sozial, also suchen wir uns selber eine Beschäftigung. Jagen, mit anderen Hunden toben oder sonst was. „Als Herrchen muss ich immer spannend bleiben. Viele wollen beim Gassi einfach nur vom Tag abschalten, dabei wäre es so wichtig, diese Zeit draußen mit dem Hund aktiv zu gestalten, denn er soll draußen beschäftigt werden und zuhause eigentlich entspannen“, fordert Nicole Freitag auf. „Und wenn man das trainiert hat, dann wird man feststellen, dass man durch einen aktiven Spaziergang noch besser abschalten kann.“

Zuhause wird entspannt

Ein Spaziergang, so ermuntert Freitag, müsse qualitativ gut und nicht quantitativ lange sein: „Wenn der Hund draußen ist, will er einfach was erleben. Er will beschäftigt werden. Dann wird er zuhause auch ganz entspannt sein.“ Soviele Möglichkeiten der Beschäftigung gebe es dabei: „Der eine Hund findet Bälle spannend, der Andere, wie Ben, apportiert leidenschaftlich seinen Futterbeutel. Man kann um die Bäume herum führen, den Hund auf Baumstämme springen lassen, Kommandos üben, Leckerchen verstecken. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.“

Viele meiner Kollegen sind leider einfach unterbeschäftigt. „Das kann viele Probleme meines Hundes erklären, er kann aggressiv sein, unausgeglichen, unruhig. Die Unterbeschäftigung ist einer der drei häufigsten Fehler bei der Hundeerziehung“, erklärt Nicole Freitag. „Durch Unterbeschäftigung kann ein Hund tatsächlich verdummen und auffällig in seinen Verhaltensweisen werden.“ Deswegen sei es wichtig, ein tägliches ausgeglichenes Programm seinem Hund zu bieten, um den Hund zu fordern und zu fördern. „Kleine Geschicklichkeitsspiele für zuhause sind auch okay, aber zuhause brauchen sie eigentlich keine große Beschäftigung, wenn sie draußen ihr Programm hatten“, sagt Freitag. Ein Hund schlafe auch den größten Teil des Tages und brauche dies auch.

Man kann aber auch genau das Gegenteil erreichen: „Überbeschäftigung ist genauso verkehrt. Manche machen dann auch zuviel und meinen es zu gut. Heute Agility, morgen Spaßgruppe, übermorgen Fährtensuche. Das muss auch nicht, eine Pause darf der Hund gerne haben“, erklärt Freitag. Der Mix macht es also. Arbeiten wir motiviert mit, ist alles gut, dann haben wir Spaß. Aber irgendwann ist halt auch mal genug, dann genügt uns auch eine Portion Kuscheleinheit.