Auslaufmodell „Sesam“ in Heiligenhaus?

Zum 20-jährigen Bestehen von „Sesam“ im Jahr 2012 gab es eine Schüleraufführung, in der die Mädchen und Jungen als Clowns mitwirkten.
Zum 20-jährigen Bestehen von „Sesam“ im Jahr 2012 gab es eine Schüleraufführung, in der die Mädchen und Jungen als Clowns mitwirkten.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Im Jugendhilfeausschuss wird die Verwaltung den Kommunalpolitikern vorschlagen, den Vertrag mit der Bergischen Diakonie zu kündigen.

Heiligenhaus..  2012 wurde der 20. Geburtstag von „Sesam“ gebührend gefeiert. Das silberne Jubiläum im Jahr 2017 könnte nun allerdings das letzte sein – denn das kooperative Förderangebot an den Heiligenhauser Grundschulen Schulstraße und Regenbogenschule steht zur Disposition. Im heute stattfindenden Jugendhilfeausschuss wird die Verwaltung den Kommunalpolitikern vorschlagen, eine fristwahrende Kündigung des bestehenden Vertrages mit der Bergischen Diakonie Betriebsgesellschaft zum 31. Juli 2017 zu befürworten.

Was Sesam bislang an sonderpädagogischer Förderung geleistet habe, sei sicherlich sehr wichtig, erklärt Jugendamtsleiter Thomas Langmesser auf Nachfrage der WAZ. „Früher wurden die Kinder einfach in Sonderschulen geschickt“, eine Rückkehr an die Regelschule sei kaum möglich gewesen. „Durch Sesam können Kinder mit sonderpädagogischer Förderung am gewohnten Grundschulstandort bleiben.“ Doch mittlerweile gehöre dieses Konzept durch die Umsetzung der Inklusion zum normalen Angebot des Schulsystems. „Sesam ist nicht überflüssig geworden. Man kann immer mehr machen. Aber es ist jetzt eben on the top. Und das ist angesichts der Haushaltssituation nicht mehr darstellbar“, sagt Langmesser.

Der Haupt- und Finanzausschuss hatte im Nachtragshaushalt bereits die Empfehlung an den Rat gegeben, den Vertrag mit der Bergischen Diakonie zu kündigen. Dieser hat das sensible Thema zurück an den Fachausschuss gegeben. Denn an den betroffenen Schulen sieht man das etwas anders. Der Ansatz von „Sesam“, den Förderort allgemeine Schule für Kinder mit extremen sozialen und emotionalen Auffälligkeiten durch eine intensive, strukturell auf allen Ebenen genau festgelegte Zusammenarbeit zwischen Regelschule, Jugendhilfe und Förderschule zu erhalten, sei durchgängig gelungen, schreibt Christina Hartmann, Leiterin der Grundschule Schulstraße, an die Verwaltung.

Die „Schul-Erziehungshilfe Aprather Modell (Sesam)“ helfe Kindern mit Defiziten bei der Förderung ihrer Stärken. „Ohne diese Unterstützung sind diese Kinder im Regelschulsystem nicht zu halten“, sagt Christina Hartmann, die über die Pläne der Verwaltung entsetzt ist. Zusätzliche Jugendhilfemaßnahmen seien für solche dann in Förderschulen untergebrachte Kinder einzuplanen. Eine Diskussion über die finanzielle Seite versteht die Schulleiterin nicht, denn neben der inhaltlichen Arbeit sei der dafür notwendige Kostenansatz immer wieder überprüft und „von allen Seiten als äußerst positiv und sinnvoll bewertet“ worden.

Die Fördergruppen an den zwei Heiligenhauser Grundschulen bestehen jeweils aus neun Kindern. Die Kinder werden nur zum gezielten Förderunterricht aus dem normalen Unterrichtsgeschehen herausgenommen. Oder aber ein Sonderpädagoge gestaltet den Unterricht für die ganze Klasse mit der Lehrerin zusammen.