Aus guter Nachbarschaft in Heiligenhaus

In der Gerhart-Hauptmann-Straße fühlt sich Armin Merta zuhause, deshalb engagiert er sich seit vielen Jahren für seine Siedlung und ihre Bewohner.
In der Gerhart-Hauptmann-Straße fühlt sich Armin Merta zuhause, deshalb engagiert er sich seit vielen Jahren für seine Siedlung und ihre Bewohner.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Siedlerbriefe, Spaziergänge und Sommerfeste: Armin Merta macht sich seit drei Jahrzehnten für seine Siedlung stark.

Heiligenhaus..  Dass dieses Haus einmal ein Zuhause werden würde, hat Armin Merta auf den ersten Blick erkannt. 1979 war das. Das kleine Siedlerhaus in der Gerhart-Hauptmann-Straße renovierungsbedürftig und ein Zufallsfund für den Mathelehrer und seine Familie. Vier Jahre dauerte es, das Gebäude aus den 50er Jahren mit viel Zeit und Liebe umzubauen. Die neuen Eigentümer haben selbst viel angepackt – kein Wunder, dass ihr Heim ihnen dabei sehr ans Herz gewachsen ist. Aber es ist nicht nur das Gebäude selbst, das für Armin Merta ein Zuhause geworden ist. Es ist die ganze Siedlung. „Wir haben uns von Anfang an wohl und willkommen gefühlt“, sagt er dankbar. Und deshalb fällt es ihm nicht schwer, ein Stück dieser Dankbarkeit zurückzugeben.

Seit drei Jahrzehnten führt er inzwischen die Siedlergemeinschaft als ihr Vorsitzender an. Wie nahezu der ganze Straßenzug selbst, wurde die Gemeinschaft 1952 gegründet. 25 Jahre später starb der erste Vorsitzende, danach schlief das Vereinsleben ein. Als die Siedlergemeinschaft 1984 wieder reaktiviert werden sollte, schlugen Nachbarn Armin Merta vor. Ende des gleichen Jahres noch ließ sich der Lehrer zum Vorsitzenden wählen. Eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut hat.

Unter seiner Regie hat sich die Mitgliederzahl nahezu verdoppelt, inzwischen ist die Gemeinschaft 35 Familien stark. „Es gibt nur sehr wenige in der Straße, die nicht Mitglied sind“, sagt Merta. Die Gruppe hat sogar Zulauf aus den Nachbarstraßen. Denn Siedlergemeinschaften sind eine aussterbende Art. In der Stadt haben sich neben den Nachbarn aus der Gerhart-Hauptmann-Straße nur noch drei weitere Siedlungen derartig organisiert. An Nachwuchs mangelt es den Siedlern um Merta jedoch nicht. „Bei uns sind viele junge Familien“, freut sich der 66-Jährige.

1000 Seiten Siedlungs-Chronik

Um diese und auch die langjährigen Mitglieder zu halten, organisiert die Gemeinschaft ein buntes Jahresprogramm. Da wird gewandert, gegessen, gekegelt, geradelt und gefeiert. Besonderer Jahreshöhepunkt ist das Sommerfest der Siedler am Ende der U-förmigen Straße. Armin Merta rechnet jährlich mit rund 70 Gästen, darunter viele Kinder. Für die schüttete ein Nachbar beim letzten Fest sogar eigens Sand zum Spielen auf.

Fürs Organisieren hat Armin Merta ein Händchen, das merkt man gleich. Da fällt es ihm auch nicht schwer, neben all den Veranstaltungen der Nachbarschaft, acht bis zwölf Siedlerbriefe pro Jahr zu verfassen. Die steckt er bei jedem der Nachbarn sogar persönlich in den Briefkasten. Besucht Altersjubilare am Ehrentag und kümmert sich auch gleich noch ums Einsammeln von Geld für Ehejubiläen und Beerdigungen.

Und weil ihm auch die Geschichte seiner Straße am Herzen liegt, hält er sie in einer Chronik fest. Mehr als 1000 Seiten über die Häuser und Menschen in seiner Nachbarschaft hat der pensionierte Lehrer schon zusammen getragen. Und jedes Jahr wächst die Schrift um 30 bis 40 weitere Seiten. Warum er das alles macht? „Aus Dankbarkeit, mich hier so Zuhause fühlen zu dürfen“, sagt er und zählt einige der vielen schönen Momente auf, die er und seine Familie hier erlebt haben. Für ihn sei die Arbeit für die Siedlergemeinschaft keine Belastung. Ganz im Gegenteil: „All das macht mir Spaß“, sagt er ganz bescheiden, zieht sich seine Jacke über und dreht eine Runde durch sein Revier. Hier schmiegen sich kleine Doppelhaushälften aneinander. Eine von ihnen ist für Armin Merta und seine Familie zu einem echten Zuhause geworden.