Aufbruch in eine ungewisse Zukunft

Zu den ausgegeben Lebensmittelkarten gab es für die Soldaten aus dem Osten Zusatzkarten und außerdem ein „Führerpaket als Dank des Führers zum Einsatz gegen den Kommunismus“. In den Tagen des ersten Heimaturlaubs versuchten Mutter und auch Verwandte, den Aufenthalt so schön wie nur möglich zu gestalten. Zu erwähnen ist hier aber auch, dass die Bauern aus der Nachbarschaft Mutters Bemühen, ihren Sohn während des Urlaubs gut zu füttern, wohlwollend unterstützt haben.

Mit zunehmender Dauer des Krieges wurde auch für die Bevölkerung die Versorgung mit den einfachsten Dingen des täglichen Lebens immer schwieriger. Für alles wurden Bezugsscheine ausgestellt, aber selten war die Ware vorhanden. Die sehr prekäre Versorgungslage brachte es mit sich, dass sich vor den Lebensmittelläden, Bäckereien und Fleischereien weit vor Beginn der Öffnungszeiten lange Käuferschlangen bildeten. Im beschränkten Maß gab es Ersatzstoffe ohne Lebensmittelmarken.

Schweigemarsch nach Isenbügel

Bei Begegnungen mit Freunden und Bekannten hieß es: „Wann musst Du wieder fort?“ Schon vor dem Abreisetag hatte ich mich von Verwandten und Bekannten verabschiedet; nachdenkliche Gesichter bei den meisten, die mir nun alles Gute wünschten. Für die weite Reise hatte Mutter alles vorbereitet, damit ich trotz der dürftigen Wehrmachtsverpflegung für den Weg genug Essen hatte. Auf dem Weg zum Haltepunkt Isenbügel begleiteten mich die nächsten Verwandten; in Anbetracht der Abschiedsstimmung war es ein Schweigemarsch. Dann ein kurzes Winken aus dem Abteilfenster, die Dunkelheit nahm den Personenzug in Richtung Kettwig auf und mich somit wieder in eine ungewisse Zukunft.