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Fußball & Kirche

Auf’m Platz und vorm Altar

30.06.2012 | 18:14 Uhr
Auf’m Platz und vorm Altar
Christoph Zirener ist katholischer Kirchenmusiker – und Fussballfan.

Heiligenhaus.   Zum EM-Finale gibt’s in der Dorfkirche Isenbügel Public Viewing. Die WAZ stellt Kirchenvertretern die Gretchenfrage: Wie hält’s der Fußball mit der Religion?

W ie passen Religion und Fußball zusammen?

 Christoph Zirener (kath.): Für manche ist Fußball eine Religion. Die einen gehen sonntags in die Kirche, die anderen ins Stadion. Manche Spieler werden wie Götter verehrt. Ein Spiel hat Rituale wie ein Hochamt: Wie der Priester in die Kirche einzieht, so ziehen die Mannschaften ins Stadion ein. Auf der Tribüne werden Lieder gesunden wie bei uns in der Kirche auch. Augenscheinlich gibt es also einige Parallelen – aber nicht inhaltlich.

Wo hören die Parallelen auf?

Fußballer sind natürlich keine Götter und Heilsbringer. Es gibt einen Unterschied zwischen Franz Beckenbauer und Jesus Christus. Der eine ist eine Lichtgestalt des deutschen Fußballs, der andere ist das Licht der Welt.

Viele Fußballer bekreuzigen sich vor dem Spiel oder nach Toren. Hat diese christliche Symbolik etwas auf dem Platz zu suchen?

Warum nicht? Warum soll man sich nicht zu seinem Glauben bekennen, auch auf dem Fußballplatz? Es ist doch schön, wenn Menschen, wie jetzt bei der Europameisterschaft, vor einem Millionenpublikum zu ihrem Glauben stehen.

Stars wie aktuell der ukrainische Stürmer Schewtschenko werden von den Fans als „Fußballgötter“ bezeichnet, die auf „heiligem Rasen“ spielen. Blasphemie?

Das ist keine Blasphemie. So ernst gemeint ist das nicht. Der heilige Rasen ist nur der Ausdruck dafür, dass er einem wichtig ist. Und dass Schewtschenko kein Gott ist, ist auch jedem klar.

Ist Fußball sozusagen ein Religionsersatz für Atheisten; eine Diesseits-Religion?

Es gibt Kirchgänger, die durchaus auch auf den Fußballplatz gehen. Im Stadion gehört man zur Fangemeinde, egal ob man glaubt oder nicht. In England lassen manche Fans ihre Asche nach ihrem Tod auf dem Fußballplatz verstreuen; es gibt Clubs, die haben eigene Friedhöfe; der FC Schalke 04 und der FC Barcelona haben eigene Kapellen. Fußball kann also auch einen Jenseits-Bezug haben. Aber Fußball als Diesseits-Religion? Nein, Fußball ist überhaupt keine Religion. Im Fußballtrikot würde ich nicht heiraten. Da hört’s dann wirklich auf.

Wie passen Religion und Fußball zusammen?

Kirsten Düsterhöft (ev.) : Es gibt Menschen, für die Fußball wie eine Religion ist. Am Donnerstag sagte ein Gemeindemitglied zu mir: ‘Legen Sie ein gutes Wort für uns bei Ihm ein, wenn wir heute Abend spielen.’ Das funktioniert natürlich nicht. Fußball findet in der Kirche statt, weil Public Viewing einen extrem gemeinschaftlichen Charakter hat. Ansonsten passen Fußball und Religion nicht zusammen. Es gibt keinen Gott, der Fußball heißt.

Manche sagen, die Inszenierung eines Fußballspiels und eines Gottesdienstes besäßen oberflächliche Parallelen. Wo hören sie auf?

Es gibt für mich keine Parallelen, auch nicht beim Gesang im Stadion und in der Kirche. Das finde ich etwas weit hergeholt.

Viele Fußballer bekreuzigen sich vor dem Spiel oder nach Toren. Hat diese christliche Symbolik etwas auf dem Platz zu suchen?

Da Religion eine Lebenshaltung ist, ist es stimmig für sie, dass sie auch auf den Platz gehört. Solche Gesten haben auch einen Vorbildcharakter für Jugendliche, die das genau zur Kenntnis nehmen.

Stars wie aktuell der ukrainische Stürmer Schewtschenko werden von den Fans als „Fußballgötter“ bezeichnet, die auf „heiligem Rasen“ spielen. Blasphemie?

Eigentlich ja. Gott hat einen Namen: Jesus Christus. An diese Stelle gehört kein Mensch. Wobei das Wort Blasphemie zu stark ist. Vermessen trifft es besser.

Ist Fußball sozusagen ein Religionsersatz für Atheisten; eine Diesseits-Religion?

Wenn ich mein Lebensglück daran hänge, dass eine Mannschaft gewinnt, dann bekommt das für diesen Menschen etwas Religiöses. Luther hat das Gebot ‘Du sollst keinen anderen Gott haben neben mir’ so ausgelegt, dass es darum geht: Woran hängst Du Dein Herz? Das kann auch Geld sein, Karriere oder Fußball. Aber man sollte auch darüber nachdenken, was bleibt. Fußball ist ein Spiel. Religion ist eine Lebenshaltung. Das schließt sich nicht aus, aber Fußball ist keine Religion. Eine Diesseits-Religion funktioniert nicht. Als Christen schauen wir immer ein Stück weiter, weil mit dem irdischen Leben nicht alles zu Ende ist.

Monique de Cleur



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