Arnd Federspiel schätzt Pubs – und liebt Hardboild-Krimis

London Pride – das kennt Arnd Federspiel noch aus seiner Zeit in England. In der Nähe von London besuchte er eine Schauspielschule.Am 14. Juni liest der Krimiautor auf Einladung von VHS und Geschichtsverein im Museum Abtsküche in seiner alten Heimat Heiligenhaus.
London Pride – das kennt Arnd Federspiel noch aus seiner Zeit in England. In der Nähe von London besuchte er eine Schauspielschule.Am 14. Juni liest der Krimiautor auf Einladung von VHS und Geschichtsverein im Museum Abtsküche in seiner alten Heimat Heiligenhaus.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Krimiautor Arnd Federspiel liest am 14. Juni im Museum Abtsküche in Heiligenhaus. Ein Gespräch vor Ort über Literatur, Schauspiel und Fotografie.

Heiligenhaus.. Arnd Federspiel liebt Bücher. Bedrucktes Papier wohlgemerkt. Wörter, die wohl gesetzt, Cover, die liebevoll gestaltet sind. „Wenn ich eine bestimmte Stelle im Buch suche, bin ich mit dem Daumen einfach viel schneller als beim Wischen auf dem E-Reader“, sagt der 49-Jährige und lässt die Seiten der Anthologie „Schicht im Schacht“ blitzschnell durch seine Finger gleiten.

Bei „Jenseits von Heljens“ bleibt der Daumen stehen, jener Kurzgeschichte, die der Krimiautor am 14. Juni im Museum Abtsküche zum Besten geben wird. Die WAZ hat sich mit Arnd Federspiel am „Tatort“ der Lesung getroffen – und dabei Interessantes erfahren.

Ungewöhnliche Blickwinkel

Zum Beispiel, dass auch ein Fotoapparat durchaus zum Handwerkszeug eines Schriftstellers gehören kann. „Ich habe schon als Acht- oder Zehnjähriger fotografiert, mit so einem günstigen Modell aus Plastik“, erinnert sich Federspiel, der seine Kindheit und Jugend in der Unterilp verbracht hat, angesichts der zahlreichen Kameras in den Vitrinen des Heimatmuseums. „Es gab 24er und 36er Filme, und wenn man die gut einspannte, kamen ein bis zwei Fotos mehr raus.“ Heute hat Federspiel „keine Kamera mit Riesenobjektiven, aber schon was Ordentliches.“ Im Fokus stehen nicht nur Landschaften und die Familie am Urlaubsort, sondern auch markante Ecken und ungewöhnliche Blickwinkel, Orte, von denen er denkt, „da könnte mal was passieren“. Etwas Kriminelles, gar Mörderisches vielleicht. Nicht nur Notizhefte über Handlungsstränge und Szenen nutzt Federspiel als Gedächtnisstütze für seine literarische Arbeit, sondern ebenso Fotos.

Für die Kurzgeschichte „Stein am Bein“, die er ebenfalls am Sonntag vortragen wird, hat er die Staumauer in Werden fotografiert. Sein Protagonist wird dort von verbrecherischen Subjekten festgehalten – und soll im Wasser sterben. „Ich habe überlegt: Wo kann er da stehen, wo macht es Sinn.“ Ob er diesem Schicksal entrinnen kann? Darauf darf das Publikum gespannt sein.

Derweil hat der Essener bei unserem Museumsrundgang das „London Pride“ aus der Ausstellung über englische Pubkultur entdeckt und lacht: „Das kenne ich noch von meiner Schauspielausbildung.“ Die absolvierte Arnd Federspiel (nach erfolgreichem Jura- und Anglistikstudium in Gießen) in Loughton bei London. „Freitagabend sind wir immer in den Pub, wenn wir nicht allzu fertig waren vom Lernen.“ Nicht wegen der alkoholischen Getränke schätze er die Pubs, „sondern weil man da in der Regel auch gut essen kann.“ Regelmäßig besuchte die Gruppe natürlich die Londoner Theater. Federspiel nutzte die Wochenenden außerdem fürs Sightseeing: „Jedes Mal kam ein anderer Flügel in der National Gallery dran.“

Welche Museen sind ihm noch in Erinnerung? Das British Museum mit seinen keltischen und ägyptischen Abteilungen. Der Tower natürlich: „Diese Burg mitten in der Stadt, das ist schon was. Man spürt noch heute die Geschichte, die dort stattgefunden hat.“

Klar. dass ein Besuch in der Baker Street, dem Wohnsitz von Sherlock Holmes, dazugehört. „Er ist in den Köpfen so vieler Menschen weltweit, da ist es egal, dass es die Nummer 221b eigentlich gar nicht gibt.“ Und dass das kleine Museum Gegenstände einer komplett fiktionalen Person zeigt.

Chandler ist sein Vorbild

Das Gespann Holmes und Watson, geschaffen von Arthur Conan Doyle, sei Vorbild für etliche Autoren geworden, „jeder kann sich da was anderes rausziehen.“ Was sind Arnd Federspiels Vorbilder? „Raymond Chandler und Dashiell Hammett. Aber eher noch Chandler“, bekennt sich der Essener zur Schule der „Hardboiled“-Literatur, also zu Krimis der etwas härteren Gangart.

Kampftechniken erlernt

Dazu passt es, dass Federspiel beim alljährlichen Treffen der deutschsprachigen Krimischriftsteller (das in diesem Jahr Anfang Mai in Büsum stattfand) das Seminar „Warum Bond, Holmes und Lara Croft jeden Zweikampf gewinnen“ belegt hatte. Dabei ging es vor allem um praktische Übungen. Die Autorinnen und Autoren wurden in Kampftechniken eingeführt, wie sie unter anderem in Actionfilmen zu sehen sind.

Ob man jetzt aufpassen muss, wenn man Arnd Federspiel bei Nacht begegnet? Seine dunklen Augen blitzen, mit einem schelmischen Lächeln antwortet er: „Naja, für einen James-Bond-Level reicht es nicht ganz. . .“

Nein, seine mörderischen Taten vollbringt Federspiel immer noch auf dem Papier. Mit Vorliebe Kurzgeschichten. Ob seine Figur Tom Heine aus dem Roman „Bei Hitze Mord“ noch weitere Abenteuer erleben wird, lässt der 49-Jährige offen. Derzeit arbeitet er mit einer Kollegin an einem Drehbuch. Keine einfache Materie, denn was im Buch über Seiten hinweg beschrieben wird, müsse im Film visuell wirken.

Comic-Helden

Apropos visuell. Arnd Federspiel tauscht gelegentlich die Tastatur seines Laptops mit Bleistift oder Feder und Tinte. Dann zeichnet er Comics. Die franco-belgischen Vertreter wie „Spirou und Fantasio“, „Lucky Luke“ und „Asterix und Obelix“ oder auch Marvel-Helden wie „Batman“ hat er in seiner Jugend verschlungen und sie inspirieren ihn hin und wieder zu eigenen grafischen Geschichten.

Auch für Figuren jenseits des Mainstream begeistert sich der Essener. Etwa für „Usagi Yojimbo“, eine Figur des US-amerikanischen Zeichners Stan Sakai. Dieser lässt seinen Hasen-Leibwächter Abenteuer im Japan des 17. Jahrhunderts bestehen – und greift dabei Themen der Kulturgeschichte auf. „Die Erzählstruktur ist sehr komplex, es gibt immer wieder Rückbezüge zu vorhergehenden Handlungssträngen“, berichtet Federspiel.

Seine eigenen Krimis hat der Autor bisher nicht illustriert, aber für jene Geschichten, die er für seine Kinder geschrieben hat, greift er durchaus zum Zeichenstift. „Das sind aber keine Krimis. Nur eine ist eine Detektivgeschichte.“