Anwalt sieht Handys als „wichtige Quelle“

Im Sitzungssaal des Landgerichts in Wuppertal.
Im Sitzungssaal des Landgerichts in Wuppertal.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Prozess im Landgericht Wuppertal kreist am Freitag um die Frage: Lassen sich gelöschte Daten von Mobiltelefonen wieder lesbar machen?

Heiligenhaus / Wuppertal..  Mancher Prozessbeteiligte fragte sich, als er die Handy-Protokolle der Getöteten und des Angeklagten N. (31, Name geändert) durchsah, wer denn dieser „Withheld“ sein mag, der in der Spalte auftaucht, in die eigentlich die Nummer des Anrufers hingehört. Letztlich kam man noch drauf, dass es „Nummer unterdrückt“ bedeutet. Diese Anekdote demonstriert, dass im Prozess um den Totschlag einer 26-jährigen Ehefrau und Mutter im März 2014 in der Oberilp alles für möglich gehalten wird.

In der Sache kam gestern indes nicht viel heraus: keine Einlassung des Angeklagten und kein weiterer Aufschluss über die Handykommunikationen, denn das Gericht hatte statt des ermittelnden Sachbearbeiters irrtümlich den Techniker als Zeugen geladen. Da er schon mal da war, stand er dann Rede und Antwort, ob man gelöschte Nachrichten auf einem Handy wieder sichtbar machen kann. Die Antwort: Neuere Betriebssysteme löschen gründlicher als alte, und iPhones sind tendenziell schlechter auszulesen.

Der Hintergrund: Es gibt noch zwei weitere Handys, über die das spätere Opfer mit ihrem Cousin und Liebhaber gechattet haben soll. Der Vater hatte sie genommen und zwei anderen Kindern verkauft, die Handys sollen dabei „auf Werkseinstellungen zurückgesetzt“ worden sein. Ob ihr Speicherinhalt wiederhergestellt werden kann, ist also fraglich.

N.s Anwalt will die Geräte aber unbedingt zur Auswertung. „Die Tat ist nicht ahistorisch in dem Sinne, dass sie ohne Vorgeschichte ist, und die Geschichte beginnt weit vor dem 22. Februar 2014“, als die Geräte vom Vater der 26-Jährigen konfisziert wurden. Der Verteidiger nennt die Handys eine „für die Bewertung der bisherigen Beweisaufnahme wichtige Quelle“.

Was das bedeutet: Nachdem der Cousin nach dem Auffliegen des Verhältnisses ein zweites Mal aussagen musste, könnte die Auswertung der zwei Handys ergeben, dass noch andere Zeugen ihre Aussagen ergänzen müssen. Viele Angehörige von Opfer, Angeklagtem und Geliebtem, die alle zur selben libanesischen Großfamilie gehören, hatten recht vorsichtig ausgesagt.

Falls es später noch mehr Enthüllungen gibt, wäre wieder völlig offen, wie lange das Verfahren dauert.