Alte Liebe für neuen Lesestoff in Heiligenhaus

Helga Schniewind engagiert sich seit vielen Jahren im Freundeskreis der Bücherei.
Helga Schniewind engagiert sich seit vielen Jahren im Freundeskreis der Bücherei.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Mit 88 Jahren ist Helga Schniewind das dienstälteste Vorstandsmitglied im Freundeskreis der Bücherei.

Heiligenhaus..  Bücher wurden Helga Schniewind quasi schon in die Wiege gelegt. Kein Wunder, dass die Lesewerke auch heute noch eine wichtige Rolle für die 88-Jährige spielen. Gerade schmökert sie in einem Werk des niederländischen Autors Maarten ‘t Haart. Aber nicht nur auf dem heimischen Sofa blättert die Heiligenhauserin gerne in den bedruckten Seiten, sie macht sich auch öffentlich stark für Bücher. Seit fast zwei Jahrzehnten engagiert sie sich im Freundeskreis der Bücherei.

Eine Wohnzimmerwand voll bunter Familien-Fotografien, mittendrin ein altes Schwarz-Weiß-Bild in kleinem Rahmen. Es zeigt Helga Schniewinds Eltern. Aufgenommen wurde das Bild in Hinterpommern. Dort wuchsen Helga Schniewind und ihre vier Geschwister ganz behütet auf dem elterlichen Gutshof auf. In dem dazugehörigen 300-Seelen-Dorf besuchte sie die Schule. Als sie an ihre ersten Leseversuche zurückdenkt, schmunzelt die Seniorin. Eingeschult mit fünf Jahren, lag ihr das Lesen schon früh im Blut. „Während meine Klassenkameraden noch buchstabierten, konnte ich schon flüssig lesen“, erzählt die Heiligenhauserin.

Ihr Vater war es, der schon eine besondere Vorliebe für das gedruckte Wort hatte, sogar selbst Bücher schrieb. Darin ging es vornehmlich um die Jagd. Saß der Vater tags über seinen Formulierungen für ein weiteres Fachbuch, las er den fünf Sprösslingen abends die neu geschriebenen Zeilen vor. Wenn der Inhalt auch wenig kindgerecht war, förderte er jedoch Helga Schniewinds Freude an Büchern im Allgemeinen. Später, als Helga Schniewind selbst Mutter von fünf Kindern war, gehörten die Gute-Nacht-Geschichten weiter zum Familienleben dazu. Nur war es diesmal sie selbst, die ihren Nachwuchs mit den Büchern vertraut machte. Die Kinder sind inzwischen längst aus dem Haus, die Bücher noch da. Und Helga Schniewinds Engagement bleibt.

Was sie nicht nur ihrer Vorliebe fürs Schmökern zuschreibt, sondern auch dem guten Miteinander im Freundeskreis der Bücherei. „Alle sind so aktiv, da kommt man gar nicht auf die Idee aufzuhören“, sagt die Seniorin und lächelt. Mit ihren 88 Jahren ist Schniedwind nicht nur das betagteste Vorstandsmitglied, sondern auch das dienstälteste. Ans Aufhören verschenkt sie jedoch keinen ernsthaften Gedanken. „So lange es geht, mache ich weiter und helfe überall dort, wo ich kann“, sagt sie. Wie viel Zeit sie für den Freundeskreis der Bücherei investiert? „Die Stunden kann man nicht zählen.“ Außerdem vergehe Arbeit, die man gerne mache, sowieso immer wie im Fluge.

Dabei ist Schniewind neben ihrer Tätigkeit als Schriftführerin auch Mädchen für alles. Rührt Waffelteig für Kinderveranstaltungen an oder hilft beim Bücherflohmarkt. „Die Bücherkisten darf ich aber nicht mehr schleppen, das erlauben die anderen nicht“, sagt Helga Schniewind schmunzelnd.

Das Geld, das der Förderverein bei seinen Aktionen einnimmt, kommt in vollem Umfang der örtlichen Bücherei zugute. Ohne diese Unterstützung wäre die Bibliothek aus finanziellen Gründen nicht in der Lage, ihre Bestande aktuell zu halten. Und das kommt auch Helga Schniewind gelegen. Denn ab und an stöbert sie selbst gerne in den langen Büchereiregalen nach frischem Lesestoff.