Alliierte zogen die Schlinge zu

Amerikaner und Briten wollten kein Risiko eingehen. Also setzte kein Soldat auch nur einen Stiefel über den Rhein, bevor dort nicht aus der Luft der Widerstand gebrochen wurde. „Zuerst wurden ganze Bombenteppiche abgeworfen, danach gab es über mehrere Tage Artillerie feuer“, beschreibt Stecher das Vorgehen. An den Luftbildern von Wesel lässt sich nicht nur diese verheerende Taktik gut erkennen, sondern auch erahnen, was mit Heiligenhaus im Fall einer Rheinüberquerung bei Düsseldorf passiert wäre.

Panzersperren an Kreuzungen

Westlich von Heiligenhaus, entlang der heutigen Autobahn A 3, wurden für diesen Fall Stellungen aufgebaut. Große Straßenkreuzungen wurden mit Panzersperren gesichert und die in der Gegend reichlich vorhandene Flak als Panzerabwehr postiert. Gegen das Geschoss einer 8,8-cm-FlaK 41 hatte auch die stählerne Haut eines Panzers keine Chance. Die wenigen Wehrmacht- Panzer wurden bei Mettmann und in Hubbelrath in Bereitschaftspositionen gebracht, um schnell eingreifen zu können.

Der sogenannte Kettwiger Sperrriegel sollte von der Ruhr bis zum Rhein bei Kaiserswerth das Vordringen der Amerikaner von Duisburg aus verhindern. Die Ruhrhöhen nördlich von Heiligenhaus wurden zwischen Kettwig und Werden befestigt. Nördlich der Stadt, am Hessenbleek, stand auch eine Flak. Außerdem rekrutierte die Wehrmacht aus den umliegenden Fabriken freigewordene Arbeiter als Frontsoldaten des „Volkssturm“ und schickte sie in die Abwehrstellungen. „Um den Kampfwillen war es schlecht bestellt“, weiß Stecher zu berichten. „Nach dem Scheitern der Ardennenoffensive und der Katastrophe an der Ostfront herrschte Mutlosigkeit.“ Die Alliierten waren in der Übermacht und überrollten eine Stadt nach der anderen. Alle wussten: „Es war nur noch ein Hinhalten.“

Als die Alliierten schließlich über die Ludendorff-Brücke in Remagen marschierten, zerplatzte der Verteidigungsplan der Wehrmacht. Die Geschütze und Truppen vom Rhein und von Düsseldorf abzuziehen und an der neuen Front entlang der Sieg neu zu formieren kostete die Deutschen viel Zeit.

Kostbare Zeit, die die Amerikaner nutzten, um sich in einer Zangenbewegung von Norden aus dem Raum Wesel und von Süden her von Remagen bis nach Lippstadt vorzukämpfen. Bis sie schließlich am 1. April 1945 die Schlinge ums Ruhrgebiet festzogen.