200 von 23000 Glockenschlägen läuten in Heiligenhaus

Die Pfarrkirche St. Suitbertus, gesehen vom Südring. Auch in St. Ludgerus werden am Freitag die Glocken läuten.Foto:Hans Blossey
Die Pfarrkirche St. Suitbertus, gesehen vom Südring. Auch in St. Ludgerus werden am Freitag die Glocken läuten.Foto:Hans Blossey
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Was wir bereits wissen
Im gesamten Erzbistum Köln läuten am Freitag, 19. Juni, um 20 Uhr die Kirchenglocken, um an das Schicksal der Flüchtlinge im Mittelmeer zu erinnern.

„Wir haben in beiden Kirchen auch Totenglocken“, sagt Alfons Demand. „Aber wir werden das gesamte Geläut klingen lassen“, so der Pfarrer von St. Suitbertus, „damit es auch gehört wird.“ Für eine Viertelstunde, von 20 Uhr bis 20.15 Uhr, läuten am Freitag, 19. Juni, dem Vorabend des Weltflüchtlingstages, die Kirchenglocken von St. Suitbertus und St. Ludgerus.

Heiligenhaus’ katholische Pfarrgemeinde beteiligt sich damit an der von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki ausgerufenen Mahn- und Solidaritäts-Aktion
„23 000 Glockenschläge“. 23 000: Das ist geschätzt die Zahl der Menschen, die seit der Jahrtausendwende als Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken sind. 200 Kirchen im mitgliederstärksten katholischen Bistum Deutschlands sollen am Freitag mit jeweils 100 Glockenschlägen mahnen: „Jeder Schlag in dieser Zeit steht für einen Toten: Kinder, Väter und Großmütter“, wie der Pressedienst des Bistums Kardinal Woelki zitiert.

„Wir werden sicher mehr als 100 Schläge läuten“, meint Pfarrer Demand. „Die Anlagen gehen mittlerweile alle automatisch“ – und lassen sich ganz kurzfristig wohl nicht umprogrammieren. Denn auch das sagt der Pfarrer von St. Suitbertus und St. Ludgerus: Die Ankündigung des akustischen Fanals aus Köln „kam für uns alle ziemlich plötzlich“. Als der Pfarrer am letzten Sonntag in den Gottesdiensten seine Gemeinde informierte, war die Ankündigung der „23 000 Glockenschläge“ noch ganz frisch.

Ein eigenes Programm zum Thema für die Heiligenhauser Katholiken zu gestalten – dafür sei die Zeit zu knapp gewesen. „Wer Lust hat, kann nach Köln zum Roncalliplatz fahren“, meint Pfarrer Demand. Am Kölner Dom beginnt am Freitag um 19.30 Uhr der Solidaritätsabend für Flüchtlinge – einschließlich einer ökumenischen Gedenkfeier, an der sich Christoph Pistorius als Vizepräses der evangelischen Landeskirche beteiligt.

Alte Kirche könnte ebenfalls läuten

In Heiligenhaus zeigt sich Pfarrer Horst-Ulrich Müller überrascht, aber angetan von der Aktion der katholischen Christen. Er will spontan versuchen, auch die evangelische Gemeinde für eine Teilnahme zu begeistern.

Es gibt auch bereits eingespielte Aktionen der beiden großen Konfessionen: „Wir haben erst kürzlich die christlichen Flüchtlinge eingeladen“, erzählt Pfarrer Demand. „Das große Problem ist die Sprache.“ Auch Pfarrer Müller bestätigt, „mit Händen und Füßen“ habe man sich bemüht, einen Eindruck vom Leben der beiden Gemeinden zu vermitteln. Er könne nicht beurteilen, wie sich die Stadt verhalte, sagt Alfons Demand: „Aber von unserer Gemeinde geht auf jeden Fall ein Willkommensgruß an die Flüchtlingsunterkünfte.“